2,5-mal häufiger

25. Juni 2019 22:14; Akt: 25.06.2019 22:14 Print

Antidepressiva erhöhen das Suizidrisiko

Wer Antidepressiva nimmt, hat ein 2,5-mal höheres Suizidrisiko als jene, die kein solches Medikament einnehmen. Das zeigt eine neue Studie der ZHAW.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Personen, die Antidepressiva zu sich nehmen, begehen rund 2,5-mal häufiger Suizid oder einen Suizidversuch als Menschen, die keine Antidepressiva zu sich nehmen. Dies zeigt eine neue Metastudie, die in Zusammenarbeit zwischen der ZHAW und der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Salzburg durchgeführt wurde. Die Resultate wurden im «Psychotherapy & Psychosomatics» veröffentlicht.

In dieser Studie untersuchten die Forscher Daten, die zwischen 1987 und 2013 gesammelt worden waren. Gemäss diesen begingen 0,8 Prozent aller Personen, die Antidepressiva zu sich nahmen, einen Suizid oder einen Suizidversuch. Bei Personen, die ein Placebo-Medikament verabreicht bekamen, lag die Rate nur bei 0,2 Prozent.

Ärzte und Patienten müssen aufgeklärt werden

Diese Unterschiede seien nicht auf andere Faktoren wie die spezifischen Depressionssymptome oder Persönlichkeitsmerkmale zurückzuführen, wie es in einer Medienmitteilung der ZHAW heisst. Denn die Versuchspersonen wurden den Behandlungsgruppen zufällig zugeteilt. Weder der Patient noch die Ärzte wussten, wer das echte Medikament und wer das Placebo verschrieben bekam.

Insgesamt heisst dies, dass einer von 202 Antidepressiva-Konsumenten in den Studien einen Suizidversuch begangen hat, den er ohne medikamentöse Behandlung vermutlich nicht begangen hätte. Die Vermutung liegt nahe, dass die Zahlen in der realen Routinepraxis ähnlich aussehen. «Unsere Analyse zeigt nicht, ob das Risiko in der Allgemeinbevölkerung gleich gross ist wie in den untersuchten klinischen Studien», liess sich Michael P. Hengartner von der ZHAW zitieren. «Wir können es aber nicht ausschliessen.»

Dies würde bedeuten, dass bei den rund 730'000 Antidepressiva-Konsumenten in der Schweiz etwa 3614 Suizidversuche auf die Medikamente zurückzuführen sind. Die Aufklärung der Patienten und Ärzte sei daher umso wichtiger, heisst es bei der ZHAW.

(doz/sda)