Antibiotika-Rückstände

28. Mai 2019 15:39; Akt: 28.05.2019 15:39 Print

Öko-Kollaps scheint nur eine Frage der Zeit zu sein

Antibiotika-Rückstände belasten Flüsse weltweit. Das ist das erschütternde Ergebnis einer aktuellen Studie. Manche Messwerte sind 300-fach höher als erlaubt.

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US-Forscher haben schlechte Nachrichten von den Flüssen dieser Welt: Sie sind mit Antibiotika belastet. An Dutzenden Orten fanden sie Rückstände, die deutlich über den Grenzwerten liegen. (Im Bild: Amazonas vom All aus gesehen) Am häufigsten wurden die Grenzwerte in Afrika und Asien überschritten. In einer Wasserprobe aus Bangladesh fand sich demnach eine ums 300-Fache zu hohe Konzentration des Antibiotikums Metronidazol, das unter anderem bei Hautkrankheiten eingesetzt wird. Überhöhte Werte des Breitbandantibiotikums wurden an 51 Messstellen festgestellt. Laut neusten Erkenntnissen hat dieses beim Menschen zum Teil heftige und irreparable Nebenwirkungen und Bereits Anfang 2019 sorgten Forscher der Radboud-Universität im niederländischen Nijmegen für Bestürzung, nachdem sie die Flüsse, Seen und Trinkwasser auf Antibiotika-Rückstände hin untersucht und diese auch gefunden hatten. ... denn die Wirkung, die für unseren Körper gedacht ist, entfaltet sich auch in der Natur. Die Wissenschaftler zeigten am Beispiel zweier Präparate – Ciprofloxacin (Antibiotikum) und Carbamazepine (Epilepsiepräparat), ... ... dass die Menge der Rückstände zuletzt um das 10- bis 20-Fache gestiegen ist. Das hat Folgen. Carbamazepine richtet schon bei 500 Nanogramm/Liter Umweltschäden an. Bei Ciprofloxacin reichen 0,15 Nanogramm/Liter. Das Fatale: Antibiotika wirken, indem sie Bakterien zerstören. Wenn im Wasser eine Bakterienart durch Antibiotika ausgelöscht wird, kann das gesamte Ökosystem kollabieren. Mehr noch: Das Vorhandensein von Medikamenten bringt auch die Klärwerke in Bedrängnis, denn viele reinigen das Wasser mithilfe von Bakterien. Hier könnten Antibiotika den Reinigungsprozess stören.

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Rückstände von Antibiotika belasten einer neuen Untersuchung zufolge Flüsse in aller Welt. Laut am Montag vorgestellten Forschungsergebnissen werden die vorgegebenen Grenzwerte dabei um das bis zu 300-Fache übertroffen.

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Nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftler hat die Belastung des Wassers Auswirkungen für die Tierwelt und führt zu gefährlichen Antibiotikaresistenzen.


Grenzwerte deutlich überschritten

Für die bei einer Konferenz in Helsinki vorgestellte Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität York 711 Wasserproben aus 72 Ländern auf Reste von 14 häufig eingesetzten Antibiotika.

An Dutzenden Orten fanden sie dabei Rückstände, die deutlich über den Grenzwerten der AMR Industry Alliance liegen. In ihr haben sich mehr als hundert Pharma- und Biotechnologieunternehmen zusammengeschlossen, um Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken.

Auch heikle Präparate nachgewiesen

In einer Wasserprobe aus Bangladesh fand sich demnach eine um das 300-Fache zu hohe Konzentration des Antibiotikums Metronidazol, das unter anderem bei Hautkrankheiten eingesetzt wird.

Überhöhte Ciprofloxacin-Werte wurden an 51 Messstellen festgestellt. Das Breitbandantibiotikum, das laut neusten Erkenntnissen zum Teil heftige und irreparable Nebenwirkungen hat und sogar das Erbgut massiv schädigen soll (siehe Bildstrecke unten), wird vor allem bei Infekten im Magen-Darm-Trakt oder in den Harnwegen verschrieben.

Am häufigsten wurden die Grenzwerte in Asien und Afrika überschritten, neben Bangladesh sind vor allem Kenia, Ghana, Pakistan und Nigeria betroffen. Die Messungen zeigen aber, dass das Problem auch in Europa und Amerika verbreitet ist. Die höchste Überschreitung eines Grenzwertes in Europa wurde in Österreich gemessen.

Ökosystem kann kollabieren

Das nachgewiesene Ausmass wird von Fachleuten als problematisch bezeichnet, denn die Wirkung, die für unseren Körper gedacht ist, entfaltet sich auch in der Natur – mit gefährlichen Folgen, wie unter anderem niederländische Forscher berichten: Ciprofloxacin richtet schon bei 0,15 Nanogramm pro Liter Umweltschäden an.

Das Fatale: Antibiotika wirken, indem sie Bakterien zerstören. Wenn im Wasser eine Bakterienart durch Antibiotika ausgelöscht wird, kann das gesamte Ökosystem kollabieren.

Unnötiger Antibiotikaeinsatz und falsche Anwendung

Seit ihrer Entwicklung in den 1920er-Jahren haben Antibiotika das Leben von Millionen von Menschen gerettet, die beispielsweise an Lungenentzündung, Tuberkulose oder Hirnhautentzündung erkrankt waren.

Unnötiger Antibiotikaeinsatz und falsche Anwendung gelten allerdings als wichtigste Gründe für die Entstehung von Resistenzen. Die neuen Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass auch die zunehmende Umweltbelastung durch Antibiotika ein Faktor sein kann.

Gefährliche Antibiotika nur noch im Notfall erlaubt

(fee/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Ludin am 28.05.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Echte Einschränkungen

    Präventive Anwendung von Antibiotika muss weltweit bei Mensch UND Tier verboten werden, auch die Anwendung bei viralen Infekten (da sinnlos) und/oder "auf Wunsch" des Patienten/Kunden. Alles andere ist Augenwischerei.

  • leon am 28.05.2019 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber gut für Wirtschaft!

    Ich sags schon lange die menschen werden sich selber auslöschen!

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  • Tanja Weiss am 28.05.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung?

    Und was macht man nun dagegen? Scheint wohl egal zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario am 31.05.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich das richtig?

    Das heisst, diese Demos, bestehend aus indoktrinierten Kindern und geistigen Tieffliegern bringt der Umwelt gar nichts?

  • m se am 31.05.2019 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blödheit

    erstens ist der häufigste Einsatz in der Landwirtschaft... und dann die Menschen die Antibiotika nicht bis zum Ende nehmen, sich dann nächstes mal reinpfeifen um etwas selbst zu behandeln..

  • Ramses am 30.05.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufschrei bei 5G - hier aber nicht?

    Bei 6G macht ihr - obwohl harmlos - ein riesiges Theater... und hier kein Aufschrei der Bevölkerung? Keine Demos? DAS hier ist in der REALITÄT tatsächlich eine massive Gefahr für Leben und der ganzen Umwelt!

    • Moses am 30.05.2019 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ramses

      Wer sagt das G5 harmlos sei? Sunrise?

    • Ramses am 30.05.2019 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Moses

      Die Physik sagt das. Leider sind einige Menschen in der Zeit der Hexenverbrennung hängengeblieben - Erfundene Geschichten um die Angst zu schüren wielen heute immer noch.

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  • Roli am 30.05.2019 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende naht

    Das jetzt auch noch. Die Welt kann nicht mehr gerettet werden. Geniessen wir die Zeit die uns noch bleibt.

  • Koni Weiss am 30.05.2019 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Frage

    Der Kollaps kommt, wer das nicht begreift oder weiss, ist ein ewig-gestriger-Tropenkopf und wer es abstreitet ein "Oberdödel" und wen es nicht betrifft ist entweder unehrlich oder Dumm.

    • Ephraim Lercher am 30.05.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Koni Weiss

      Wann kommt er?

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