Astronomie

18. März 2020 21:20; Akt: 19.03.2020 11:17 Print

139 Planeten am Ende des Sonnensystems entdeckt

Astronomen gelang ein seltener Fund am Rande unseres Sonnensystems: Unter 316 entdeckten Objekten befinden sich 139 bisher unbekannte Kleinplaneten.

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US-Forscher sind am Rande unseres Sonnensystems auf 139 bisher unbekannte Kleinplaneten gestossen. Die Entdeckung gelang im Rahmen des Dark Energy Survey, das im Cerro Tololo Inter-American Observatory in Chile beheimatet war. Mit dem Dark Energy Survey wurde der Südhimmel sechs Jahre lang nach lichtschwachen Objekten abgesucht. Die Suche soll primär mehr Erkenntnisse über Dunkle Energie in fernen Galaxien bringen. Dabei wurden aber bisher auch 316 transneptunische Objekte entdeckt, wovon 136 Kleinplaneten bisher unbekannt waren. (Im Bild: Neptun, der äusserste Planet des Sonnensystems.) Transneptunische Objekte sind Himmelskörper, die weiter von der Sonne entfernt sind als der Neptun. Dazu gehört auch (486958) Arrokoth, der sogar noch weiter als Pluto von der Erde entfernt ist. (486958) Arrokoth ist das erste Objekt jenseits von Pluto, das je von einer Raumsonde erforscht worden ist. Das historisches Rendezvous von (486958) Arrokoth und der Raumsonde New Horizons fand am 1. Januar 2019 6,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt statt. Bereits einen Tag später konnte die Nasa erste Bilder von (486958) Arrokoth präsentieren, der damals noch Ultima Thule genannt wurde. Die Forscher hoffen, dank der Daten der Sonde New Horizons mehr darüber zu erfahren, wie der Himmelskörper im Innern aufgebaut ist und wie er vor gut viereinhalb Milliarden Jahren am Rande des solaren Urnebels entstanden ist. New Horizons hatte im Juli 2015 bereits Pluto passiert und spektakuläre Bilder geliefert. Im September 2015 veröffentlichte die Nasa neue Bilder von Pluto. Die Sonde New Horizon hat die Silhouette des Zwergplaneten mit der Atmosphäre aufgenommen. Die gestochen scharfen Bilder zeigen die Oberfläche des Pluto mit zahlreichen Details. Ebenen, Gebirge und Täler sind deutlich zu erkennen. Detailaufnahme der Plutooberfläche. Diese Aufnahme zeigt ein zerklüftetes Gelände am nordwestlichen Rand einer grossen Eisebene namens Sputnik Planum. Gefrorenes Herz: Ein Teil der hellen, herzförmigen Fläche ist aus Eis. (17. Juli 2015) Die entdeckte Fläche erinnert auf den ersten Blick an gefrorenen Schlamm. (17. Juli 2015) Forscher schätzen, dass die gefrorene Stelle jünger als 100 Millionen Jahre ist. Inzwischen wurde Nebel auf dem Zwergplaneten entdeckt. (17. Juli 2015) So sieht Pluto aus der Nähe aus: New Horizons lieferte ein hochauflösendes Bild von der Oberfläche des Zwergplaneten. (15. Juli 2015) Die Übermittlung der Daten dauert aufgrund der Entfernung sehr lange: Das bisher beste Bild vom Pluto, das die Raumsonde New Horizons kurz vor ihrem Vorbeiflug geschickt hat. (14. Juli 2015) Plutos grösster Mond Charon. (15. Juli 2015) Plutos kleiner kartoffelförmiger Mond Hydra. Der Trabant ist nur etwa 43 auf 33 Kilometer gross. (15. Juli 2015) Das New-Horizons-Team ist von der Schärfe der neuen Bilder begeistert. (15. Juli 2015) Besuch geglückt: Das Team der New-Horizons-Mission freut sich über die ersten Signale zur Raumsonde nach dem Vorbeiflug am Planeten Pluto. (14. Juli 2015) Nach neun Jahren Funkstille: Missionschefin Alice Bowman (r) während der Kontaktaufnahme mit der Raumsonde. Freude herrscht in Maryland: Teammitglieder der New-Horizons-Mission feiern zusammen mit Gästen die geglückte Pluto-Annäherung der Sonde. (14. Juli 2015) Die Pluto-Aufnahme sorgte für helle Begeisterung: Teammitglieder der New-Horizons-Mission im Applied Physics Laboratory in Laurel, Maryland. (14. Juli 2015) Ihm kommt die Nasa-Raumsonde ganz nah: Der Zwergplanet Pluto, fotografiert von der New Horizons aus einer Entfernung von 2,5 Millionen Kilometern. (12. Juli 2015) Voller interessanter Details: Die Pfeile markieren ein helles «Herz», ein dunkles Gebiet, einen möglichen Krater und mögliche Klippen. (11. Juli 2015) Der Zwergplanet und sein riesiger Mond: Pluto (r.) und Charon, der innerste der fünf bekannten Trabanten, eingefärbt gemäss Messdaten der New Horizons. (8. Juli 2015) Grössenverhältnisse: Pluto und Charon, wenn sie direkt über der Erdoberfläche schweben würden. (14. Juli 2015) Der Himmel über Pluto: Künstlerische Darstellung des Mondes Charon, der mit dem reflektierten Sonnenlicht den Südpol des Zwergplaneten erhellt. (11. Juli 2015) Schnappschuss im Vorbeiflug: Auf ihrem Weg zu Pluto lichtete die Raumsonde New Horizons auch Jupiter ab. (24. Januar 2007) Weltraum-Romantik: Künstlerische Darstellung der Nasa-Mission New Horizons.

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Es ist nicht lange her, da kannte man von den äusseren Regionen des Sonnensystems hinter dem Planeten Neptun nur Pluto und einige Kometen. Doch dank neuer Vermessungen werden nun immer neue dieser sogenannten transneptunischen Objekte entdeckt.

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Nun berichten Forscher der Universität Pennsylvania im Fachblatt «The Astrophysical Journal» von 139 Planeten, die sie in den äusseren Regionen des Sonnensystems neu entdeckt haben. Die Entfernungen dieser Objekte liegen zwischen 30 Astronomischen Einheiten (AE), was der Distanz des Neptun zur Sonne entspricht, und 90 AE. Eine AE entspricht 149 Millionen Kilometern. Das ist ungefähr der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne.

Seltene Funde

Die Sichtung gelang ihnen mit der Dark Energy Survey (DES), einer sechs Jahre dauernden und im Januar abgeschlossenen Durchmusterung des Südhimmels nach lichtschwachen Objekten. Dass diese so lichtschwach sind, erschwert die Suche. Bisher wurden 3300 transneptunische Objekte gefunden. Die Astronomen werden die DES-Daten nun noch einmal genauer auswerten und schätzen, dass sie noch bis zu 500 weitere transneptunische Objekte finden werden.

Mit einem Teleskop sind diese nur schwer aufzuspüren. «Wie viele Transneptunier man finden kann, hängt davon ab, wie gross der Himmelsausschnitt ist und wie dunkel das lichtschwächste Objekt ist, das man gerade noch erkennen kann», erklärt Gary Bernstein von der Universität Pennsylvania in einer Mitteilung.

Neue Erkenntnisse über Dunkle Energie

Die Fahndung geschieht mit einer 520-Megapixel-Kamera, die grosse Himmelsabschnitte nach diesen Objekten abtastet. Die Suche soll primär mehr Erkenntnisse über Dunkle Energie in fernen Galaxien bringen. Die aktuellen Daten mit mehr als sieben Milliarden schwachen Lichtpunkten werteten die Astronomen innerhalb von vier Jahren aus. Dadurch konnten sie in mehreren Schritten 316 transneptunische Objekte identifizieren, darunter 139 bisher unbekannte Kleinplaneten und grosse Eisbrocken.


Update 19. März: In einer früheren Version des Artikels wurde die Universität Pennsylvania im US-Bundesstaat Philadelphia verortet. Diesen Staat gibt es nicht. Die Universität Pennsylvania ist in der Stadt Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania angesiedelt.


(ga)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni Maccaroni am 18.03.2020 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Secrets of Chuck

    Wenn wir wüssten was es da draussen alles noch gibt...

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  • Dx am 18.03.2020 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    US-Bundesstaat Philadelphia?

    Der Bundesstaat heisst Pennsylvania und die Universität ist in der Stadt Philadelphia, der grösstem Stadt des Bundesstaates. Hauptstadt ist aber Harrisburg.

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  • Sokrates am 18.03.2020 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Das All wird noch so manche Überraschung bereit halten. Tolle Arbeit dieser Forscher/-innen, spannender Artikel!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anton Keller aus Bern am 21.03.2020 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Revolution

    Albert Einstein hatte "Schwarze Löcher" vorhergesagt vor langer Zeit. Ende 60er Jahren wurden diese Exoten dann entdeckt und heute weiss man, dass in jeder Galaxy im Zenrum ein supermassives Schwarzes Loch liegt. Mit den Planeten war es ähnlich und die Frage danach , ob es ausserhalb unseres Sonnensystem noch andere Planeten gibt, wirkt heute schon fast absurd: Fast jeder Stern hat noch Planeten. Ich finde es super faszinierend diese Revolutionen in der Wissenschaft!

  • Otto Stanek am 20.03.2020 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    keine Sorge es gibt für jeden Menschen hier einen Planeten!

  • RuediO am 19.03.2020 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die Amis ...

    Das Beste von allem: die US-Fähnchen schwenkenden Amis. Die werden wohl nie erwachsen.

    • John Peters am 21.03.2020 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      Warum nicht?

      Man kann auf sein Land und dessen Errungenschaften stolz sein. Stolz ein Schweizer zu sein oder eben Amerikaner. Auch wenn das Land nicht immer die gewünschte Regierung hat. (Schweiz)

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  • Astrofan am 19.03.2020 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Planet 9 doch nur Wunschtraum?

    Nun, all der Gerümpel der weit außerhalb rumdriftet würde doch locker die messbaren Gravitationseffekte des theoretisch möglichen Riesenplaneten erklären. Klingt ja nicht nach wenig Material welches sie entdecken.

    • W.T. am 19.03.2020 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Es macht...

      ... einen Unterschied, ob das Gerümpel lose verstreut, oder auf einem Haufen zusammengepfercht ist. Bei Ersterem ist die Gravitation schön verteilt, bei Zweiterem auf einen Punkt (naja) konzentriert. Schon ein kleiner Unterschied ;)

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  • Fred2 am 19.03.2020 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    keine Planeten

    Kleinplaneten, auch Planetoiden genannt, sind astronomische Objekte, die sich auf einer direkten Umlaufbahn um die Sonne bewegen, aber die Kriterien zur Einstufung als Planet nicht erfüllen. Die Betonung liegt auf nicht. Die Überschrift ist daher extrem irreführend.

    • Astrofan am 19.03.2020 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Fred2

      Ich leide immernoch mit Pluto mit. Der arme hat diese Erniedrigung nicht verdient. Ist es den zuviel verlangt eine Kugel welche nun wirklich nicht nach einem undefinierbare Felsbrocken aussieht einen Planeten zu nennen? ;)

    • Fred2 am 19.03.2020 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Astrofan

      Und was hat dies mit dem Thema zu tun? Hier geht es um Planetoiden die gefunden worden sind und nicht um Pluto ob er Planet sein darf oder nicht.

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