Satelliten-Absturz

23. September 2011 16:51; Akt: 23.09.2011 18:46 Print

Am sichersten ist es unter dem Türrahmen

Die Wahrscheinlichkeit, vom auf die Erde stürzenden Satelliten UARS getroffen zu werden, ist verschwindend klein. In Italien werden dennoch Verhaltenstipps abgegeben.

Eine Videosimulation vom Absturz des US-Satelliten UARS.
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Der Absturz des busgrossen US-Satelliten UARS ist nach Berechnungen von Experten für Menschen relativ ungefährlich. «Das Risiko, davon getroffen zu werden, ist sehr gering», sagte der Leiter des Weltraumschrott-Büros der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Heiner Klinkrad, in Darmstadt.

Das rund sechs Tonnen schwere Stück Weltraumschrott sollte nach Angaben der NASA in der Nacht zum Samstag in die Erdatmosphäre eintreten. Eine genaue Zeit nannte sie zunächst nicht. Der ausrangierte Satellit verglüht demnach aber nicht vollständig, sondern fällt in Einzelteilen auf die Erde.

Nach Angaben von Klinkrad bleiben von dem Satelliten nur etwas mehr 500 Kilogramm übrig - auf 20 Fragmente verteilt. «Das Risiko ist 1 zu 3200, dass überhaupt ein Mensch dabei ernsthaft verletzt wird», sagte der Experte. «Wenn man das umrechnet auf das Risiko für jeden einzelnen, dann liegt es bei 1 zu 100 Milliarden.»

Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, sei wesentlich höher. «Von all den Objekten, die wieder eingetreten sind, ist bisher niemand auf der Erde verletzt worden.»

Untere Stockwerke bevorzugen

Der Aufprallort der Trümmer war unter Experten am Freitag aber noch umstritten. «Wo er herunterfällt, lässt sich nur sehr schwer vorhersagen», sagte Klinkrad. «Im Moment kann man aber davon ausgehen, dass Nordamerika nicht betroffen sein wird.»

In Italien, wo bereits gestern über einen möglichen Absturz spekuliert wurde, wagt man sich etwas weiter auf die Äste hinaus: Laut der «Repubblica» ist die Wahrscheinlichkeit, dass das «bel paese» vom Satelliten getroffen wird, über Nacht von 0.6 auf 1.5 Prozent gestiegen. Sogar ein genaues Zeitfenster ist kommuniziert worden: Die Gefahr sei am Freitagabend zwischen 21.25 Uhr und 22.03 Uhr und am Samstagmorgen zwischen 3.34 Uhr und 4.12 Uhr am grössten, hiess es erst – insbesondere in den Provinzen Piemont, Ligurien, Lombardei, Venetien und Emilia Romagna. Die Prognosen habe man jetzt aber nach hinten verschoben. Das Auftreffen des Satelliten auf der Erde werde nun am Samstagmorgen erwartet. Der UARS habe offenbar seine Ausrichtung geändert, was den Absturz verlangsamt habe.

Zwar wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass die Gefährdung für die Bevölkerung minim sei, dennoch werden konkrete – und wenig erstaunliche – Verhaltenstipps abgegeben. Der Aufenthalt in Gebäuden sei sicherer als unter freiem Himmel und innerhalb der Häuser sollten die unteren Stockwerke bevorzugt werden. Am sichersten seien Türöffnungen von tragenden Wänden. Sollte es sich tatsächlich ein Satelliten-Überrest auf dem Sofa bequem machen, müsse man sofort die Behörden informieren und dürfe sich nicht näher als 20 Meter an das Objekt heranwagen.

NAZ beobachtet Situation

In der Schweiz verfolgt die Nationale Alarmzentrale (NAZ) die Entwicklung. Das Risiko, dass der Satellit in der Schweiz niedergehe und dass es beim Absturz zu Schäden komme, wird von der NAZ allerdings als äusserst gering eingeschätzt.

Die Bevölkerung braucht laut der NAZ keine Massnahmen zu treffen. Bei Satelliten-Trümmern gelte generell, dass man sie nicht berühren und die Polizei verständigen sollte.

Der Forschungssatellit UARS war 1991 von dem US-Space-Shuttle «Discovery» in den Orbit gebracht worden, um die obere Atmosphäre zu erforschen. Er beendete 2005 seinen Einsatz und wird nun mangels weiteren Treibstoffs auf die Erde stürzen.

(fum/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Harry am 23.09.2011 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Teutates

    Der Himmel fällt uns auf den Kopf. Es wird böse enden.... 8-)))

    einklappen einklappen
  • T.B. am 23.09.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht berühren?

    Warum darf man sich dem Objekt nicht näher als 20m heranwagen? Sind giftige Stoffe enthalten?

    einklappen einklappen
  • Bela Biszkup am 24.09.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vonwegen verglühen

    Es ist schön, dass von 6 Tonnen High-Tech nur rund 500 Kilogramm eventuell jemanden erschlagen könnte. Den Rest dürfen wir einatmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bela Biszkup am 24.09.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vonwegen verglühen

    Es ist schön, dass von 6 Tonnen High-Tech nur rund 500 Kilogramm eventuell jemanden erschlagen könnte. Den Rest dürfen wir einatmen.

  • cassini am 24.09.2011 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    plutonium

    Die Cassinini sonde hatte etwa 500Kg Plutonium an board, wenn ich mich nicht irre. Plutonium ist super giftig und laesst dir die Haare ausfallen schon nur beim anschauen. Viel spass beim sammeln!

  • Roberto am 24.09.2011 00:48 Report Diesen Beitrag melden

    Littering

    Hoffentlich fällt etwas wenig bei uns auf den Bahnhofsplatz. Da kann die Polizei der NASA gleich eine Busse wegen Littering aufbrummen!

  • Susi Sorglos am 23.09.2011 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte!

    Kann uns denn auch 20min bitte informieren wo die debries alle eingeschlagen haben?

  • MAH am 23.09.2011 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Don't touch

    Auf keinen Fall berühren!!? Man könnte sich schneiden oder verbrennen!!? Hää? Und was noch??!