Ocean Cleanup

07. September 2018 13:10; Akt: 07.09.2018 13:10 Print

Ab Samstag werden die Ozeane aufgeräumt

Nun geht es dem Plastikmüll in den Weltmeeren an den Kragen. Als Erstes wird der Great Pacific Garbage Patch in Angriff genommen.

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Mit dem Projekt Ocean Cleanup will der 24-jährige Niederländer Boyan Slat innert fünf Jahren den sogenannten Great Pacific Garbage Patch, auch Nordpazifikwirbel genannt, von 40'000 Tonnen Plastikmüll befreien. Der Startschuss für das gigantische Projekt fällt am 8. September 2018 in San Francisco. Hinter den Beteiligten liegen acht Jahre Vorbereitungszeit. (Im Bild: Boyan Slat mit Pressevertretern) Dann soll die erste Ausbaustufe (System 001) der U-förmigen Anlage unter der Golden Gate Brücke hindurch knapp 500 Kilometer von der Küste weg aufs offene Meer gezogen werden. Nach weiteren Tests zieht der schwimmende Müllfänger dann zum Great Pacific Garbage Patch weiter ... ... der rund dreimal so gross wie Frankreich ist. Die am Meeresgrund verankerte Vorrichtung besteht aus langen, luftgefüllten Plastikrohren, an denen Nylonnetze hängen. Diese ragen drei Meter ins Meer hinunter und bilden so eine Art gigantische Kehrichtschaufel. Der Plastikabfall wird durch die Meeresströmung in diese schwimmenden Barrieren getrieben, wo er alle sechs bis acht Wochen von Schiffen eingesammelt wird. System 001 soll eine Länge von 600 Metern haben. Einmal im Great Pacific Garbage Patch angekommen, sollen die Barrieren auf Dutzende Kilometer Länge ausgebaut werden – um möglichst viel Plastik aufsammeln zu können. Für Meeresbewohner soll die Vorrichtung laut Ocean Cleanup keine Gefahr darstellen, da sie von der Strömung unter dem Nylonnetz durchgedrückt würden. Meeresbiologen befürchten allerdings, dass die Vorrichtung dennoch zu einem Massengrab für kleine Lebewesen werde könnte. Slats Ocean-Cleanup-Projekt ist jedoch nicht das einzige, das die Weltmeere von Müll befreien soll. Noch weit von einer Realisierung entfernt ist das Pacific Garbage Screening (PGS) der deutschen Architektin Marcella Hansch. Die riesige Plattform (400 Meter lang) soll Plastikpartikel ohne für Meerestiere gefährliche Netze aus dem Wasser filtern. Da Plastikteilchen, obwohl sie leichter als Wasser sind, durch die Meeresströmung bis zu 30 Meter in die Tiefe gezogen werden können, soll das PGS die Strömung durch seine Bauform zuerst beruhigen. Im ruhigen Wasser soll das Plastik dann durch seinen eigenen Auftrieb an die Wasseroberfläche steigen. An der Oberfläche angekommen, kann das Plastik auf einfachem Weg gesammelt und abgeschöpft werden – ohne Netze. Eine erste Hürde hat Marcella Hansch für ihr Projekt bereits genommen: Mitte Juli wurde eine Crowdfunding-Runde erfolgreich abgeschlossen. 231'205 Euro kamen zusammen. Ebenfalls auf hoher See Plastik einsammeln möchte der Schweizer Yvan Bourgnon mit seinem Quadrimaran Manta: Mit dessen Hilfe sollen pro Törn jeweils 600 Kubikmeter Plastikmüll aus dem Meer gefischt werden. Auslöser für das The Sea Cleaners getaufte Projekt waren Bourgnons Beobachtungen während seiner Weltumrundung mit einem Sportkatamaran. Damals konnte er das Ausmass der Ozeanverschmutzung mit eigenen Augen sehen. Noch gibt es die Manta erst als Modell. 2020 soll dann mit dem Bau des Quadrimarans begonnen werden. Laut Bourgnon wird er 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch und 2500 Tonnen schwer sein.Wind und Strom aus erneuerbaren Quellen sollen ihn antreiben. An Bord des Schiffs befindet sich ein Sortierwerk. Die mit Förderbändern aus dem Wasser geholten Abfälle werden an Bord verdichtet. Über 250 Tonnen Plastik kann das Schiff aufnehmen, bis seine Ladung in einem Hafen gelöscht werden muss. An Land sollen die Abfälle fachgerecht wiederverwertet werden. Ziel von Bourgnons Projekt ist es, Plastik aus dem Meer zu holen, bevor es sich in Nanopartikel zersetzt und von lebenden Organismen aufgenommen wird. Verhindern, dass Plastikmüll zu Mikroplastik zerfällt, will auch One Earth – One Ocean (OEOO). Ihr Konzept einer maritimen Müllabfuhr konzentriert sich auf stark verschmutzte Küstenlinien, wie zum Beispiel in Hongkong. Dazu hat OEOO-Gründer Günther Bonin die «Seekuh» entwickelt. Der Katamaran verfügt über eine Netzkonstruktion zwischen seinen Rümpfen. Diese fischt bis in eine Tiefe von vier Metern treibende Kunststoffteile ab. Pro Fahrt könne so zwei Tonnen Müll gesammelt werden. Ist ein Netz voll, wird es verschlossen und mit einer Boje und einem Peilsender versehen, der seine Position an eine Kontrollzentrale überträgt. Auf hoher See soll ein weiterer Katamaran namens Seefarmer die vollen Netze einsammeln und sie zum Energieschiff See-Elefant bringen. Auf ihm wird der Plastikmüll sortiert, zerkleinert, dem Recycling zugeführt oder durch Erhitzung verflüssigt und so zu schwefelfreiem Heizöl umgewandelt. Realisiert wurde bisher allerdings nur die Seekuh. Ob Günther Bonin seine Vision verwirklichen kann, hängt – wie bei den anderen Projekten auch – in erster Linie davon ab, ob genug Investoren gefunden werden können. Denn so unterschiedlich die Konzepte von Ocean Cleanup, Pacific Garbage Screening, The Sea Cleaners und One Earth – One Ocean sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie rufen auf ihren Websites alle eindringlich zum Spenden auf.

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In der Bucht von San Francisco liegt ein riesiger Schwimmkörper für eine einzigartige Säuberungsaktion bereit. Wie Fangarme sollen sich die Enden des 600 Meter langen Kunststoffrohrs um Berge von Plastikmüll legen – zunächst auf dem Pazifik zwischen Kalifornien und Hawaii.

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Im Hafen von Alameda, gegenüber der Skyline von San Francisco, wurde die Konstruktion für das Projekt The Ocean Cleanup seit März zusammengebaut und getestet. Nun wird es ernst: Am Samstag soll die U-förmige Anlage unter der Golden Gate Brücke hindurch knapp 500 Kilometer von der Küste weg aufs offene Meer gezogen werden.

Plastik so weit das Auge reicht

Nach weiteren Tests will das Team um den 24-jährigen Niederländer Boyan Slat den riesigen Müllfänger dann zum Nordpazifikwirbel – dem Great Pacific Garbage Patch – schleppen. Das Gebiet gehört zu den fünf grössten Strömungswirbeln weltweit, an denen sich gigantische Mengen Plastikmüll sammeln.

Wissenschaftler des Projekts und von verschiedenen Universitäten sprechen von 1,8 Billionen Plastikteilen – allein im am stärksten verschmutzten Pazifikgebiet, das sich über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern erstreckt – etwa dreimal die Fläche Frankreichs.


Acht Jahre Vorbereitung

Der Schwimmkörper, an dem eine Art Vorhang drei Meter tief ins Wasser hängt, soll durch den Plastikteppich treiben und den Müll einsammeln. Der werde dann später von Schiffen, die als «Müllwagen der Weltmeere» zu den Anlagen fahren, entsorgt und das Sammelgut zur weiteren Verarbeitung an Land gebracht, so Slat.

So soll das Projekt ablaufen. (Video: The Ocean Cleanup)

Schon mit 16 Jahren sei ihm beim Tauchen in Griechenland die Idee gekommen, als er im Wasser «fast mehr Plastik als Fische» sah. Er konnte Investoren sowie zahlreiche Universitäten und Unternehmen für sein Millionenprojekt gewinnen. Die Zentrale ist im niederländischen Delft, vor der Nordseeküste wurden die ersten Prototypen getestet.

Verpackungen, Flaschen, Tüten – gigantische Mengen Plastik verschmutzen die Weltmeere. Wie viel es genau ist, weiss keiner. Schätzungen gehen von bis zu 150 Millionen Tonnen aus. Slat und sein Team haben hochgesteckte Ziele. Vorausgesetzt, bei der Generalprobe in Kalifornien mit System 001 läuft alles wie geplant, sollen 60 derartige Anlagen installiert werden.

Es gibt auch Kritik

Doch das Projekt wirft auch Fragen auf und wird von vielen Experten eher kritisch gesehen. Ein Kritikpunkt: The Ocean Cleanup kratze buchstäblich nur an der Oberfläche. Eben Schwartz von der California Coastal Commission, einer staatlichen Behörde für Küstenschutz, verweist darauf, dass sich der Grossteil des Plastikmülls in den Weltmeeren unter der Wasseroberfläche ansammelt, bis zum Meeresboden. Slat stelle die wahren Ausmasse des Problems nicht deutlich genug dar.

«Natürlich gibt es eine Menge Plastikmüll an der Oberfläche des Garbage Patch, aber der macht nicht einmal drei Prozent der gesamten Plastikmasse aus, die jährlich in die Weltmeere wandert», sagt Schwartz. Slat habe bestimmt die «besten Absichten», Müll zu entfernen, doch viel wichtiger sei es, von vornherein zu verhindern, dass weiter Plastik in die Ozeane gelangt.

Bedenken von Forschern, dass sich Meerestiere in der schwimmenden Barriere verfangen, weist das Team von The Ocean Cleanup weitgehend zurück. Mit der Wasserströmung könnten sie unbeschadet unter der Anlage wegtauchen, heisst es auf der Website der Stiftung.

Verschiedene Lösungsansätze gefordert

«Sie sind sehr gut darin, ihr Projekt zu verkaufen», sagt Schwartz über die Initiative, die er zugleich als «sehr beeindruckend und innovativ» beschreibt. «Wir brauchen aber viele Lösungsansätze, nicht nur ein Pflaster, nachdem die Verschmutzung bereits passiert ist.»

Dazu gehört der «Coastal Cleanup Day», den die Behörde entlang der kalifornischen Küste seit 1985 organisiert. Freiwillige Helfer sammeln dabei einmal im Jahr Müll an den Stränden ein. 2017 machten mehr als 63'000 Menschen mit, sie entfernten über 362 Tonnen Müll. In diesem Jahr startet die Aktion am 15. September, eine Woche nach dem Stapellauf von Slats System 001 in der Bucht von San Francisco.

Jeden Tag gelangt mehr Plastik ins Meer. So will Boyan Slat dem ein Ende setzen. (Video: Youtube/The Ocean Cleanup)

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Coci am 07.09.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo. Ich zieh den Hut ab diesem jungen Mann. Mehr von Ihnen...

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  • Mike am 07.09.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das sind Personen die mit der Begeisterung die Welt ändern können und das ohne gross Geld zu besitzen. Andere haben Milliarden und tun nichts. Die Welt wäre nicht mehr arm und in diesem Zustand wenn die Reichen etwas für die Menschen tun würden und wir Menschen alle aufhören würden den Planeten zu zerstören.

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  • Ms.Swiss am 07.09.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich..

    gibt man einem jungen die Chance das zu reslisieren, was die ältere Generation schon lägst hätten tun sollen: Gar nicht so weit kommen lassen! Aber eben, es musste so weit kommen. Natürlich gibt es immer Kritiker, egal was man tun will, Nörgeln ist leichter gemacht als mal das Problem an der Haarwurzel zu packen. Ich wünsche dem jungen Unternehmer viel Erfolg bei seinem Projekt und hoffe sehr, dass noch viele Jungen mitziehen und helfen, die Welt etwas zu verbessern..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Smarty am 08.09.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Plastikmuell

    Super wird aufgeraeumt und ich hoffe es ist ein Erfolg! Jetzt sollte man aber die Plastikflaschen, - saecke, etc. verbieten und zwar sofort. Das waere die beste Massnahme gegen den Plastikmuell. Ja und dann ist noch die liebe Menschheit. Die den Muell dort entsorgen sollte, wo er hingehoert und nicht einfach nur ins Wasser schmeissen oder in die Natur. Nach dem Prinzip, nach mir die Sintflut.

  • MEL_TJA am 08.09.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Wow, ich finde die Idee einfach genial! Klar gibt es unter der Oberfläche viel mehr Plastik, aber ein Teil wäre dann schon aufgeräumt. Hoffen wir dass es klappt. Respekt vor dem Erfinder, hat viele Nerven und Zeit gekostet. Aber wird sich auszahlen

  • Georg Bauer am 08.09.2018 03:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solange die Menschheit existiert....

    ...bla bla bla. Leute ihr seid ein Teil der Menschheit. Wollt ihr nicht mehr existieren, oder gilt das nur für die Anderen?

  • Plastikmann am 07.09.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Is bei mir auch so...

    Am Wochenende komm ich auch immer erst zum Aufräumen. Pet Flaschen wegbringen etc.

  • Hermann Michel am 07.09.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Save our Oceans

    Aller Anfang ist schwer, aber Schaden kann es sicher nicht, der Junge Erfinder hat eine Vision etwas gutes zu tun auch wenn es schon 5 nach Zwölf ist! Jedenfalls besser als die Politiker die gar nichts Amy Hut haben!