Hirnkrankheit

17. Juni 2019 17:47; Akt: 17.06.2019 17:47 Print

47 Kinder sterben nach dem Verzehr von Litschis

In Indien sind innerhalb weniger Tage mehrere Dutzend Kinder an einer Hirnkrankheit gestorben. Schuld sind auch hier erhältliche Vitamin-C-Bomben.

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Litschis sind lecker und gesund. So denkt man zumindest hierzulande. Anders sieht das in der Gegend um die nordindische Stadt Muzaffarpur aus. Dort sind die Früchte des Litschibaums nämlich schuld am Tod Hunderter eigentlich gesunder Kinder. Gut 20 Jahre war unklar, was die plötzlichen Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und das Anschwellen des Gehirns der Betroffenen ausgelöst hatte. Auf die richtige Spur brachte die Forscher unter anderem die Tatsache, dass die Vorfälle jeweils mit der Ernte der Früchte korrelierten. Doch wie kann das sein? Immerhin werden die Früchte hierzulande als gut für die Gesundheit gepriesen und rege verzehrt. Auch darauf haben die Forscher eine Antwort: Nicht die Früchte machen einen Unterschied, sondern die Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen. So stammten die meisten Opfer aus ärmlichen Verhältnissen, in denen regelmässige Mahlzeiten nicht auf der Tagesordnung stehen. Die Krux: Werden zu viele Früchte vom Litschibaum gegessen und dann noch auf nüchternen Magen, können sie eine toxische Unterzuckerung auslösen (siehe Box). Besonders schlimm traf es daher vor allem jene Kinder, die kein Abendessen zu sich genommen hatten. Damit in Zukunft nicht noch weitere Kinder sterben, wurden die Eltern in der Region dazu aufgefordert, ihren Kindern fortan ein Abendessen zu servieren. Zudem sollten sie darauf achten, dass der Nachwuchs seinen Litschi-Konsum reduziert. Die Ratschläge zeigen bereits Wirkung, wie die «New York Times» schreibt: Erkrankten in den letzten Jahren mehrere Hundert Kinder, sind es seither nur noch rund 50 Personen.

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Plötzliche Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und ein akutes Anschwellen des Gehirns: Das sind die Symptome, mit denen viele Kinder im Norden Indiens seit rund 20 Jahren immer wieder zu kämpfen haben.

Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Fälle: Seit Anfang Juni erkrankten mehr als 179 Kinder unter zehn Jahren in der Stadt Muzaffarpur an der sogenannten Enzephalitis. Mindestens 47 davon starben allein in den vergangenen drei Wochen. Das berichtet Stern.de unter Berufung auf CNN.

Toxische Unterzuckerung

Zwar ist die Ursache für das aktuelle, mysteriöse Sterben noch nicht geklärt. Aber Experten vermuten, dass zwischen den früheren und den aktuellen Fällen eine Verbindung besteht: die Litschi-Frucht (Litchi chinensis), die sämtliche Betroffene vor ihrem Erkranken verzehrt haben.

Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC 2015 festhielt, sind allerdings nicht die Früchte selbst problematisch, sondern die in der Region vorherrschenden Ernährungsgewohnheiten. So stammen die meisten Opfer aus ärmlichen Verhältnissen, in denen regelmässige Mahlzeiten nicht auf der Tagesordnung stehen.

Die Krux: Werden zu viele Früchte vom Litschibaum gegessen und dann noch auf nüchternen Magen, können sie eine toxische Unterzuckerung auslösen (siehe Box). Besonders schlimm traf es daher vor allem jene Kinder, die kein Abendessen zu sich genommen hatten.

Vorsicht vor Verzehr

Als bekannt wurde, dass der Konsum von Litschis derartige Folgen haben kann, empfahlen Forscher im Fachjournal «The Lancet» den Eltern in der Region, ihren Kindern fortan ein Abendessen zu servieren. Zudem sollten sie darauf achten, dass der Nachwuchs seinen Litschi-Konsum reduziert.

Einen ähnlichen Rat geben Forscher auch den Menschen in Jamaika. Allerdings bezieht sich dieser auf den Verzehr der Akee (Blighia sapida), da dieser zur Erntezeit ebenfalls oft mit Enzephalitis einhergeht.


Wie die Litschi zählt auch die Akee zur Familie der Seifenbaumgewächse. (Bild: iStock)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 17.06.2019 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten setzen

    Dafür kann sich Indien zu den Atommächten zählen, da muss man anscheinend mit Mangelernährung bei der armen Bevölkerungsschicht rechnen. Das Kastensystem in Indien ist halt nicht wegzudenken, das ist eines der grossen Probleme.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 17.06.2019 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten setzen

    Dafür kann sich Indien zu den Atommächten zählen, da muss man anscheinend mit Mangelernährung bei der armen Bevölkerungsschicht rechnen. Das Kastensystem in Indien ist halt nicht wegzudenken, das ist eines der grossen Probleme.