Kirche heute

03. Juli 2014 22:08; Akt: 03.07.2014 22:08 Print

«Religion wird zum Produkt»

von Claudia Hoffmann - Um Mitglieder anzuwerben, betreiben insbesondere Freikirchen aggressives Marketing. Eine notwendige Strategie, findet der Soziologe Jörg Stolz.

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Popkonzert statt Chorgesang: Bei den Gottesdiensten der Freikirche ICF wird der Glaube zum Kommerz. (Bild: ICF, Zürich)

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Fetzige Musik, blitzende Lichter, tanzende Menschen: Wie bei einem Popkonzert geht es bei den Gottesdiensten der International Christian Fellowship (ICF) zu. Die ICF wie auch andere Freikirchen versuchen, durch ein modernes Image junge Menschen anzulocken – mit grossem Erfolg.

«Dahinter steckt eine riesige Marketing-Maschinerie», sagt Jörg Stolz, Religionssoziologe an der Uni Lausanne. Die Kirchen führen Marktanalysen durch, betreiben Imagepflege und werben mit Slogans. Die Folge: «Religion wird immer mehr zu einem Konsumprodukt, Kirchen immer mehr zu Anbietern.» So lautet das Fazit eines kürzlich von Stolz mitherausgegebenen Buches über die Kommerzialisierung von Glauben.

Landeskirchen sind gefordert

Dies betrifft nicht nur die Freikirchen. «Auch den Landeskirchen bleibt nichts anderes übrig, als bei diesem Trend mitzumachen», glaubt der Religionssoziologe. Denn während sie noch bis Ende der 1950er-Jahre als moralische Autorität galten und der Gottesdienstbesuch am Sonntag zum guten Ton gehörte, ist dieser soziale Zwang inzwischen verschwunden. «Heute können die Menschen zwischen Hunderten von Freizeitangeboten wählen», sagt Stolz.

Um in diesem Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, müssten sich auch die Landeskirchen den Regeln der Konsumgesellschaft unterwerfen und ihren Mitgliedern etwas bieten. «Das tun sie bisher aber noch zu wenig.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xoxo am 03.07.2014 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Worship

    Dieses "Popkonzert", das hier beschrieben wird, nennt sich sonst auch Worship und ist nichts anderes als moderne Kirchenlieder. Wir singen Lieder für Gott, was man in der Kirche auch tut, in einer anderen Musikrichtung. Wenn das Herz stimmt, hat das nichts mit Konsumhaltung etc. zu tun. Um Gott nahe zu sein und meine Glauben zu leben, brauche ich kein Gebäude mit einem Turm und auch keine Halle mit 500 anderen Christen. Aber Gemeinschaft hilft immer wieder. Ob ich nun Kirchgesang ausübe oder Worshiplieder singe spielt keine Rolle, solange es mir dabei um Gott und meinen Glauben an ihn geht.

  • Joane smith am 04.07.2014 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich ohne

    Katholisch erzogen - heute Konfessionslos. Meinen Kindern vermittle ich Diversität und sie sollen entscheiden welcher Religion sie angehören möchten - oder auch keiner.

  • Lina am 04.07.2014 03:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man braucht

    meiner Meinung nach keine Religion und/oder Kirche um gläubig zu sein. Ich bin sehr froh dass dieser Zwang Sonntags in die Kirche zu gehen nicht mehr da ist. "Es gehörte zum guten Ton" wenn ich das nur schon höre...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snake Dundee am 05.07.2014 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Pro gesellschaftlich Religion

    Hier erkennt man die Gründe weshalb die Kirchen in der Schweiz über eine Kirchensteuer finanziert zu sein haben, sehr deutlich! Freie Marktwirtschaft in der Religion kann gefährliche Züge annehmen und schadet immer dem Sinn der Sache! Die Religion hat vergesellschaftet zu sein!

  • Sanela Lüscher am 04.07.2014 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Hat von euch allen schon mal jemand WIRKLICH die BIBEL gelesen?

  • mags frisch am 04.07.2014 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Leider hat Wissen einen schweren Stand gegen Glauben.

  • Anonym am 04.07.2014 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Vorsicht zu geniessen

    Ich war jahrelang selbst im ICF und gehe seit knapp einem Jahr nicht mehr. Leider wurde ich in dieser modernen Kirche ziemlich ausgenützt. Solange man gibt ist man herzlich willkommen, wenn man es nicht mehr tut, ist man seine 'Freunde' ganz schnell los. Von mir aus gesehen hat das ICF ziemlich sektenhafte Züge, die ich leider selber erfahren musste.

  • icf-besucher am 04.07.2014 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zuerst einmal icf besuchen

    ich persönlich finde es einfach immer wieder witzig, wie schlau diese vielen Leute sind... alle dje hier so darüber wettern, sollen zuerst mal ins icf gehen und zwar nicht nur ein mal sondern 3-4 mal und dann schauen! aber bitte nicht schon mit vorurteilen in die kirche gehen, sonst kann man euch leider einfach nicht ernst nehmen..