Cern-Chef

26. Juli 2011 14:00; Akt: 26.07.2011 16:56 Print

«Gottes-Teilchen» sehr bald beweisbar

Existiert das mysteriöse Higgs-Teilchen, oder existiert es nicht? Laut dem Cern-Direktor wird die Frage schon sehr bald beantwortet sein.

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Simulation des hypothetischen Zerfalls eines Higgs-Teilchens. (Bild: Cern)

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Für das Higgs Boson werde sich die Shakespeare'sche Frage «Sein oder Nichtsein» im nächsten Jahr lösen, sagte Rolf-Dieter Heuer, der Direktor des Teilchenforschungszentrums Cern auf einer Konferenz in Grenoble (F). Bis dahin werde der weltgrösste Teilchenbeschleuniger LHC am Cern genügend Daten gesammelt haben.

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Die Physiker wüssten, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieses Teilchen produziert würde und mit welcher Effizienz die Detektoren es sehen würden, sagte Heuer in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom Dienstag. Deshalb könne er sich so weit aus dem Fenster lehnen.

Erst ein Bruchteil der Daten

In 100 Meter Tiefe unter Genf im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Frankreich beschleunigen die Teilchenphysiker des Cern Protonen und Bleiatomkerne beinahe auf Lichtgeschwindigkeit. Mit grosser Wucht prallen die Teilchen im 27 Kilometer langen Ringbeschleuniger, dem Large Hadron Collider (LHC), aufeinander.

Seit März 2010 läuft der LHC stabil bei hoher Energie. Auf jeden Fall sei der LHC eine Entdeckungsmaschine, sagte Heuer. «In einem ersten Schritt hat der LHC die bekannte Physik bestätigt. Alle Elementarteilchen, die wir kennen, konnten wir bei dieser hohen Energie erzeugen, so, wie wir es erwarteten.»

Zwar sei somit bisher im ersten Betriebsjahr noch nichts Neues entdeckt worden. Die Forscher hätten aber erst einen Bruchteil der Daten, weniger als ein Promille, zur Verfügung. Bisher hätten die Forscher erst ein Zehntel der nötigen Menge an Kollisionen geliefert, um die Higgs-Frage zu beantworten, sagte Heuer.

In jedem Fall eine Entdeckung

«Das Higgs-Teilchen wäre eine grosse Entdeckung. Aber eine fast noch grössere Entdeckung wäre seine Nichtentdeckung.» Das Higgs-Teilchen gibt laut Heuer den anderen Teilchen ihre Masse. Es sei das letzte fehlende Puzzleteil im Standardmodell der Teilchenphysik.

«Wenn dieser Grundbaustein aber nicht existiert, dann hätten wir 40 Jahre nach Einführung dieses schönen Modells zum ersten Mal einen echten Bruch entdeckt. Was bliebe, wäre ein grosses Loch, und wir müssten etwas anderes finden, um es auszufüllen», sagte der Wissenschaftler.


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(sda)