Hilfe für Gefangene

09. Dezember 2011 07:54; Akt: 09.12.2011 09:58 Print

Auch Ratten haben Mitgefühl

Uneigennützige Hilfe ist tief in der Evolution verankert. Das zeigt ein eindrückliches Experiment mit Laborratten.

Das Ratten-Experiment im Video von Science AAAS (YouTube)
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Ratten fühlen mit ihren gefangenen Freunden und helfen ihnen – sogar wenn sie selbst davon keinen Vorteil haben. Es sei die erste Beobachtung dieser Art bei Nagetieren, berichten US- Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Science».

Die Forscher von der Universität Chicago hielten Laborraten paarweise in Käfigen, so dass die Tiere sich aneinander gewöhnten. Anschliessend sperrten sie eine der Ratten in einen durchsichtigen Behälter innerhalb eines grösseren Test-Käfigs.

Wie erwartet reagierte auch die andere Ratte mit Unruhe auf die Gefangenschaft ihres Gefährten. Nach einigen Versuchen jedoch lernten die freien Ratten, die Gefängnis-Tür zu öffnen. Sie halfen ihren Gefährten hinaus, öffneten jedoch nie die Tür für Stoffmäuse oder andere Gegenstände.

Lieber Ratte retten als alleine Schokolade essen

Das Verhalten ging weit über alle bisher beobachteten empathischen Verhaltensweisen bei Nagetieren hinaus, berichteten die Forscher. Die Ratten befreiten ihre Gefährten meist schnell und auch dann, wenn diese nicht in den gemeinsamen Käfig, sondern nach aussen entlassen wurden. Es gab also keine Belohnung in Form eines sozialen Kontaktes.

Selbst wenn die Ratten die Wahl hatten, entweder ihren Gefährten zu befreien oder mit demselben Trick einen Behälter mit Schokolade zu öffnen und diese allein zu vernaschen, wählten sie sehr oft die Befreiung.

«Sie hätten zuerst die ganze Schokolade alleine fressen können. Stattdessen öffneten sie ebenso oft zuerst die Käfigtür und teilten sich die begehrten Süssigkeiten. Das sagt uns, dass die Befreiung ihres Gefährten für sie auf einer Stufe mit Schokolade stand», erläuterte Peggy Mason. «Das hat uns wirklich überrascht.»

Die Ratten erkannten nicht nur die Notlage ihres Artgenossen. Sie behielten auch einen kühlen Kopf und handelten, um diese Situation zu beenden - und das, obwohl sie keinen direkten materiellen oder sozialen Vorteil davon hatten. Das zeigt nach Ansicht der Forscher, dass uneigennützige Hilfe tief in der Evolution verankert sein muss.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luna am 09.12.2011 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja,auch Tiere fühlen

    Solange der Mensch denkt, dass Tiere nichts fühlen, müssen Tiere fühlen, dass der Mensch nichts denkt!

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  • Marco am 09.12.2011 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Damit...

    ...sind uns die Ratten einmal mehr einen Schritt voraus. Sollte einem Menschen zu denken geben.

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  • empty()set am 09.12.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    MITgefühl, nicht Gefühl

    Nur so als Bemerkung, da dies einige falsch verstanden haben: Es geht nicht darum, ob die ratten "Gefühle" haben, sondern ob sie "Mitgefühl" haben. Gleicher Wortstamm, völlig andere Bedeutung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ratze am 12.12.2011 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    tiere

    was macht ihr den fuer einen wind wegen laborratten? die werden ja nicht gefoltert oder sowas.. und bestimmt auch nicht 24h pro tag fuer tests eingesetzt. bin mir sicher denen gehts nicht schlechter als einer ratte zuhause im gehege.

  • Mr. Ironie am 11.12.2011 06:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind die Besten!!

    "Das zeigt nach Ansicht der Forscher, dass uneigennützige Hilfe tief in der Evolution verankert sein muss." NEIN, liebe Forscher zu so etwas sind nur wir Menschen im stande, wir haben uneigennützige Hilfe erfunden, wir sind doch die Klügsten und Besten... Uns gibt es ja auch schon länger als die Ratten und wir überleben auch alle Zeiten ohne auszusterben..

  • marco scherer am 09.12.2011 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ziere

    ich will mir eh schon lane mäuse als haustier halten :D und das ist gleich nochmals einen grund um welche zu haben...

    • Mickey Mouse am 10.12.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      entsetzlich

      Um sie einzusperren?

    • rote zora am 11.12.2011 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      haustier

      ich habe auch ratten als haustiere. mit einem grossem käfig ist das föllig ok, aber nur wenn mann das tieer am tag viel herumlaufen lässt

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  • Liaita am 09.12.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    So was von daneben

    es gibt keinen Uneigennutz. Denn auch die Befriedigung, jemandem geholfen zu haben, "nützt" dem Helfenden und deshalb ist Altruismus inexistent.

    • empty()set am 11.12.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Bedingt

      Es stimmt zwar, dass Altruismus und Egoismus gekoppelt sind. Aber wenn ich jemandem vor dem Ertrinken rette, dann hat er mehr davon als ich, weswegen die Tat als echt altruistisch anzusehen wäre. (Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich unter Umständen mein eigenes Leben gefährde.)

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  • Ricardo Granda am 09.12.2011 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Intelligenz auf vier Beinen

    Das bewundernswerte an Ratten (wie auch an anderen Tieren) ist, der Kampf um den Erhalt der Spezies. Man stelle sich vor, wir Menschen würden jemanden auswählen, das Essen vorzukosten (wie zum Teil im alten Rom). Der würde sich sicher mit Händen und Füssen wehren! Bei diesen Tierchen ist es scheinbar selbstverständlich das eigene Leben für den Erhalt der Gemeinschaft zu opfern. Und den Instinkt den sie haben ist auch bemerkenswert, den kennen wir leider nur noch aus dem Lexikon.