Makabres Phänomen

02. Oktober 2011 20:06; Akt: 03.10.2011 08:48 Print

140 Jahre und kein bisschen verwest

«Asche zu Asche, Staub zu Staub»: Die Worte des Pfarrers treffen immer weniger zu. Weil Leichen nur noch schwer verwesen, werden Schweizer Friedhöfe nicht selten zu regelrechten Gruselkabinetten.

Mumien auf Schweizer Friedhöfen (Keystone)
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Offiziell existiert das Problem nicht, denn die Totenruhe soll nicht gestört werden. Doch das makabre Phänomen ist weitverbreitet: Die Böden auf Schweizer Friedhöfen sind «verwesungsmüde», sprich: Sie zersetzen die Leichen nicht so, wie sie sollten. Nach vielen Jahren dürfen auf der Grabsohle eigentlich nur noch Humus und ein paar Skelett-Teile liegen. Doch die Realität sieht anders aus – gruseliger. Unverweste Tote liegen oft da.

Manchmal dringt das Problem an die Oberfläche. Zum Beispiel wenn eine Strasse gebaut wird. So geschehen in Cham 1994, als ein Bahntrassee durch einen geschlossenen Friedhof gebaut wurde. Bagger schaufelten 257 gruselige Wachsleichen heraus. 50 Jahre hatten sie im Boden gelegen. Die Bevölkerung war schockiert.

Fett wird zu einer Art Wachs

Fettwachsleichen auf Schweizer Friedhöfen werden konserviert wie die Ausstellungsmumie aus Ägypten in der Ausstellung Mumien, Mensch, Medizin, Magie an der Universität Irchel. Das seien auch Mumien, stellt der Mumienforscher der Universität Zürich, Frank Rühli, fest. Auch auf dem Friedhof, unter der Erde findet eine Umwandlung statt, wenn die Temperatur tief ist und es wenig Sauerstoff hat. «Das Fett verändert sich und wird zu einer Art Wachs. Die Folge ist, dass der Körper erhalten bleibt. Das ist eine Form von natürlicher Mumifizierung.»

Was in Ägypten zu Pharaos Zeiten üblich war, ist in der Schweiz nicht erwünscht. Rund 30 Prozent der Schweizer Friedhöfe haben Probleme mit der Erde. Noch andere Faktoren erschweren den Verwesungsprozess. So zum Beispiel Medikamente. Dies sei laut Erich Aeschlimann, Exhumationsspezialist, nicht restlos zu beweisen, doch «wir sehen, dass gewisse Krankheiten den Verwesungsprozess verzögern». Auch die Verfettung der Menschheit sei ein Problem. Fett baue sich viel schlechter ab als Muskelmasse.

(kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • aufmerksamer Leser am 03.10.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    geklauter Artikel

    Warum steht hier nirgends, dass dieser Bericht wortwörtlich aus der Spiegel-Magazin Ausgabe 34 von 1998 bgeschrieben ist? Gilt für 20min.ch das Quellenrecht nicht?

  • IchUnverbesserlich am 03.10.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Einäscherung bevorzugt

    Mir persönlich ist die Vorstellung des Verwesens ein absoluter Graus. Auch der Gedanke, dass mein Körper so ganz alleine tief im Boden liegt, macht mich irgendwie traurig. Es ist auch unnatürlich, denn in der Natur werden tote Tiere gefressen und verwesen nicht einfach.Daher wünsche ich mir eine Einäscherung. Meine Asche soll dann an Orten verteilt werden, die ich mochte. So komm ich auch wieder zurück in den Kreislauf und aus mir kann etwas anderes werden. Zudem empfinde ich es als sauber und meine Hinterbliebenen müssen kein Grab pflegen.

  • Hanna M. am 03.10.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Würde und Respekt bitte!

    Ich finde viele Kommentare hier, die eine obligatorische Einäscherung verlangen (das ist Bevormundung!), oder Leute, die keinen Respekt mehr vor Toten haben, völlig daneben. Alle Toten waren mal lebendige Menschen, die ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche (hier bezgl. des Todes / Beerdigung) hatten. Rituale sind wichtig, auch bei Beerdigungen: wie sonst kann mensch sich sonst von einem geliebten Menschen verabschieden? Ob jetzt 1 oder 100 Jahre vergangen sind, ist egal. Stellen Sie sich doch mal vor, man würde Sie so elend behandeln... Alle Toten haben Würde und Respekt verdient!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • IchUnverbesserlich am 03.10.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Einäscherung bevorzugt

    Mir persönlich ist die Vorstellung des Verwesens ein absoluter Graus. Auch der Gedanke, dass mein Körper so ganz alleine tief im Boden liegt, macht mich irgendwie traurig. Es ist auch unnatürlich, denn in der Natur werden tote Tiere gefressen und verwesen nicht einfach.Daher wünsche ich mir eine Einäscherung. Meine Asche soll dann an Orten verteilt werden, die ich mochte. So komm ich auch wieder zurück in den Kreislauf und aus mir kann etwas anderes werden. Zudem empfinde ich es als sauber und meine Hinterbliebenen müssen kein Grab pflegen.

  • Beno am 03.10.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht senkrecht?

    Warum beerdigt man nicht senkrecht? Dann würde man auf die gleiche Fläche fast dreimal soviele Gräber bekommen ...

  • Olivia Moone am 03.10.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    ökofreundliche Leichentücher statt Särge

    Es gibt eine leichte und respektvolle Methode das Problem zu lösen: Man verbietet Särge. Das Problem ist, dass viele Särge luftdicht sind und somit kein Verwesungsprozess stattfinden kann. Wenn man statt einem Sarg ein Leichentuch für die Erdbestattung verwendet (aus Leinen oder Baumwolle, das ökologisch ist und sich ebenfalls zerstetzt) kann man sicher sein, dass nach 20 Jahren nichts mehr übrig ist. Zusätzlich müsste man prüfen, dass es keine Friedhöfe in lehmigen Böden gibt, wo Wasser die Verwachsung der Leichen begünstigt (Vorschlag: Waldfriedhöfe).

  • aufmerksamer Leser am 03.10.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    geklauter Artikel

    Warum steht hier nirgends, dass dieser Bericht wortwörtlich aus der Spiegel-Magazin Ausgabe 34 von 1998 bgeschrieben ist? Gilt für 20min.ch das Quellenrecht nicht?

  • Rita Stein am 03.10.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wachsleichen-Entsorgung?

    Ich hatte eine Bekannte, die bei der Friedhofsbewirtschaftung einer grösseren Schweizer Stadt arbeitete. Sie kam immer wieder entsetzt heim und brauchte therapeutische Hilfe, da sie bei der Aushebung von uralten Gräbern aus den 30er bis 60er Jahre, wo sie nur Knochen erwarteten, immer wieder unvollständig verweste bis voll erhaltene Leichen ausgruben. Einmal sogar eine Person, die augenscheinlich im Sarg noch gelebt hatte (es hatte Kratzspuren am Deckel). Was macht man mit diesen Leichen? Verbrennen? Im Abfall entsorgen? Diese Frage wurde noch nie befriedigend beantwortet