Studie gestoppt

25. Juli 2018 14:28; Akt: 25.07.2018 15:50 Print

Schwangeren Viagra verabreicht – 11 Babys tot

Nachdem 11 Babys kurz nach der Geburt gestorben waren, zogen niederländische Forscher die Notbremse: Sie stoppten die Abgabe von Viagra an Schwangere.

Seit 20 Jahren gibt es Viagra. (Video: Glomex)

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Die klinische Studie startete 2015 in elf Spitälern in den Niederlanden. 183 Frauen mit problematischen Schwangerschaften nahmen teil. 93 von ihnen wurde der Wirkstoff Sildenafil – besser bekannt als Viagra – verabreicht. Die restlichen Frauen erhielten ein Placebo. Als Folge der Sildenafil-Behandlung entwickelten 17 Babys Lungenprobleme, woran elf kurz nach der Geburt starben, wie das Akademisch-Medizinische Zentrum der Universität Amsterdam (AMC) mitteilte.

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Sildenafil erweitert die Blutgefässe und wird hauptsächlich zur Behandlung von Erektionsstörungen bei Männern und Personen mit hohem Blutdruck eingesetzt. Experimente mit Ratten hatten zudem gezeigt, dass Sildenafil den Blutfluss durch die Plazenta verbessert und das Wachstum des Kindes unterstützt.

Bis zu 15 Frauen noch im Ungewissen

Die ungeborenen Kinder der Studienteilnehmerinnen hatten alle bereits vor Studienbeginn schwere Wachstumsdefizite und ein hohes Risiko, tot geboren zu werden oder kurz nach der Geburt zu sterben. In der Sildenafil-Gruppe starben dann auch acht Neugeborene aus Gründen, die nichts mit Viagra zu tun hatten. In der Placebogruppe starben drei Kinder an den gleichen Lungenproblemen wie die elf aus der Viagra-Gruppe. Neun Babys der Placebogruppe starben wegen anderer Probleme.

Zwischen 10 und 15 Frauen wissen noch nicht, ob sich Sildenafil negativ auf ihre noch ungeborenen Kinder ausgewirkt hat. Die Ärzte vermuten, dass das Medikament bei den betroffenen Kindern zu hohem Blutdruck in der Lunge geführt hatte, weshalb die Babys zu wenig Sauerstoff bekamen.

Studienleiter schockiert

Der Versuch war letzte Woche gestoppt worden, nachdem ein unabhängiges Komitee, das die Studie überwacht hatte, zum Schluss gekommen war, dass mehr Kinder als erwartet an Lungenproblemen gestorben waren. Zurzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die Studie fehlerhaft ausgeführt worden ist.

Der Studienleiter Wessel Ganzevoort sagte der Zeitung «De Volkskrant»: «Wir wollten aufzeigen, dass dies ein erfolgreicher Weg ist, das Wachstum der Kinder zu unterstützen. Doch das Gegenteil trat ein. Ich bin schockiert. Patienten zu schaden, ist das Letzte, was man will.»

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MArtin am 25.07.2018 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Studie keine Erkenntnisse

    Wehe einer verteufelt jetzt die Ärzte. Die Frauen wussten worauf sie sich ein lassen. Vor einer Studie wird ein Vertrag unterschrieben, wo alles drin steht. Die Frauen haben es gewusst ! Ausserdem starben auch Baby in der Placebo Gruppe

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  • cyntrex am 25.07.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    An alle, die sich weigern zu lesen

    Ganz oben im Text steht "183 Frauen mit problematischen Schwangerschaften nahmen teil." Die Frauen wussten, worauf sie sich damit einlassen. Bei solchen Tests unterschreiben die Probanden Verträge. Kein Grund in den Kommentaren hier aufzuschreien.

  • Martina am 25.07.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht gelesen hat... hier

    Für alle die die den Artikel wohl nicht gelesen haben und sich darüber beschweren, dass Schwangere sich solchen Versuchen unterziehen. Die Hoffnung stirbt wohl zuletzt! "183 Frauen mit problematischen" "ungeborenen Kinder der Studienteilnehmerinnen hatten alle schwere Wachstumsdefizite und ein hohes Risiko, tot geboren zu werden oder kurz nach der Geburt zu sterben"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paula Brown am 25.07.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik

    Die Babies hätten auch leben/überleben können. Solche Testversuche müssen ethisch diskutiert werden. Wie weit darf Forschung gehen. Ist das Todesrisiko dabei? Bringt der Versuch die Menschheit weiter? Usw.

  • BG am 25.07.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Es ist zwar extrem brutal das zu lesen,jedoch die einzige Hoffnung der Eltern ihr eh schon todkrankes Ungeborenes ev. zu retten. Sehr schade,dass es nicht geholfen hat. Tut mir wahnsinnig leid für die Eltern und auch die Ärzte,welche alles versucht haben,den Babys zu helfen.

  • Joli am 25.07.2018 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Achtung vor dem leben

    Hat man ganz und gar keine Achtung mehr vor dem Leben? Die Ungeborenen können nicht auslesen ob sie mitmachen wollen oder nicht. Auch wenn die Diagnose besteht, dass sie so oder so nicht überleben werden, finde ich solche Studien ethisch einfach nicht korrekt. Die Mütter sollten angezeigt werden.

  • anonym am 25.07.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    es ist nur traurig

    es tut mir so leid, dass diese familien diese grosse trauer erleben müssen. sein kind zu verlieren ist mit keinem schmerz der welt zu vergleichen. vor 15 jahren wurde meinem baby kein fruchtwasser aufgefüllt... diese methode war noch im entwicklungsstadium. mein baby ist an komplikationen wegen zu wenig fruchtwasser nach wenigen stunden gestorben. heute wird fruchtwasser erfolgreich aufgefüllt in vergleichbaren situationen. ich hätte mich auch vor 15 jahren als versuchsteilnehmer gemeldet, hätte ich die möglichkeit gehabt.

  • Mutti am 25.07.2018 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mamma mia

    Ich finde die Studie Gesellschaftskonform. Ich selber heisse sie nicht gut - ABER - wenigstens teilen die Experten die nackte Wahrheit mit, nicht wie sonst und in der CH! Ehrliche und offene Kommunikation in der Medizin ist sehr selten! Respekt!