Welt-Aids-Konferenz

25. Juli 2018 16:16; Akt: 25.07.2018 16:16 Print

Alle drei Minuten infiziert sich ein Mädchen mit HIV

Trotz Erfolgen bei der Bekämpfung ist die weltweite Aidsepidemie noch lange nicht vorbei.

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Weltweit gibt es dem Bericht der Unicef zufolge rund drei Millionen HIV-infizierte Kinder und Jugendliche. Zwei Drittel der Teenager, die sich infizierten, seien Mädchen. An der internationalen Aids-Konferenz in Amsterdam warnten Experten im Juli 2018 vor einer alarmierenden Zunahme der Zahl von Neuinfektionen. Nach Angaben des Direktors des Anti-Aids-Programms der Uno, Michel Sidibe, fehlen bereits sieben Milliarden Euro an Hilfsgeldern. US-Aids-Experte Mark Dybul forderte mehr Geld für die Aids-Bekämpfung. Die Welt sei gegenwärtig «vermutlich so gefährdet wie nie zuvor, die Kontrolle über die Epidemie» zu verlieren. Doch es gibt im Zusammenhang mit Aids nicht nur schlechte Nachrichten, wie das Fachjournal «The Lancet» Anfang Juli berichtete. Laut einer dort veröffentlichten Studie haben Wissenschaftler auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das HI-Virus einen wichtigen Fortschritt erzielt: Zwei Drittel der Rhesusaffen, denen der Wirkstoff sowie ein HIV-ähnlicher Virus injiziert wurde, waren anschliessend völlig vor der Infektion geschützt. Auch der Test mit 393 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 50 Jahren schürt Hoffnungen: Bei ihnen löste der injizierte Wirkstoff starke Immunreaktionen aus, jedoch kaum Nebenwirkungen. Das Medikament soll in Südafrika 2600 Frauen injiziert werden, um zu überprüfen, ob es Aids tatsächlich vorbeugen kann. Ergebnisse werden 2021/2022 erwartet. (Im Bild: die südafrikanische Bergkette Twelve Apostles) 1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer – vor allem in Kalifornien – an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: der Aids Memorial Quilt, der an das Leben verstorbener Aids-Patienten erinnert) 1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS – Acquired Immunodeficiency Syndrome – genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst. Der Frankokanadier Gaétan Dugas galt übrigens viele Jahre als derjenige, der das HI-Virus in die USA gebracht und dort für seine Verbreitung gesorgt hatte. Er sei Amerikas Patient null gewesen, hiess es. Grund dafür war eine 1984 veröffentlichte Studie. In dieser wiesen die Forscher nach, dass mehrere Sexpartner des Flugbegleiters mit HIV infiziert oder bereits an Aids erkrankt waren. Demnach konnte bei mindestens 40 der ersten 248 HIV-Patienten eine Verbindung zu Dugas hergestellt werden. Doch Dugas, der 1984 am Virus starb, erlangte seinen Status zu Unrecht und auf tragische Weise aufgrund eines Missverständnisses, wie eine neue Studie von Forschern der University of Arizona zeigt. Demnach hatte das Virus bereits Anfang der 1970er-Jahre ... ... die USA erreicht. Damit scheidet Gaétan Dugas als Auslöser der Epidemie aus. Als er 1982 seine Blutprobe abgab, war HIV längst an beiden Küsten verbreitet. Die Daten zeigen, dass die epidemischen Ausbrüche in Kalifornien eigentlich Ableger des älteren Ausbruchs in New York waren. 1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. 1985: Im Oktober stirbt als erster Prominenter der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam. 1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet. 1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein. 1991: Die Rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids. Im November des gleichen Jahres stirbt der Leadsänger der Popgruppe Queen, Freddie Mercury, an Aids. 1993: Das Modehaus Benetton thematisiert AIDS in einer Werbekampagne. 1993: «Philadelphia» mit Tom Hanks ist der erste grosse Hollywoodfilm, der sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Aids-Erkrankten und Homosexuellen in den USA auseinandersetzt. Im Jahr 1995 kommen sogenannte Protease-Hemmer als neues Aids-Medikament auf den Markt. 2017 lebten rund 36,9 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Im Juni 2017 hatten 20,9 Millionen HIV-positive Menschen Zugang zu einer anti-retroviralen Therapie. 2016 starb eine Million Menschen an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids. Total starben seit Beginn der Epidemie weltweit 35 Millionen Menschen an der Krankheit. Zurzeit stecken sich täglich rund 5000 Personen mit dem HI-Virus an. Das macht etwa 1,8 Millionen Neuinfektionen pro Jahr (2016). Etwa 30 Prozent aller HIV-Infizierten (mehr als 11 Millionen Menschen) wissen nicht, dass sie Träger des Virus sind.

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Weltweit sind Mädchen am meisten von HIV und Aids bedroht. Alle drei Minuten infiziere sich ein Mädchen mit dem Virus, heisst es in einem Bericht des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, der am Mittwoch auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam vorgelegt wurde.

Trotz Erfolgen bei der Bekämpfung sei die weltweite Aidsepidemie noch lange nicht vorbei. «Sie ist auch noch lange nicht unter Kontrolle», warnt Unicef. Weltweit gibt es dem Bericht zufolge rund drei Millionen HIV-infizierte Kinder und Jugendliche. Zwei Drittel der Teenager, die sich infizierten, seien Mädchen.

Schlechter Zugang zu Informationen

Durch die systematische Benachteiligung seien Mädchen besonders gefährdet, sagt Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. «In den meisten Ländern haben Mädchen und Frauen schlechteren Zugang zu Informationen, Gesundheitsdiensten oder schlicht nicht genug Macht 'Nein' zu ungeschütztem Sex zu sagen.» Hinzu komme sexuelle Gewalt und Armut, die Mädchen in die Prostitution zwingen kann.

Das Kinderhilfswerk dokumentiert die verheerenden Folgen der Aids-Epidemie für Jugendliche. So starben 2017 weltweit 130'000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit, und 430'000 infizierten sich mit dem HI-Virus.

Neuinfektionen halbieren sich

Positiv ist, dass sich die Zahl der Neuinfektionen seit 2000 fast halbiert hat. Prävention und Hilfe müssten sich nun gezielt an die junge Generation richten, betont Unicef. Denn vor allem in Entwicklungsländern steigt der Anteil von Kindern und Jugendlichen. Schon jetzt lebten neun von zehn HIV-positiven Kindern auf der Welt in Afrika.

(kat/sda)