Dramatische Lage

16. Februar 2018 13:36; Akt: 16.02.2018 13:36 Print

100'000 Orang-Utans auf Borneo verendet

Seit 1999 sind auf Borneo deutlich mehr Orang-Utans umgekommen als bisher angenommen. Besonders auch Jäger setzen den Menschenaffen zu.

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Auf Borneo werden viele Orang-Utans getötet, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach verendeten zwischen 1999 und 2015 mehr als 100'000 Tiere. Die Forscher kamen zwar zum Schluss, dass es auf der südostasiatischen Insel mehr Orang-Utans gibt als bisher angenommen. Allerdings seien die Verlustraten auch viel höher als gedacht. Überraschend für die Forscher war, dass der Verlust nicht etwa in Rodungsgebieten, sondern in Urwäldern und Wäldern, in denen teilweise Holz geschlagen wird, am grössten ist. Die Verfolgung durch den Menschen, wie zum Beispiel das Töten der Tiere in Konfliktsituationen und Jagd für Fleisch und den Haustierhandel, ist den Forschern zufolge wahrscheinlich einer der Hauptgründe für den Rückgang in diesen Waldgebieten. Die tiefe Fortpflanzungsrate vergrössert das Problem zusätzlich. Orang-Utan-Weibchen bekommen erst mit ungefähr zwölf Jahren Nachwuchs und die Geburtsintervalle betragen rund fünf Jahre. Wenn nur einer von hundert ausgewachsenen Orang-Utans pro Jahr aus einer Population entfernt wird, stirbt diese Population sehr wahrscheinlich aus, wie frühere Studien zeigten. (Im Bild: ein Orang-Utan-Junges, das im Januar 2016 mit seiner Mutter während eines Waldbrandes aus dem Dschungel gerettet wurde.) Orang-Utans leben auf den südostasiatischen Inseln Sumatra und Borneo. Ihr Lebensraum sind tropische Regenwälder vom Meeresniveau bis in 1500 Meter Höhe. Doch dieser Lebensraum ist durch Rodung stark gefährdet. Verantwortlich dafür ist die ungebremste Nachfrage nach Palmöl, wovon Indonesien am meisten produziert. Zudem setzen Jäger und der Handel mit Jungtieren den Menschenaffen zu.

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Trotz Artenschutzmassnahmen ist die Zahl der Orang-Utans auf Borneo dramatisch gesunken. Vor allem durch die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen verringerte sich die Zahl der Menschenaffen auf der südostasiatischen Insel zwischen 1999 und 2015 um mehr als 100'000 Tiere und damit schneller als vermutet, wie das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig am Donnerstag mitteilte.

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Die Daten wurden von einem internationalen Forscherteam aus 38 Institutionen veröffentlicht. Dabei zeigte sich zum einen, dass es auf Borneo mehr Orang-Utans gibt als bisher angenommen. Andererseits seien die Verlustraten auch viel höher als gedacht. Der Rückgang ist am dramatischsten in Gebieten, die abgeholzt oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt wurden.

Jagd und Haustierhandel

Überraschend für die Forscher war jedoch, dass der Verlust in Urwäldern und Wäldern, in denen teilweise Holz geschlagen wird, am grössten ist. Dort kommen auch die meisten Orang-Utans vor. Die Verfolgung durch den Menschen, wie zum Beispiel das Töten der Tiere in Konfliktsituationen und Jagd für Fleisch und den Haustierhandel, ist den Forschern zufolge wahrscheinlich einer der Hauptgründe für den Rückgang in diesen Waldgebieten.

Orang-Utans sind demnach anpassungsfähiger als ursprünglich gedacht. So bewegen sie sich zum Beispiel häufiger auf dem Boden fort und können sich von Pflanzen ernähren, die ursprünglich nicht zu ihren natürlichen Nahrungsquellen gehörten – wie etwa Akazien oder Ölpalmen. Das ermöglicht ihnen, in zerklüfteten Landschaften und viel kleineren Waldgebieten zu überleben, als Wissenschaftler es bisher für möglich hielten.

«Was die Orang-Utans aber nicht verkraften können, sind die hohen Tötungsraten, die wir derzeit beobachten», erklärte Koautor Serge Wich von der Liverpool John Moores University. «Orang-Utans haben nur selten und wenig Nachwuchs.» Wenn nur einer von hundert ausgewachsenen Orang-Utans pro Jahr aus einer Population entfernt wird, stirbt diese Population sehr wahrscheinlich aus, wie frühere Studien zeigten.

Massnahmen dringend nötig

Dennoch halten es die Wissenschaftler für unwahrscheinlich, dass der Borneo-Orang-Utan in absehbarer Zeit aussterben wird. Es gebe nach wie vor stabile Populationen in Teilen des malaysischen Borneo und den grösseren Nationalparks im indonesischen Borneo. Trotzdem sei es dringend notwendig, zusätzliche Verluste zu verhindern. Weitere 45'000 Orang-Utans könnten in den nächsten 35 Jahren allein durch die Zerstörung ihrer Lebensräume verschwinden, warnten die Experten.

Den Forschern zufolge leben heute etwa 10'000 Orang-Utans in derzeit noch bewaldeten Gebieten, die für Palmölplantagen vorgesehen sind. Werden diese landwirtschaftlich genutzt, sterben den Experten zufolge die meisten Tiere. Die Studie erschien im Fachmagazin «Current Biology».

(jcg/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adi Meister am 16.02.2018 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat mitschuldig

    Aber unser Bundesrat will die Import-Zölle auf Palmöl senken! Vielen Dank, Herr Bundesrat, somit sind Sie für mich mitschuldig am Artensterben!

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  • tina am 16.02.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    palmöl

    Bitte verzichten Sie auf Palmöl, es ist in sehr vielen Produkten enthalten. Die App Codecheck hilft beim erkennen.

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  • Tina am 16.02.2018 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    traurig!

    der Mensch ist widerlich! Die eigenen Vorwahren auszurotten... einfach unglaublich

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Peterss am 17.02.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spenden nein

    Spenden ? Nein wieso um super ceó s zu finanzieren gerne spende ich an Organisationen bei welcher kein Mitarbeiter mehr als 150000 im Jahr verdient alle anderen bettel Organisationen sind meiner Meinung nach abzocker

  • Zurugus am 17.02.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Affentanz

    Das läuft doch (u.a.) dort schon seit Jahren. Notfalls greift man in die Trick-Kiste und deklariert die Affen bei Selbstverteidigung als Terroristen um. Hegel im Sonnenschein, so muss es wohl auch dort dann sein

  • Durchblick am 17.02.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten und meine Schlussfolgerung

    Fakt : pro Hektar Bodenfläche ergibt die Ölpalme am meisten Ertrag. Mehr als Raps, Sonnenblumen, Soja, Kokos usw. Fakt : Bis zu 40% des in die EU importierten Palmöls wird für BIO-DIESEL verwendet. (Quelle: Spiegel / Tagesanzeiger) Schlussfolgerung : wir können nicht so viel Nutella essen, wie wir Palmöl als Treibstoff verbrennen. Und dann wären noch ein kleiner Seitenhieb an all die Sparfüchse, die mal schnell den Tank ennet der Grenze mit dem billigen Diesel füllen.....

  • Boris am 17.02.2018 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Palmöl verzichten ? Das ist schwer.

    Das fände ich super, aber noch viel besser wäre ein vom Bund verordnetes Importverbot für Produkte die Palmöl enthalten und natürlich ein generelles Verbot für die Schweizer Produktion. Zu vieles Produkte enthalten das Zeug. Nutella, Snickers, Mars, Twix, Kägifrett und alle Produkte von Kinder. Das ist nur die Spitze des Eisbergs, bitte kauft diese Produkte nicht mehr.

    • Öko Logisch am 17.02.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      Halb so schlimm @Boris

      Danke für Ihren Aufruf. Nur in einem muss ich widersprechen: schwer ist es nicht, auf Palmöl zu verzichten. Es sei denn, man hat einen Hang zu Markenprodukten. Nach relativ kurzer Zeit hatte ich den Umstieg im Griff. Ein Jahr etwa lebe ich jetzt palmölfrei bei meinen Einkäufen. Manche Markenhersteller haben beides im Programm, in aller Regel sind die No-Name-Produkte nicht nur günstiger, sondern oft sogar palmölfrei, im Gegensatz zum Markenprodukt. Die Zutatenliste führt Palmöl immer auf, es braucht nur einen kurzen Blick bei Schoko, Gemüsebrühe, Waschmittel usw. - lasst euch überraschen.

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  • Markus R. am 16.02.2018 23:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Affen sind in Gefahr

    sondern auch die Menschen. Aber die Warnungen von Bruno Manser wurden in den Wind geschrieben, dabei gibt es in Borneo nicht nur Affen, die um ihr Überleben kämpfen müssen, sondern auch Menschen und zwar die Penan.