Projekt Icarus

16. August 2018 14:38; Akt: 16.08.2018 14:38 Print

100'000 Tiere sollen uns vor Katastrophen warnen

Forscher wollen den siebten Sinn der Tiere anzapfen. Dafür werden Tausende mit Sendern ausgerüstet. Eine neu angebrachte Antenne an der ISS fängt die Signale ein.

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In der Nacht zum Donnerstag haben zwei russische Kosmonauten in einem mehr als siebenstündigen Einsatz eine neue Antenne an der Internationalen Raumstation ISS montiert. Die Anlage ist das Herzstück von Icarus – einem Mammutprojekt zur Tierbeobachtung – das nach langer Vorbereitung nun an den Start rückt.

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Sollen Tiere als Katastrophenwarner dienen?

Bei Icarus wollen Forscher Tiere mit Mini-Sendern ausstatten und mit Hilfe der ISS beobachten. Das soll etwa über die Wanderungen von Zugvögeln Aufschluss geben und so auch zum Schutz der Arten beitragen. Zudem soll Icarus – so die Hoffnung – in Zukunft als Frühwarnsystem für Epidemien und auch für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen.

Siebter Sinn

Schon lange gibt es Berichte, dass Tiere vor solchen Ereignissen unruhig werden – etwa Ziegen sich am Ätna vor Eruptionen auffällig bewegen. Diesen vermeintlichen siebten Sinn wollen Forscher mithilfe von Icarus nutzen.

«Das System erlaubt uns nicht nur zu beobachten, wo ein Tier ist, sondern auch, was es gerade tut», erläutert Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell. «Wir könnten ein globales System intelligenter Sensoren einsetzen, um die Welt zu beobachten.» Aus der Schwarmintelligenz von Tieren könne der Mensch grundlegende neue Erkenntnisse gewinnen.

Im Rahmen von Icarus sind viele solche Untersuchungen geplant. So wollen Forscher etwa Papageien in Nicaragua in der Nähe eines Vulkans beobachten, Ziegen im Erdstoss-geplagten Mittelitalien besendern und Bären als Erdbebenwächter auf der ostrussischen Halbinsel Kamtschatka nutzen.

100'000 tierische Spürhunde

Zunächst sind 1000 Sender geplant, die Zahl soll rasch steigen. «Letztlich wollen wir 100'000 tierische Spürhunde für die Menschheit», sagt Wikelski. «Wenn wir all diese Informationen kombinieren, erhalten wir ein völlig anderes und neues Verständnis vom Leben auf diesem Planeten.»

Mit dem für Anfang 2019 geplanten Betrieb enden fast zwei Jahrzehnte der Vorbereitung. Beteiligt sind neben Roskosmos vor allem die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Uni Konstanz. Die deutschen Partner finanzieren die Entwicklung der Technik, die Russen kümmern sich um den Transport und die Installation im All. Als Namen wählte Wikelski Icarus – als Kürzel für International Cooperation for Animal Research Using Space.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LalaUS am 16.08.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich habe lange Zeit in Kalifornien gelebt und mein Hund hat mich auf die Minute genau 1 Stunde vor einem Beben geweckt, oder alarmiert. Ich habe mich immer gefragt wie wir Menschen unsere Sinne so verschärfen könnten.

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  • Dave74 am 16.08.2018 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch

    Dass diese nicht neue Idee nun so umgesetzt wird, find ich eher schade bis bedenklich, denn man weiss wohl kaum, wie sich die Technik auf die verschiedenen Tiere auswirkt. Vielleicht wird nun genau so ihr Verhalten geändert? Ich hätte eher auf eine gut vernetzte reine Beobachtung gesetzt, denn fragt man auf der ganzen Welt Einheimische, welche die Natur noch beachten und beobachten, so würde man feststellen, dass diese am Verhalten der Tiere erkennen können, ob es ev. irgendwo brodelt oder z.B. ein Unwetter ansteht. Dieses Wissen sollte besser gesammelt und angewandt werden.

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  • Grasflüsterer am 16.08.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Energetische Antennen

    Lasst die Tiere in Ruhe. Es werden schon genug dieser Wesen vom Menschen ausgenützt, gequält, missbraucht und am Schliss geschlachtet. Sollen lieber die Menschen ihre Sinne verfeinern, dann werden sie auch fähig, als Katastrophenwarner zu fungieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 17.08.2018 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Es geht nicht dass der IS jetzt auch noch Bären mobilisiert.

  • DarkMoney am 17.08.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wem nützt es wirklich?

    Wieso spricht man immer von einem Beitrag "zum Schutz der Tiere", wenn es um Beobachtungen und Statistiken erheben geht? Den Tieren ist doch damit nicht geholfen. Oder will man zum Beispiel ein "Skyguide" für Zugvögel einrichten? Es geht nur um den Mensch.

  • Thomas am 17.08.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch

    Der eigentliche Hintergrund wird sein, dass jeder Mensch irgendwann damit überwacht werden kann, die Tiere werden jetzt als Vorwand gebracht.

  • Avenarius am 17.08.2018 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Do it ....

    Könnte funktionieren. Wenn keine Tiere Schaden daran nehmen und Menschenleben gerettet werden können. Absolut cooles Projekt. Unsere Katze weiss genau, wann es regnen oder schneien kommt, lange bevor wir das nur ahnen.

    • Romano am 17.08.2018 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Sprichst mir aus der Seele

      Meine auch, musste letzten Winter früh raus, hat geschneit wie verrückt. Komme zum Auto, alles freigekratzt und die Katze war noch am salzen.

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  • Malm am 17.08.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alles in dir

    Der Unglaubliche Mensch kann das selber..