Tabubruch

09. April 2019 11:12; Akt: 09.04.2019 11:15 Print

«Tierfilmer sollen Lauf der Natur ungeschönt zeigen»

von F. Riebeling - Tierfilmer, die Pinguine aus einer tödlichen Lage retteten, sorgten mit ihrem Tabubruch für Aufsehen. Das sagen ihre Kollegen dazu.

Retten oder sterben lassen? Das fragten sich Tierfilmer, als sie vom Tode bedrohte Pinguine sahen. (Video: ARD)
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Die Natur kann grausam sein, wie eine Gruppe Tierfilmer in der Antarktis erfahren musste: Als sie in der Atka-Bucht für die Tierdoku «Wilde Dynastien» drehte, stiess sie auf eine im Eis eingeschlossene Kolonie Kaiserpinguine. Damit waren diese eigentlich dem Tod geweiht.

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In den Lauf der Natur einzugreifen, ist unter Tierfilmern nämlich verpönt. «Wenn du ein Kameramann bist, dann ist es dein Job zu beobachten, und nicht einzugreifen. Das ist sehr wichtig», hielt der britische Naturforscher Sir David Attenborough einst fest. Dennoch haben die Kameraleute in der Antarktis gehandelt.

«Wir haben viel darüber nachgedacht und haben entschieden, dass wir eine flache Rampe in den Schnee schaufeln, die sie hoffentlich nutzen», erklärt einer von ihnen in die Kamera (siehe Video oben).

Art des Eingreifens ist entscheidend

Doch wie sehen das ihre Berufskollegen? Sind die «Wilde Dynastien»-Filmer zu weit gegangen? Nein, findet etwa der Schweizer Biologe und Bärenforscher David Bittner. Sie hätten zwar eingegriffen, «aber es macht einen grossen Unterschied, ob man Tritte ins Eis schlägt oder die Pinguine einfängt und hinausträgt». Letzteres würde für ihn zu weit gehen.

Das findet auch Dominik Behr, Wildtierbiologe der Universität Zürich und letztjähriger Gewinner des Fotowettbewerbs der British Ecological Society. Zwar sollten Tierfilmer den natürlichen Lauf in der Wildnis ungeschönt und unverzerrt zeigen, aber im konkreten Fall hätten sie «einen direkten Kontakt mit den Pinguinen stets vermieden und ihnen lediglich einen Ausweg aus der Sackgasse als Option angeboten».

Es kommt auf die Perspektive an

Eine abschliessende Beurteilung sei allerdings nicht möglich, so Behr. «Da ich die örtlichen Bedingungen nicht kenne, ist mir nicht klar, ob die Kadaver der verendeten Pinguine allenfalls als Nahrung für aasfressende Tiere wie Riesensturmvögel gedient hätten.» Aus dieser Perspektive betrachtet, bekomme die Befreiungsaktion der Tierfilmer wieder eine andere Bedeutung, so der Forscher.

Sicher ist dagegen, das berichtet zumindest die BBC, dass Attenborough es den Kameraleuten in der Atka-Bucht gleichgetan und ebenfalls eingegriffen hätte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.K. am 09.04.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Böse Böse

    Der Mensch darf in jeglichen Belangen in die Natur eingreifen - sei es beim Ausrotten div. Tierarten, Einschrenkung des Lebensraums und generelle Zerstörung der Natur. Aber wehe er rettet ein Tier!!! Das geht natürlich zu weit!

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  • Elko am 09.04.2019 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helfen immer und überall

    Man lässt auch keinen Menschen verenden er gehört ja auch zur Natur! Also wenn man schon vor Ort ist dann kann man doch auch helfen! Wo man nicht dabei ist dort lässt man der Natur natürlich freien Lauf!

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  • Schluderi am 09.04.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es

    Wenn die Politik und Justiz alle Akten ungeschönt zeigen würden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • silberdistel am 10.04.2019 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Leben

    Wenn ein Jäger die Tiere abknallt dann ist das Sport und wenn ein Mensch den Tieren helfen will, wird er beleidigt. Warum sollte man den Tieren nicht helfen ? Sie leben genau so gerne wie wir.

  • B. Lödmann am 10.04.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Idiotie

    Wir filmen also das letzte Pärchen von z.B. Pinguinen auf dieser Welt, der eine ist eingeschlossen, der andere überlebt ohne Nahrungszufuhr des Parnters nicht. Wir hocken aber eiskalt hinter der laufenden Kamera um dieses Aussterben schliesslich filmisch zu dokumentieren. Nein nix eingreifen. Sadisten?

  • Phil am 10.04.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Natur....

    ist im Gegensatz zu dem was unsere Ökofaschisten und Klimaretter denken weder ein stationärer Zustand, noch ein Zuckerschlecken für die Spezies welche mit den andauernden Veränderungen ihres Habitats klar kommen müssen. Der Mensch kann nur durch die Entwicklung der Technik, der Wissenschaft und mittels der marktwirtschaftlich organisierten arbeitsteiligen Gesellschaft sein Leben weit angenehmer gestalten als die Tierwelt und auch noch Pinguinen zu Hilfe eilen wenn er denn möchte.

  • Naturfreund am 10.04.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kässeli Klimawandel

    Machen ja nicht genau all diese Propaganda mit der Klimaerwärmung? Wäre es nun ein Eisbär gewesen welcher auf einer Eisscholle rumtreibt, hätte man sofort mit dem Klimawandel aggiert. Man hätte morgen schon spendenkonto eröffnet. Aber hier verurteilt man die Personen, welchen den Tieren geholfen haben. Ja aber wollen wir ja genau das oder ist nur der Eisbär es wert, zu überleben? Da sieht man, wie gelogen und gebogen wird, damit das Klimakässeli richtig voll wird.

    • Phil am 10.04.2019 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Kein selbsternannter "Klimaschützer"

      hilft irgend einem Eisbären, außer er begibt sich Richtung Nordpol und läuft beim fotografieren von abbrechenden Eisschollen einem Hungrigen Eisbären über den Weg, was gut möglich wäre da deren Population sich seit 40 Jahren, nachdem die Eisbärjagd verboten wurde, von 5'000 auf 25'000 Exemplare verfünffacht hat.

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  • Brain Bug am 10.04.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere helfen einander auch

    Die Naturgesetze sind hart und unerbittlich. Das haben die Kameraleute ja bereits dokumentieren können. In einer zweiten Phase einzugreifen und zu helfen ist vollkommen ok. Zuviele Tiere sterben aus Unachtsamkeit der Menschen. Warum nicht helfen, wenn man kann? Tiere helfen einander manchmal auch. Z.B.: ein Delfin bringt ein Landtier ans Ufer, ein Nilpferd rettet ein Gnu vor dem Krokodil, usw. p.s.: Auch wenn ein Mensch Hilfe braucht, sollte man nicht einfach nur das Smartphone zücken und filmen.