40 Jahre Künstliche Befruchtung

03. Juli 2018 12:40; Akt: 03.07.2018 12:40 Print

Happy Birthday, «Retorten-Baby»

Die Britin Louise Joy Brown war das erste durch künstliche Befruchtung entstandene Kind weltweit. Heute ist sie eines von insgesamt mehr als acht Millionen Babys.

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Selten wurde einem Kind bei der Geburt so viel Aufmerksamkeit zuteil wie Louise Joy Brown. Sie war das erste durch künstliche Befruchtung entstandene Kind weltweit. Seither konnten sich unzählige Paare dank der Methode ihren Kinderwunsch erfüllen.

Mehr als acht Millionen Babys sind seit Louises Geburt vor rund 40 Jahren nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung zur Welt gekommen. Das hat eine Auswertung der Datensammlung ICMART ergeben, die am Dienstag beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) in Barcelona vorgestellt wurde.

Bei rund einem Drittel der Transfers klappt es

Inzwischen werden demnach jährlich geschätzt mehr als eine halbe Million Babys weltweit nach einer künstlichen Befruchtung geboren. In Europa liege bei der Zahl der Fruchtbarkeitsbehandlungen Spanien mit 119 875 Therapiezyklen im Jahr 2015 an der Spitze, gefolgt von Russland (110 723), Deutschland (96 512) und Frankreich (93 918), hiess es von der ESHRE weiter. Berücksichtigt sind dabei In-vitro-Fertilisationen (IVF), Intrazytoplasmatische Spermien-Injektionen (ICSI) und die – in der Schweiz verbotenen – Eizellspenden.

Insgesamt gab es den ESHRE-Daten zufolge 2015 europaweit rund 800 000 Behandlungszyklen, aus denen 157 449 Babys hervorgingen. Allerdings seien noch nicht alle Länder bei dieser Auswertung berücksichtigt, es fehle zum Beispiel Grossbritannien mit üblicherweise etwa 60 000 Zyklen.

Der vorgestellten Statistik zufolge kommt es bei 36 Prozent der Embryotransfers zu einer Schwangerschaft. Die Chancen stehen besser, wenn der Embryo im Alter von fünf statt von drei Tagen in die Gebärmutter übertragenen wird.

Schwierigkeiten bei jedem zehnten Paar

Die Aussichten auf eine Schwangerschaft sind grundsätzlich in höherem Alter geringer und nicht jede Schwangerschaft endet mit der Geburt eines Babys. Weil inzwischen häufiger nur ein Embryo eingesetzt wird, kommt es seltener zu Zwillingsschwangerschaften – für 2015 lag die Rate bei etwa 14 Prozent.

Rund jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen – bis 1978 liess sich dagegen kaum etwas tun. Am 25. Juli 1978 aber wurde im britischen Oldham Louise Brown nach einer IVF geboren. Entwickelt wurde die Methode vom Medizin-Pionier Robert Edwards, der dafür 2010 den Nobelpreis erhielt. Das erste Schweizer Retortenbaby kam am 26. April 1985, um 7:37 Uhr im Bezirksspital Breitenbach SO das Licht der Welt – es war ein Mädchen.

Hilfe bei Fruchtbarkeitsproblemen

Die In-vitro-Fertilisation nutzen Mediziner unter anderem bei Fruchtbarkeitsproblemen der Frau wie etwa einem Eileiterverschluss. Zunächst wird mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert. Die gereiften Eizellen werden abgesaugt und im Labor mit den Samenzellen des Mannes befruchtet. Der entstehende Embryo wird in die Gebärmutter der Frau gepflanzt.

Am häufigsten wird inzwischen die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion angewendet. Die ICSI kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz, etwa zu wenigen oder schlecht beweglichen Spermien. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird jedoch eine Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt.

(jdr/sda)