Astronauten-Interview

22. Juni 2019 21:23; Akt: 22.06.2019 21:23 Print

«Wir wollten noch länger auf dem Mond bleiben»

von Jean-Claude Gerber - Er stand als bisher jüngster Mensch auf dem Mond. Im Interview gibt Charlie Duke Einblick in die Apollo-16-Mission.

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Charlie Duke betrat am 21. April 1972 als 36-Jähriger den Mond. Er war der bisher jüngste Mensch auf dem Mond. Der heute 83-Jährige war der Zehnte von insgesamt zwölf Menschen, die bisher auf dem Erdtrabanten standen. Die Crew der Apollo-16-Mission: Ken Mattingly, John Young und Charles Duke (v. l.) Der Start erfolgte am 16. April 1972. Am 21. April 1972 (MEZ) landeten John Young und Charlie Duke auf dem Mond. Ken Mattingley verblieb in der Kommandokapsel in der Mondumlaufbahn. (Im Bild: Charlie Duke bei der Mondlandefähre. Das Foto machte John Young, nachdem er das Mondauto ein letztes Mal parkiert hatte.) Apollo 16 war nach Apollo 15 die zweite Mondmission, auf die die Astronauten ein Mondauto mitnahmen. (Im Bild: Charlie Duke beim Mondauto während des zweiten Ausseneinsatzes.) Die Mondlandefähre vom Mondauto aus fotografiert. Eines der Ziele von Apollo 16 waren geologische Untersuchungen beim Descartes-Krater. Davon erhoffte man sich neue Erkenntnisse zur Entstehung des Mondes. Am 27. April 1972 landeten die drei Astronauten wohlbehalten im Pazifik. (Im Bild: Marine-Taucher arbeiten bei der Raumkapsel, während ein Bergungshelikopter über ihnen kreist.) Hier landeten John Young und Charlie Duke. Die Aufnahme stammt wie alle folgenden Fotos in dieser Bildstrecke vom US-Mondsatelliten «Lunar Reconnaissance Orbiter». Was darauf genau zu sehen ist, zeigt das folgende Bild. Der Landeplatz Descartes mit der «Apollo 16»-Abstiegsstufe (LM), dem Mondauto (LRV), dem RTG (Radioisotopengenerator) und dem ALSEP. ALSEP steht für «Apollo Lunar Surface Experiments Package». Ein solcher Instrumente-Komplex wurde für Langzeitmessungen und -experimente von jeder Mission ab «Apollo 12» auf dem Mond zurückgelassen. Diese Aufnahme entstand bei voller Sonneneinstrahlung. Auch von den anderen Landestellen der Apollo-Mondmissionen gibt es Satellitenaufnahmen. Dieses Bild, das die Nasa Anfang Juli 2012 veröffentlicht hat, zeigt die Abstiegsstufe der Landefähre (LM) von «Apollo 11» im Mare Tranquillitatis. Am 21. Juli 1969 (MEZ) landeten hier die ersten Menschen auf dem Mond. Diese Aufnahme zeigt die Abstiegsstufe von «Apollo 12» (Intrepid Descent Stage) im Oceanus Procellarum. Rechts auf dem Bild befinden sich die Überreste der Mondsonde «Surveyor 3» von 1967. Die Abstiegsstufe von «Apollo 14» (Antares Descent Stage) im Krater Fra Mauro. Die Abstiegsstufe von«Apollo 15» in der Hadley-Rille. Zu erkennen ist auch das Mondauto «Lunar Roving Vehicle» (LRV). Die Abstiegsstufe von «Apollo 17» im Mondtal Taurus-Littrow. Der LRO entdeckte auch die US-Sonde «Surveyor 1» im Oceanus Procellarum. Der Krater in der Bildmitte mit einem Durchmesser von 35 Metern entstand, als die dritte Stufe der Saturn-V-Rakete der «Apollo 14»-Mission am 4. Februar 1971 für ein seismisches Experiment geplant auf den Mond stürzte.

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Charlie Duke, war es schon immer ihr Traum, Astronaut zu werden?
Nicht wirklich. Als ich jung war, gab es noch kein Weltraumprogramm, niemand hatte von Astronauten gehört. Aber ich interessierte mich für Flugzeuge und das Fliegen. Anfang der 1960er-Jahre war ich dann als Pilot für die US-Luftwaffe im deutschen Ramstein stationiert. Zu dieser Zeit hörte ich Präsident John F. Kennedys berühmte Rede an der Rice Universität, in der er ankündigte, dass bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf dem Mond landen und sicher zurückkehren werden. Von da an wollte ich Astronaut werden.

Umfrage
Würdest du gerne auf den Mond fliegen?

Sie betraten im Rahmen der Apollo-16-Mission als zehnter Mensch den Mond. Wie erlebten Sie Ihre Zeit dort?
John Young und ich genossen jede unserer 20 Stunden, die wir ausserhalb der Landefähre auf der Mondoberfläche verbrachten. Ich war von der Schönheit überwältigt. Es gab viel Arbeit, aber ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, für den Weihnachten und Geburtstag zusammenfielen.

Sie arbeiteten bis zu siebeneinhalb Stunden am Stück draussen im Raumanzug. Das muss anstrengend gewesen sein.
Die Arbeit im Raumanzug war sehr ermüdend. Man musste wissen, wie man die Steifigkeit des Raumanzugs zu seinem Vorteil nutzen konnte. Nach einem Ausseneinsatz gingen noch zwei bis drei Stunden für die Nachbesprechung und Instandsetzen der Raumanzüge drauf.

Danach schliefen Sie sicher gut.
Ja, wir schliefen nach den Ausseneinsätzen sehr tief in unseren Hängematten, obwohl es in der Mondlandefähre ein bisschen frisch war. Nur direkt nach der Landung konnte ich nicht einschlafen. In Absprache mit dem Missionsarzt nahm ich dann eine Schlaftablette. Da schlief ich nur vier Stunden, sonst waren es siebeneinhalb.

Wurden Sie während der langen Ausseneinsätze nicht hungrig?
Nein, neben vier Litern Trinkwasser hatten wir auch im Raumanzug einen Energieriegel dabei. Dieser war im Innern des Anzugs platziert, wo wir ihn erreichen konnten. Er war etwa 20 Zentimeter lang, äusserst nahrhaft und stillte den Hunger optimal.

Sie fielen auf dem Mond bei dem Versuch, so hoch wie möglich zu springen, hin. Machte Ihnen das Angst oder war es Ihnen eher peinlich?
Zuerst hatte ich Angst. Bei meinem Missgeschick während unserer inoffiziellen Mondolympiade wäre ich beinahe auf den Rücken gefallen, wo ich mein Lebenserhaltungssystem trug. Wäre das zerstört worden, wäre es mit mir aus gewesen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Doch als klar wurde, dass noch alles funktionierte, war es mir vor allem peinlich. Die Bodenkontrolle in Houston hatte alles gesehen und war sehr verärgert.
Das Problem war, dass wir den Hochsprung zwar geplant, aber nie geübt hatten. Und auf dem Mond die Balance zu halten, ist äusserst schwierig.

Ihr Aufenthalt auf dem Mond war mit fast drei Tagen einer der längsten. Wären Sie gern noch länger geblieben?
Wir flehten die Bodenkontrolle an, noch einige Stunden länger bleiben zu dürfen. Wir fühlten uns gut und hatten genügend Sauerstoff. Doch Houston sorgte sich um die Energiereserven der Landefähre, da sich unsere Landung um sechs Stunden verzögert hatte, und beorderte uns zurück.

Was halten Sie von den aktuellen Mondplänen der USA, wonach 2024 wieder Menschen auf dem Mond landen sollen?
Ich finde sie sinnvoll. Wir sollten eine dauerhafte Forschungsstation auf dem Mond errichten. Dort könnten wir die nötigen Systeme entwickeln und Vertrauen in sie gewinnen. Dann könnten wir ähnliche Systeme für die Reise zum Mars benutzen. Denn auf dem Weg zum Mars kann man keine Anpassungen mehr vornehmen, man kann bei Problemen aufgrund der Funkverzögerung auch nicht auf Hilfe der Bodenkontrolle hoffen.

Der Zeitplan für die Rückkehr zum Mond ist sehr ehrgeizig. Ist 2024 realistisch?
Ehrgeizig ja, unmöglich nein. Bei Apollo fingen wir bei null an und schafften es in acht Jahren. Heute gibt es bereits das Raumschiff Orion, um damit in die Mondumlaufbahn zu gelangen. Die Landefähre wird zurzeit entwickelt. Dorthin muss ein Grossteil des Budgets geleitet werden. Und auch die nötige Rakete, das Space Launch System, steht schon bereit.

Wird die neue Mondmission die Menschen inspirieren, wie Apollo das tat?
Ich denke, es wird viele Millenials und die noch jüngere Generation inspirieren. Als die Nasa 2017 Astronauten suchte, erhielt sie 18'000 Bewerbungen. Die Begeisterung ist also zweifellos schon heute da.


John F. Kennedys legendäre Rede an der Rice Universität am 12. September 1962, bei der er das Mondprogramm ankündigte. (Video: Youtube/Nimitz06)

Charlie Duke wird nur einer der hochkarätigen Gäste am Starmus-Festival (24. bis 29. Juni) in Dübendorf sein:
Raumfahrt-Stars und Elon Musk in Zürich erwartet

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zorro am 22.06.2019 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare

    Ich besorge mir schon mal eine Portion Popcorn, das wird sicher wieder lustig.

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  • KometvonHelvetien am 22.06.2019 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Ich liebe es wenn die Verschwörungstheoretiker wieder am Rad drehen. Ist ja nicht so dass selbst von der ESA nachgewiesen wurde dass die Landefähren da oben sind.

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  • der Denker am 22.06.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    One small step

    Bedenklich das so viele Leute hier drin glauben, dass es nie eine Mondlandung gab. Es gibt eindeutige Beweise und alle Gegenbeweise werden in kürzester Zeit Problemlos wiederlegt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • asdf am 24.06.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    es nützt kein beweisen

    und auch kein widerlegen. Die Verschwörerlis WOLLEN ganz einfach glauben, dass die Mondlandungen (alle 6) gefälscht waren, das ist für die eine Art Ersatzreligion.

    • Terion am 25.06.2019 06:56 Report Diesen Beitrag melden

      @asdf

      Und was wenn du derjenige bist, der einer Ersatzreligion verfallen bist und wir die kritischen, wachen Geister sind die recht haben? Sechs Mondflüge und nur einmal filmen? Wo ist der Rest des Materials? Warum präsentiert man dir das nicht? Warum herrgott nochmal glaubt ihr einfach immer alles wenns vom Staat kommt?

    • Kurt am 25.06.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

      wieder mal gäääähn ..

      @Terion - die Chane dass Sie reussieren liegt deutlich unter 0,001% .. ''wir die kritischen Geister'' .. ich lach mich schlapp ..

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  • C.R.E.A.M am 24.06.2019 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    HOLLYWOOD

    In heutigen Hollywood Filmen sieht der Weltraum und sogar der Mars auch echt aus. Will mir jemand sagen, dass die für die Produktion dieser Filme im Weltraum waren? Nein, denn das wäre ja zu teuer... Jetzt frage ich euch: Wenn ich nicht selber auf dem Mond war oder im Weltraum, woher kann ich jetzt wissen ob das echte Bilder sind die uns die NASA und andere ähnliche Organisationen auftischen? Kann ich gar nicht wissen, ich kann nur glauben etwas zu wissen. Sagt was ihr wollt, aber alles was ich sonst so sehe betr.Weltraum etc. sind immer Go-Pro-Kamera Aufnahmen mit Fischauge-Objektiv..

    • Chris God am 24.06.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      Mühsam solche Leute

      Nimm ein gutes Teleskop und dann verfolge das ganze selber oder siehst die alten Landeplätze an, dann siehst du das wird da waren!

    • C.R.E.A.M am 24.06.2019 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      @ Chris God

      Sie sind mühsam. Habe gerade gegoogelt: "Can you see the moon landing site with a telescope?". Sogar google behauptet, dass man das gar nie mit einem Teleskop sehen könnte. Aber Sie heissen ja "God" zum Nachnamen, Sie werden es ja wohl besser wissen. Danke adé.

    • Pete am 24.06.2019 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      @C.R.E.A.M

      Mit einem Teleskop nicht, jedoch hat der Lunar Reconaissance Orbiter beeindruckende aufnahmen davon geschossen. Aber lass mich raten: Auch alles gefälscht?

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  • Markus Meier am 23.06.2019 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungstheoretiker

    selbst wenn man denen beweisen kann dass H2O einfach nur Wasser ist, sie werden es nicht glauben. Und wenn sie selber feststellen dass Wasser einfach nur H2O ist, sie werden es nie zugeben, dass sie sich geirrt haben. Nun, lassen wir den Flacherdlern, den Verschwörungstheoretikern, den Klimaleugnern eben ihren (Irr-)Glauben. Interessanteweise nutzen sie aber die Technologie der Mondlandung um zu beweisen dass es diese Technologie gar nicht gibt.

  • EMMM am 23.06.2019 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Letztendlich

    War der Mondlandung nicht nur eine Innovation, sondern auch eine art Machtdemonstration. Die Fähigkeit Atomwaffen zu Transportieren, und Basen auf dem Mond zu bauen. Die gründe sind zwar Unterschiedlich, aber Tatsache ist, wer den Weltraum beherrscht, der beherrscht auch grosse menge Rohstoffe und Energiesektor. Somit auch die Welt. Ok, ich sollte weniger Anno 2205 spielen :-/

  • USA manipulierte schon Eintritt WK2 am 23.06.2019 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Overlord

    Zu einem möglichen Gegenbeweis: siehe den Film "Unternehmen Capricon"! Vielleicht geht euch da etwas mehr auf wie alles manipuliert werden kann! Viel Vergnügen.