Faszinierende Bilder

02. März 2019 21:23; Akt: 02.03.2019 21:30 Print

Auch unter Wasser kann die Welt sich sehen lassen

von F. Riebeling - Wer einmal tauchen war, schwärmt sein ganzes Leben davon. Warum das so ist, zeigt der Wettbewerb «Underwater Photographer of the Year».

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Alles andere als gewöhnlich: Das sind die Gewinnerbeiträge des Fotowettbewerbs «Underwater Photographer of the Year 2019». Glauben Sie nicht? Vielleicht fällt es Ihnen leichter, wenn Sie erfahren, dass es dieses äusserst herzige Zwerg-Seepferdchen nicht aufs Treppchen geschafft hat. Ganz anders die Aufnahme von René B. Andersen. Für seine Hommage an das berühmte Schwarzweissfoto vom Schlachtschiff-Wracks HMS Audacious setzt der Däne ein Stativ und drei Leuchten ein: Weil er mit auf dem Foto sein wollte, musste er sein Equipment für jedes Drücken auf den Auslöser aus den Augen lassen. Für diese Mühe wurde er mit dem belohnt. Der zeigt eine wahre Besonderheit: Victoria Walker war zufällig im Küstenort St. Ives als Hunderte Makrelen wegen Ebbe im Hafenbecken festsassen. Um das aussergewöhnliche Event festzuhalten, sei sie zusammen mit ihrem Weitwinkelobjektik ins Wasser gestiegen. Eigentlich hoffte Nicholas Samaras auf eine Gruppe von Seepferdchen, als er vor der Küste Stratonis (Griechenland) auf der Lauer lag. Doch stattdessen tauchte im seichten Wasser ein kleiner Rochen auf. Dem Fotografen gelang es, unter diesen zu tauchen und ihn gegen das untergehende Sonnenlicht zu fotografieren. Dafür wurde er nun mit dem belohnt. Eine Grasnatter fotografisch festzuhalten, davon träumte der Brite Jack Perks schon lange. Als ihm dann jemand von einem Teich erzählte, in dem die Tiere regelmässig auftauchten, stülpte er sofort seinen Trockenanzug über und tauchte ab. Mit der dabei entstandenen Aufnahme sicherte er sich den . Die Sicht unterwasser in der Nähe des britischen Festlands ist selten gut genug, um kontrastreiche Weitwinkelaufnahmen zu machen, so Fotograf Bailey. Umso grösser sei seine Freude gewesen, als er vor den Isles of Scilly glasklares Wasser vorfand. Noch grösser sei die Freude aber gewesen, als ihm der zugesprochen wurde. Der Siegerbeitrag der Kategorie «Wide Angle» könnte fast als Rorschachtest durchgehen. Und die Symmetrie zwischen Buckewal, Baby-Buckelwal und Taucher ist es auch, welche die Jury des «Underwater Photographer of the Year 2019»-Wettbewerbs überzeugte:. Eine aussergewöhnliche Behausung mitsamt Schlangensternen als Mitbewohnern hat sich dieser Runzelige Furchenkrebs (Munida rugosa) im schottischen Loch Duich gesucht. Ausgeleuchtet und festgehalten hat diese Szene Arthur Kingdon aus Grossbritannien. Die Massarbeit wurde mit dem belohnt. MIni-Tintenfische bei der Paarung fotografieren. Darum ging es Fabia Iardino, als er mitten in der Nacht im Golf von Triest auf Tauchgang ging. Doch dann sah er dieses grössere und sich rasch bewegende Exemplar. Iardino hatte plötzlich eine noch viel bessere Idee: den Kraken in der Bewegung festhalten. Das bescherte ihm den Tief ist Malcolm Nimmo für diese Aufnahme einer Kompassqualle nicht getaucht. Doch der Jury gefiel dieser Mix aus besonderer Komposition, Farbintensität, Kontrast und ungewöhnlicher Perspektive so gut, dass sie dem Foto in der Kategorie «Marine Compass» den Sondertitel verliehen. «Killing Angels» – so hat Portugiese João Rodrigues diese Aufnahme eines Teufelsrochens bei der Schlachtung getauft. Dass sie an der Küste Javas ins Netz gehen, ist Zufall. Dass ihre Kiemen entfernt werden, wirtschaftliches Kalkül. So werden sie nach China exportiert, wo sie als traditionelle Medizin verkauft werden. Für den grausamen Einblick gab es den . Unechte Karettschildkröten verbringen einen Grossteil ihres Lebens im offenen Meer – und geraten dabei zunehmend in Bedrängnis. Schuld sind unter anderem Plastikabfälle und Fischernetze. Davon zeugt der . Das abgebildete Tier hatte übrigens Glück. Nachdem die Aufnahme im Kasten war, wurde sie von den Fotografen befreit. Wenn man von den Kaimaninseln ein solches Bild mitbringt, hat man vieles richtig gemacht. So wie Ken Kiefer und seine Frau (im Bild). Sie gingen vor Eden Rock auf Tauchgang, als der Atlantische Tarpun (oben links) gerade potenzielle Beute jagte (alle anderen Fische im Bild) war. Der Jury gefiel «die fabelhafte Komposition» und sie vergab den . Die Nase vorn . Auch er hielt den Moment fest, in dem es für einen Jäger – in diesem Fall ein Kormoran – Essenszeit hiess. Die Jury ist von der Komposition aus aggressiven Vogel und ahnungslosen Fischen so begeistert, dass sie bei zehn möglichen Punkten glatte elf geben würde. Ihr Fazit: Das Bild wird mit jeder Betrachtung besser. Neugierde ist im besten Fall niemals einseitig. Das zeigt der eindrücklich. Denn nicht nur der Fotograf zeigte Interesse an seinem Gegenüber, sondern auch das Robbenjunge. Mit jeder Menge Tricks versuchte es, Martin Edser zum gemeinsamen Spiel zu bewegen. Doch der passte – und drückte lieber auf den Auslöser seiner Kamera. Die Nacktschneckenart Costasiella kuroshimae wird mitunter auch Shaun, das Schaf genannt. Denn die beiden sehen sich – zumindest von vorne betrachtet – ziemlich ähnlich. Wird die Schnecke jedoch von unten beleuchtet, wie Fotograf Man BD, , dies getan hat, ist es mit dem gemeinsamen Look nicht mehr weit her. Die Zweigeteiltheit des ist der Doppellichtung zu verdanken, die Fotograf für sein Bild eines Anglerfisches gewählt hat. Doch nicht nur das gefiel der Jury, sondern auch «die sympathische Balance von Licht und Farbe». Die Leichtigkeit, mit der die Frau von Fotograf Matej Bergoc auf dem Vorsprung unter dem Boot zu sitzen scheint, trügt. «Es brauchte einige Anläufe, bis Beine, Arme und Haare perfekt hamonierten», erinnert sich Bergoc. Es sei für sie viel schwieriger gewesen, dort ohne Gewichte sitzen zu bleiben, als für ihn, das Foto für den zu schiessen. wurde Fotograf Taeyup Kim mit diesem sogenannten Splitshot (zweigeteiltem Bild). Eigentlich hatte er in Französisch-Polynesien auf Riffhaie gehofft, die er gerne in das Foto integriert hätte. Doch die Jury überzeugte auch die haifreie Version. Der Spiessroutenlauf (The Gauntlet) – diesen Titel trägt das diesjährige Gewinnerbild: Für dieses stieg Fotograf Richard Barnden – nun – zusammen mit rund 700 Haien ins Wasser, die vor Fakarava, einer Insel im Pazifischen Ozean, auf Futterjagd gingen. Sein Bild zeigt den Moment, in dem ein Papageifisch den hungrigen Jägern zum Opfer fällt. Das Urteil der Jury: «Fotografie bedeutet, Momente festzuhalten – und das ist solch ein unvergesslicher und erschaudernder Moment. Gerade für den Papageifisch.»

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Ob Meer, See, Fluss oder Schwimmbecken – der Wettbewerb Underwater Photographer of the Year berücksichtigt bereits zum vierten Mal all jene Fotografen, die sich auf der Suche nach dem perfekten Motiv in die Fluten stürzen – und damit auch ausgesprochenen Landratten in faszinierende Unterwasserwelten eintauchen lassen.

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Welche von den rund 5000 Einsendungen das Rennen gemacht haben und welche Beiträge ihnen ganz dicht auf den Fersen waren, zeigt die obige Bildstrecke.

Richard Barnden, der Gewinner der Fotowettbewerbs, meldet sich zu Wort. (Video: Youtube / UPY Videos)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 50+ am 02.03.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abtauchen in eine andere Welt

    eine schöne, faszinierende aber auch gefährliche Welt. Leider wird sie auch zerstört

  • Spaniel am 02.03.2019 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Wunderbare Bilder - Top Photograph!

    einklappen einklappen
  • Svea am 02.03.2019 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschöne

    Mann möchte eigentlich direkt los und selbst die Welt entdecken! Wunderschöne Fotos

Die neusten Leser-Kommentare

  • surinam am 03.03.2019 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    WENN FISCHE BEISSEN

    an einem Strand in Hawai hat mich beim Tauchen ein Papagienfisch überraschend in die Hand gebissen. Da diese starke Schnäbel haben - wie eben Papageien, klaffte eine grosse Wunde. Er und seine Kollegen waren wütend, da ich nichts zum Fressen dabei hatte.Leider gibt es viele Touristen, die am Strand Popkorn,Trockenfische kaufen und diese beim Tauchen den Fischen verfüttern. So kommen mehrere der grossen Fische auf einem zugeschwommen und wollen etwas zu futtern. Es hat mir richtig Angst gemacht und ich ging schnell wieder an Land.

  • Silberdistel am 03.03.2019 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Verborgen

    Am Great Barrier Riff war ich schnorcheln, aber ich habe Angst vor dem Tauchen, deshalb bin ich froh, dass Sie diese schönen Bilder zeigen. So kann auch ich sehen, was sonst verborgen ist. Danke.

  • Sulejka am 03.03.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz tolle Bilder

    Sehr interessante und schöne Aufnahmen, danke herzlich dafür, wäre sehr schön mehr davon zu sehen, einfach grossartig!

  • Anazazi am 03.03.2019 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jööö

    Nr 16 ist ja mega süss

  • Steve G' am 03.03.2019 03:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mc Donaldo

    Gibt es dort auch einen Mc Donalds? Sonst interessiert mich die Welt dorr herzlich wenig.