Nicht abbaubar

29. April 2019 09:27; Akt: 29.04.2019 09:27 Print

So sieht ein Bio-Säckli nach 3 Jahren im Meer aus

Für Müll, Hundekot oder zum Einkaufen: Tüten aus Bioplastik werden oft als umweltfreundliche Alternative beworben. Das sind sie allerdings nur bedingt.

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Nach drei Jahren im Meer: Eine als biologisch abbaubar gekennzeichnete Plastiktüte. Der Nationalrat will gegen Plastikmüll vorgehen. Er hat am Mitte Dezember eine Motion seiner Kommission mit 116 zu 58 Stimmen bei 5 Enthaltungen angenommen. Die Umweltkommission fordert, so viel Plastik wie möglich zu ersetzen sowie Forschung und Innovation zu fördern. Ziel ist es, die Umweltverschmutzung durch Plastik einzudämmen. Damit soll auch das Problem angegangen werden, dass Plastik immer häufiger im Kompost landet und via Grüngut auf die Äcker gelangt. Der Bundesrat lehnt die Motion ab. Er ist der Ansicht, dass das Problem der Umweltbelastung durch Kunststoffe umfassend anzugehen ist. Zudem wolle er in erster Linie auf freiwillige Massnahmen setzen, erklärte Umweltministerin Doris Leuthard. Der Detailhandel hat sich schon im Vorfeld in die politische Debatte eingeschaltet. Mit einem Schreiben an die Nationalräte wird empfohlen, die Motion abzulehnen. «Der Detailhandel ist nicht das Hauptproblem in Sachen Umweltbelastung durch Plastik.» Der Mediensprecher von Greenpeace Schweiz, Yves Zenger, findet die Reaktion der Branchenvertreter absurd. «Verpackungen und andere Einwegprodukte machen einen erheblichen Anteil aus und könnten viel einfacher vermieden werden.» Nationalrat Bastien Girod (Grüne) betont, die gezielte Förderung von Forschung und Innovation sei nun unabdingbar: «Es braucht jetzt einen Mix aus Massnahmen, der technische Möglichkeiten wie biologisch abbaubare Materialien berücksichtigt.» SVP-Nationalrat Felix Müri lehnte die Motion ab, weil sie nur auf den Detailhandel abziele. Ihm fehlt eine ganzheitliche Betrachtung der Problematik: «Der Ständerat wird diese Lücke hoffentlich korrigieren und den Massnahmenkatalog auf die ganze Branche ausweiten.» Bei weniger Plastik in den Regalen, zahlen die Kunden die Zeche, befürchtet Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands: «Am Ende zahlt der Konsument den Aufpreis d

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Auch Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff können länger die Natur belasten als wohl viele Menschen annehmen. Eine Studie zeigt, dass sie nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch so stabil sein können, dass sie auch mit mehr als zwei Kilogramm Inhalt nicht reissen.

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Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff - wie auch gewöhnlicher Kunststoff -, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Grossbritannien) im Fachmagazin «Environmental Science & Technology».

Mikroplastik verbieten

«Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen», schreiben die Forscher. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Tüten verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiktüten bestehen.

In verschiedenen Umgebungen ausgesetzt

Den Grossteil der Tüten schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter grosse Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengrösse von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschaftler die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie, mit einem Gewicht beschwert, in Meerwasser.

Nach 9, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Ausserdem wurden ganze Plastiktüten den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt.

Im Freien zerfallen

Alle Kunststoffstreifen einschliesslich des Polyethylens waren nach spätestens 18 Monaten im Freien komplett zerfallen. «Die schnellere Fragmentierungsrate an der Luft dürfte auf höhere Anteile an ultravioletter Strahlung (UV) und Sauerstoff in Kombination mit höheren Temperaturen als in anderen Umgebungen zurückzuführen sein», schreiben die Forscher.

Nach 18 Monaten hatte sich der kompostierbare Kunststoff zudem im Meer aufgelöst, während er im Boden auch nach 27 Monaten noch vorhanden war. Allerdings war seine Belastbarkeit durch Zugspannung zu mehr als 70 Prozent verringert.

Nach drei Jahren noch belastbar

Die Tüte aus kompostierbarem Kunststoff war die einzige, die nach drei Jahren keinen Inhalt mehr tragen konnte. Tüten aus oxo-abbaubarem, biologisch abbaubarem und gewöhnlichem Plastik, die drei Jahre lang im Meer und in der Erde gewesen waren, hielten hingegen 2,25 Kilogramm Gewicht.

«Diese Untersuchung wirft eine Reihe von Fragen auf, was die Öffentlichkeit erwarten kann, wenn etwas als biologisch abbaubar bezeichnet wird», erklärt Thompson. Er betont die Notwendigkeit von Normen für abbaubare Materialien.

Kein ökologischer Vorteil

Das Fazit der Forscher lautet: «Für viele Anwendungen, bei denen Kunststoff-Tragetaschen verwendet werden, stellt die Haltbarkeit in Form einer Tasche, die oft verwendet werden kann und wird, eine bessere Alternative zur Abbaubarkeit dar.»

Zu diesem Schluss kommt auch der Naturschutzbund (Nabu). Selbst der Stoffbeutel sei aus Umweltgesichtspunkten nur dann besser als eine Plastiktüte, wenn er oft genutzt werde: «Es wird davon ausgegangen, dass eine Tasche aus konventioneller (d.h. nicht kontrolliert biologisch angebauter) Baumwolle über hundertmal so oft wie eine erdölbasierte Kunststofftüte genutzt werden muss, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen», heisst es beim Nabu.

Die Umweltschützer raten von Bioplastiktüten jeglicher Zusammensetzung ab, da bisher kein ökologischer Vorteil gegenüber der klassischen Plastiktüte nachzuweisen sei.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karina W. am 29.04.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ein Witz und ein grosses Business

    1. Das Übel an der Wurzel packen und mal zuerst in den Ländern anfangen, wo es ganz normal ist, Abfall ins Wasser zu werfen. Dort ist jeder Franken zehnfach besser eingesetzt. Bildung hilft; entsprechende Industrie notwendig (Kehrichtverbrennung, Recycling, Kläranlagen usw). 2. Verbot von Einwegverpackungen. Soll doch jeder sein Gefäss für seinen Kaffee to go, für sein Mittagessen selbst mitbringen. Messer, Gabel und Löffel kann er ja im Büro waschen und lagern. 3. Plastiksäckchen in den Geschäften durch Recyclingpapiersäckchen ersetzen. Selbst mit Kunststoffstreifen, damit man die Ware sieht.

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  • Ronny C. am 29.04.2019 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem ?

    Es ist praktisch unmöglich, dass in der CH verkaufter Kunststoff irgendwann im Meer landet, kommen wir doch endlich von diesem grünen Ammenmärchen weg. In Griechenland, Spanien (Kanaren) und erst Recht auf den Philippinen, Indien usw. wird der Abfall LKW-weise ins Meer gekippt. Vielleicht sollten die Umweltschützer mal dort aktiv werden, in der CH haben wir vielleicht ein Erziehungsproblem betreffend Littering, aber sicher kein generelles Problem mit Kunststoffen in der Natur.

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  • M.Sch am 29.04.2019 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall Verbrennen

    Ich Reise 3 Monaten quer durch Thailand durch,das Land hat nicht so Einrichtung wie Verbrennung,s Anlage wie in der Kultivierte CH. Die Grünen sollen doch einmal in so ein Land gehen und das Ausmass ansehen,vielleicht dann auch denen ein Licht auf. Gruss aus Thailand

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Armin am 03.05.2019 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    schreiende Schwätzer

    Sorge zur Umwelt tragen, ja. Aber dieses hysterische Getue einheimischer Möchtegern-Umwelt-Apostel ist einfach unnötig, wenn man sieht, wo, wie und in welchen Mengen, Abfall im Meer landet (und wo nicht). Und dann gibt es ja noch dieses gestörte Mädchen mit grossen psychischen Problemen und Angstzuständen, dessen zur Erziehung offensichtlich unfähigen (Künstler-)Eltern ihre Krankheit noch missbrauchen und ausnutzen, anstatt die Kleine in einer psychiatrischen Anstalt zu bringen und mit den nötigen Medis von ihrer Angst zu heilen zu versuchen (Paranoia mit Asperger gemischt).

  • Umwelt am 30.04.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank Oekofritzen

    geht der Mist einfach so weiter. Ein Beweis mehr, dass diese Leute nichts bringen sondern nur sich selber produzieren wollen.

  • Alex am 30.04.2019 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    @Ronny C.

    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass bei uns in der Schweiz verkaufter und weggeworfener Plastik nicht ins Meer gelangt: Durch Verwitterung fällt der Plastik auseinander in kleine Teilchen (Mikroplastik). Dieser ist beinahe nicht mehr sichtbar und wird vom Wasser leicht ausgeschwemmt und gelangt in Flüsse und Bäche und schliesslich ins Meer. Wir sind genauso verantwortlich wie alle Anderen.

    • Josef am 30.04.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Relativismus pur.

      Sie müssen einfach auch die Dimensionen sehen. Der meiste Plastik wird bei uns korrekt entsorgt. Am meisten Plastik in der Umwelt habe ich nicht in der Schweiz gesehen, sondern in Thailand an einigen Touristenstränden. Aber wenigstens Danke, dass es nicht nur die alten, weissen Männer sind, die an allem schuld sind.

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  • Mänu am 29.04.2019 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Depot

    Plastik im Detailhandel eifach verbieten und auf Plastikflaschen ein Depot. Problem gelöst.

    • Pele am 30.04.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Mänu

      Nicht nur im Detailhandel. Alle Mc´s, Coffeeshops usw. dürfen nur noch Geschirr verwenden und auf jedes! Teil 2.- Pfand verlangen. Aber eben....... da hört der Umweltschutz ja auf. Verlogene Gesellschaft. Gilt auch für die Freitagsdemonstranten.

    • Jan DeSchuttevaar am 03.05.2019 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      Wohin mit PET?

      Es gibt zu wenige oeffentliche PET-Sammelstellen in Basel.

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  • Vat am 29.04.2019 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grasballen in Plastik

    Und an die Adresse der Bauern: Grasballen in Plastik verpackt nach Gebrauch bitte entsorgen und nicht den Plastik neben den grasenden Kühen verrotten lassen! Danke

    • Karl am 05.05.2019 17:41 Report Diesen Beitrag melden

      Silo

      Sie meinen Siloballen. Nicht Grasballen. Zugegeben, mann muss nicht alles wissen. Aber wen man etwas nicht weiss sollte man das besser für sich behalten.

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