Kokainhochburg Schweiz

27. Mai 2014 13:47; Akt: 27.05.2014 15:11 Print

«Kokain hat ein sauberes Image»

1,6 Kilo Koks pro Tag schnupfen die Zürcher. Viele haben damit kein Problem: Die Droge gelte nicht mehr als «grusig», und die meisten Kokser seien integriert, sagt ein Szenekenner.

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Herr Kobel, Basel, Genf, St. Gallen und Zürich sind laut neusten Zahlen regelrechte Kokainhochburgen. Alleine die Zürcher schnupfen pro Tag 1,6 Kilo der Droge. Wer konsumiert so viel Kokain?
Christian Kobel: Die meisten sind berufstätig und sozial integriert. Die Leute, die bei uns in die Beratung kommen, sind im Schnitt 31 Jahre alt. Zwei von drei sind erwerbstätig. Darunter sind fast alle Berufe vertreten – vom Handwerker bis zum Versicherungsvertreter. Natürlich auch Banker, aber nicht so viele, wie alle meinen. 20 Prozent sind Studenten.

Umfrage
Soll der Staat auch harte Drogen wie Kokain und Ecstasy/MDMA legalisieren?
36 %
23 %
30 %
11 %
Insgesamt 7276 Teilnehmer

Gemäss der neuen Studie hat sich der Kokainkonsum innert eines Jahres verdoppelt. In Zürich werden rund 16'000 Linien pro Tag gezogen. Das tönt nach extrem viel.
Ist es auch. Aber man muss trotzdem relativieren: In einer Partynacht, die ja gut bis am nächsten Morgen dauern kann, sind ein bis zwei Gramm Kokain pro Person durchaus denkbar. Die wenigsten nehmen nur eine Linie, dafür hält die Wirkung nicht lange genug an.

Wie viele Kokain-Konsumenten gibt es in der Schweiz?
Das kann ich nicht abschätzen. Laut älteren Befragungen haben weniger als acht Prozent der Schweizer schon Kokain genommen. Klar ist, dass viel mehr Leute hin und wieder Kokain nehmen, als dass es Süchtige gibt. Unsere Beobachtung ist, dass der Konsum auf hohem Niveau relativ stabil bleibt.

Wo ausser an Partys wird gekokst?

Vor allem zuhause mit Kollegen. Und ein Teil der Konsumenten nimmt auch am Arbeitsplatz Kokain.

In welchen Berufen kann man sich das leisten?

Der Beruf ist nicht so wichtig. Je selbständiger jemand arbeiten kann, desto eher kann er Kokain nehmen. Sonst merken es die Kollegen schnell. In Stressjobs ist die Versuchung aber sicher am grössten. Kokain stärkt das Selbstvertrauen und fördert die Leistungsfähigkeit.

Hat Kokain deshalb seinen Schrecken verloren und gilt als Leistungsdroge?
Zum Teil schon. Es hat heute ein relativ sauberes Image. Das Schnupfen wird nicht als «grusig» empfunden, man begegnet Kokain im Alltag, sieht an Partys Leute auf dem WC eine Linie ziehen.

Ist Kokain heute wirklich eine saubere Droge?
Nicht vom Reinheitsgehalt her. Bei unseren Proben ist der Kokaingehalt in den letzten paar Jahren zwar leicht gestiegen. Aber das heisst nicht, dass die Droge rein ist: 90 Prozent der Proben sind mit psychoaktiven Mitteln gestreckt – vor allem mit einem Entwurmungsmittel und einem nierenschädigenden, nicht mehr zugelassenen Schmerzmittel. Wir fanden bis zu sechs Streckmittel in den Proben.

Wie hat sich der Preis entwickelt?
Er ist in den letzten zehn Jahren ziemlich stabil geblieben. Heute kostet ein Gramm 80 bis 100 Franken. In den 1970er-Jahren waren es noch rund 300.

Woher bekommt man Kokain?
80 Prozent beziehen es über private Kontakte. Jeder zwölfte kauft es auf der Gasse, gleich viele an Partys. Sehr wenige bestellen es auch übers Internet.

Was braucht es, um die Zahl der Konsumenten zu senken?
Ob es mehr Repression braucht, muss die Polizei abschätzen. Aus unserer Sicht ist gute, realitätsbezogene Information sehr wichtig. Die Leute müssen die Risiken kennen, wissen, was Safer Use ist und wo man die Drogen checken kann. Informationen gibt es beispielsweise auf www.saferparty.ch. Wir sollten die Gefahr aber nicht dramatisieren. Sonst nehmen viele das nicht ernst.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peterLustig am 27.05.2014 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    xD

    ich kann nicht mehr.. "die Zürcher haben die Nase vorn"

  • Tobias D am 27.05.2014 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Prävention statt Prohibition!

    Und das zeigt mal wider wie wenig die verbote bringen. Also legalisiert endlich die drogen und steckt das Geld in die Prävention statt die Prohibition. Ich konsumiere selber zwar keine Drogen und nichtmal Alkohol oder Zigaretten. Dennoch fällt mir auf das gerade die Verbote die grössten Sozialen verwerfungen und Gefahren bergen.

    einklappen einklappen
  • Bruno am 27.05.2014 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    passt in den Zeitgeist

    Naja zu den Luxuskleidern die jetzt in mode sind, passt koksen besser als saufen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • mags frisch am 27.05.2014 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    Die Abstimmungs Fragen sind wieder mal richtig dumm gestellt!

  • John Porro am 27.05.2014 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gras gegen Schnee

    Hanf hat eine alte Tradition in der Schweiz. Und ist eine Feierabenddroge. Kiffen während der Arbeit ist eh nicht wirklich toll. Aber nach getaner Arbeit mal ausspannen ist doch ok - mal sicher besser als Alk! Koks pusht und wär als Arbeitsdroge ideal. Aber legalisieren?? Und Firmen schütten dann irgendwann die Boni in Form von Kokspäckli ans Arbeitsvolk aus..? Ethisch sehr bedenklich!

  • Dani am 27.05.2014 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Zeit...

    Wow, saftige Preise. Und dann jammern alle, sie haben zuwenig Geld? Kein Wunder wenn alles für Zigis, Alk und Kokain verblödet wird. Und so wie sich die Leute auf der Strasse und im Strassenverkehr benehmen wundert mich gar nichts mehr, vermutlich alle zugedröhnt. Schlimm, nebst fortschreitender Verblödung sind auch noch alle Drogensüchtig. Weicheier, die eine Party nicht ohne Drogen geniessen können oder ohne Drogen ein wenig Leistung bringen können.

  • schlaubi schlumpf am 27.05.2014 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbst ist der konsument

    jeder sollte nur das nehmen dürfen was er selber produzieren kann, jeder handel bleibt verboten

  • coni diego am 27.05.2014 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    jeder sein eigener Idiot

    Macht doch euer Leben kaputt - niemand interessiert sich dafür. Aber BITTE: schaut, dass nur ihr und niemand anderer zu Schaden kommt. Oder ist da vielleicht ein Rest von Ehre und Hirn vorhanden?