Zecken-Fleckfieber-Erreger

15. August 2018 14:13; Akt: 15.08.2018 14:13 Print

Vögel bringen Superzecke aus Afrika in die Schweiz

von Fee Riebeling - Nach dem Fund exotischer Zecken in Deutschland sind Forscher alarmiert. Sie fürchten, die Tiere könnten sich in unseren Breitengraden etablieren.

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Der Fund mehrerer tropischer Zecken in Deutschland alarmiert Fachleute. Die Forscher der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen sieben Exemplare der Gattung Hyalomma nach, die ursprünglich aus Afrika stammt. (Im Bild: ein Hyalomma-Weibchen mit der typischen Streifung der Beine) Die vergleichsweise grossen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren in diesem Jahr im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht und damit in zwei Bundesländern. (Im Bild: links die hierzulande bekannte Ixodes-Zecke, rechts eine Hyalomma-Zecke). Gefunden wurden die Zecken allesamt an Nutztieren, an Pferden und einem Schaf. Die Wissenschaftler befürchten, die Blutsauger könnten in unseren Breitengraden sesshaft werden. Wegen der Klimaerwärmung sei in Deutschland mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. Die Hyalomma-Zecken bevorzugen eine geringere Luftfeuchtigkeit als die in unseren Breitengraden heimischen Arten. Doch das ist nicht das Einzige: So trug eines der Exemplare den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich, das Bakterium Rickettsia aeschlimannii. (Im Bild: Patient mit Fleckfieber) Generell spielen viele Hyalomma-Vertreter als Krankheitsüberträger eine wichtige Rolle, vor allem für das Krim-Kongo-Fieber. Die deutschen Forscher vermuten, dass die Blutsauger von Zugvögeln eingeschleppt worden sind. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigte kürzlich eine im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» publizierte Studie von finnischen Forschern. Für diese hatten die Wissenschaftler in den Frühjahren 2010, 2014 und 2015 mehr als 30'000 Zugvögel an Überwachungspunkten in Griechenland, Spanien, Italien, der Türkei und Israel eingefangen und auf Zecken untersucht – und wurden insgesamt 1771-mal fündig. In der Schweiz sind die Zecken der Gattung Hyalomma alte Bekannte, wie Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, sagt. «Hyalomma-Zecken wurden schon 1975 vom Biologen und Parasitologen André Aeschlimann der Universität Neuenburg hier in der Schweiz beschrieben», so der Experte auf Anfrage. Seither seien sie hierzulande immer mal wieder angetroffen worden. (Im Bild: André Aeschlimann) Mathis vermutet ebenfalls, das die exotischen Blutsauger mit Zugvögeln eingereist sind. Doch auch die zunehmende Globalisierung spiele dabei eine Rolle, sagt er: «Es werden Waren hin- und hergeschickt, Menschen reisen in den Süden und Tiere werden mit in die Ferien genommen. Das führt zu einer Häufung dieser Fälle.» Dass sich die exotischen Zecken in unseren Breitengraden etablieren könnten, hält er aber für ausgeschlossen – zumindest solange es richtige Winter hat: «Die Kälte macht ihnen den Garaus.»

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Für Menschen, die sowieso schon Angst vor Zecken haben, ist es die Schreckensmeldung schlechthin: In zwei deutschen Bundesländern haben Forscher der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) Exemplare zweier tropischen Arten entdeckt, die ursprünglich aus Afrika stammen.

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«Fünf der sieben Zecken haben wir zweifelsfrei bestimmen können, vier sind der Art Hyalomma marginatum und eine der Art Hyalomma rufipes zuzurechnen. Die beiden restlichen hatte der Pferdebesitzer beim Einsammeln verloren», wird IMB-Zeckenexpertin Lidia Chitimia-Dobler in einer Mitteilung zitiert.

Bekannte Krankheitsüberträger

Die Zahl 7 klingt überschaubar, doch bei den Forschern lässt sie die Alarmglocken schrillen, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Wissenschaftler befürchten, dass sich die Blutsauger hier etablieren könnten. Denn bisher gab es in Deutschland nur zwei Einzelfunde der Tropen-Zecken – eine im Jahr 2015 und eine im Jahr 2017.

Das nun entdeckte gehäufte Vorkommen ist jedoch nicht das einzig Beunruhigende. Denn eines der Exemplare trug den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich, das Bakterium Rickettsia aeschlimannii. Generell sind viele Hyalomma-Vertreter als Krankheitsüberträger gefürchtet, vor allem für das Krim-Kongo-Fieber (siehe Box).

Blinde Passagiere auf Zugvögeln

Das Team um Chitimia-Dobler vermutet, dass die Blutsauger von Zugvögeln eingeschleppt worden sind. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigte kürzlich eine im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» publizierte Studie finnischer Forscher.

Für diese hatten die Wissenschaftler in den Frühjahren 2010, 2014 und 2015 mehr als 30'000 Zugvögel an Überwachungspunkten in Griechenland, Spanien, Italien, der Türkei und Israel eingefangen und auf Zecken untersucht – und wurden insgesamt 1771-mal fündig.

Die deutschen Forscher führen das Auftreten der Hyalomma-Zecke in Deutschland auf den heissen, trockenen Sommer zurück. «Wir werden sie in diesem Jahr verstärkt im Auge behalten und bereiten uns darauf vor, ihr in den nächsten Monaten womöglich noch öfter zu begegnen», sagt Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim.

In der Schweiz immer mal wieder anzutreffen

Das dürfte auch Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, so sehen: «Hyalomma-Zecken wurden schon 1975 vom Biologen und Parasitologen André Aeschlimann hier in der Schweiz beschrieben», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. Seither seien sie hierzulande immer mal wieder angetroffen worden.

Mathis vermutet ebenfalls, dass die exotischen Blutsauger mit Zugvögeln eingereist sind. Doch auch die zunehmende Globalisierung spiele dabei eine Rolle, sagt er: «Es werden Waren hin- und hergeschickt, Menschen reisen in den Süden und Tiere werden in die Ferien mitgenommen. Das führt zu einer Häufung dieser Fälle.»

Dass sich die exotischen Zecken in unseren Breitengraden etablieren könnten, hält er aber für ausgeschlossen – zumindest solange es richtige Winter gibt: «Die Kälte macht ihnen den Garaus.»


Mit diesen Tipps haben Zecken keinen Stich. (Video: Fee Riebeling mit Material von Keystone)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean Dubois am 15.08.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Vögel

    Nicht nur Vögel, sondern auch Menschen, Welthandel von Waren und Lebensmittel transportieren andere Lebenarten und Krankheiten.

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  • i-fit-you am 15.08.2018 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Vögel

    Gibt man jetzt wirklich Zugvögeln die Schuld daran?

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  • Reto Berger am 15.08.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu Gross!

    Ih. Ich mag die kleine Variante von den Biestern schon nicht :).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mani am 16.08.2018 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Definitiv genug!!

    Und ich dachte nach , Hasenpest,Borreliose und FSME hätte ich alles hinter mir . Jetzt muss ich mich ernsthaft überlegen ob ich noch Wald betreten.

  • outgriffin am 16.08.2018 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Wir haben ja die Tiger packe auch schon hier. Unsere Mücken stechen nicht tagsüber, die Tigermücke schon. Dauert nicht mehr lang und die Malaria-Mücke macht sich in Sumpfgebieten und Biotopen breit. Bei den Zecken können wir immerhin in Gebieten um die 860 Meter plus frei wandern. Die gegen noch nicht höher. Bald kommen dann noch die riesigen afrikanischen Kakerlaken. Hatten mal in Malta so eine im Zimmer. Die Hotelverwaltung gab uns einfach einen Autan-Spray. Wir liessen das aber sein und gaben der Kakerlake sogar einen Namen. Es wird lustig in den nächsten Jahren!!!

  • Orjega am 16.08.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Besser sichtbar!

    Wenn sie grösser sind, sieht man sie wenigstens besser!

  • Ein Zeckenfeind am 16.08.2018 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstausrottung

    Warum kann man nicht Zecken züchten die andere geschlechtsunreif machen, dann rotten sie sich irgendwann selbst aus. So wie Mücken zum Beispiel

  • Bebbi am 15.08.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wir schaffen das!

    Zecken gehören nun mal zu Europa.