44 Kilometer

04. Juni 2018 19:20; Akt: 05.06.2018 10:53 Print

Australien baut längsten Katzenzaun der Welt

Australien hat ein Problem mit verwilderten Katzen. Sie bringen die einheimischen Beuteltiere an den Rand der Ausrottung.

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Gegen 6,3 Millionen verwilderte Katzen bevölkern den australischen Kontinent. Für die einheimische Tierwelt stellen die kleinen Jäger ein grosses Problem dar. Denn sie töten unter anderem jede Nacht rund eine Million Vögel. Und auch für kleine Beuteltiere sind sie eine existenzielle Bedrohung. Seit sie im 18. Jahrhundert auf Schiffen der Engländer nach Australien gelangten, haben sie bereits 20 Beuteltierarten ausgerottet.

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Bisher scheiterten alle Massnahmen, die Population verwilderter Katzen zu verkleinern. Deshalb versucht nun die Naturschutzorganisation Australian Wildlife Conservancy (AWC), mit einem Zaun zumindest ein kleines Gebiet im Herzen Australiens katzenfrei zu machen. Das Newhaven Wildlife Sanctuary im Gebiet Central Australia (Northern Territory) umfasst 94 Quadratkilometer und soll unter anderem zur neuen Heimat von elf bedrohten Tierarten werden, die heute in dieser Gegend nicht mehr vorkommen.

8500 Zaunpfähle

Um das Schutzgebiet katzenfrei zu bekommen, wurde der längste Katzenzaun der Welt mit einer Länge von 44 Kilometern erstellt. Dafür mussten 8500 Zaunpfähle eingeschlagen werden. Zudem wurden 400 Kilometer Draht und 130 Kilometer Maschendraht ausgerollt.

Bis Ende Jahr sollen alle Katzen aus der Schutzzone entfernt werden. Dabei setzt die AWC auf die Fähigkeiten indigener Ranger, um die Katzen aufzuspüren. Dazu soll das Gelände auch von Füchsen und so weit wie möglich von Kaninchen befreit werden.

So sollen innerhalb des umzäunten Gebiets die natürlichen Zustände wiederhergestellt werden, wie sie sich vor der Ankunft der Europäer präsentierten. Atticus Fleming, der Leiter des AWC, sagte dazu dem «Guardian»: «Die Ironie dabei ist, dass das Gebiet jenseits des Zaunes unnatürlich ist, weil es voller Katzen und Füchse ist.»

Sobald das Gebiet von den eingeschleppten Raubtieren befreit ist, sollen die neuen Bewohner ausgesetzt werden. Darunter Kaninchennasenbeutler, Numbats, Goldene Kurznasenbeutler, Schwarzschwanz-Beutelmarder, Lesueur-Bürstenkängurus und Schwarzpfoten-Felskängurus (siehe Bildstrecke). Auch das Zottel-Hasenkänguru soll wieder ausgewildert werden. Zurzeit lebt diese Art nur noch in Zuchtprogrammen und einem Schutzgebiet im Bundesstaat New South Wales.

Wie die Karnickel

Fleming sieht für die Beuteltiere eine fruchtbare Zukunft im neuen Schutzgebiet voraus: «Wenn man die Füchse und Katzen los wird, vermehren sich diese einheimischen Säugetiere wie die Karnickel.» In einer zweiten Phase soll das Schutzgebiet auf 700 bis 1000 Quadratkilometer vergrössert werden. Dafür werden im Minimum weitere 135 Kilometer Katzenzaun nötig.

Selbst dann wird der Katzenzaun aber bei weitem nicht der längste Zaun Australiens sein. Diese Ehre gebührt dem Dingozaun, der gleichzeitig der längste Zaun der Welt ist. Er schützt die Schafherden im Süden des Landes vor den einheimischen Wildhunden. Er ist 5412 Kilometer lang und wurde bereits 1885 fertiggestellt.

Update 5. Juni: In einer früheren Version dieses Artikels stand, das Newhaven Wildlife Sanctuary befinde sich im Bundesstaat Central Australia. Richtig ist, dass es sich im Gebiet Central Australia im Bundesterritorium Northern Territory befindet.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cat von CH am 04.06.2018 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen!

    Ja, ich mag Katzen ebenso, jedoch ist mir das natürliche Gleichgewicht wichtiger. Hier in der Schweiz /europa,... wirds auch bald so enden. Singvögel, Blindschleichen, etc. Sie alle verschwinden schon jetzt...

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  • Beat am 04.06.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler beheben

    Man sollte die eingefangenen Katzen und Füchse fachgerecht entsorgen. Ebenso die Kaninchen. Sie haben in Australien nichts verloren.

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  • Anton Müller am 04.06.2018 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Fortschritt

    Australien ist viel weiter als wir. müssen sie auch sein! Wer die Katze in der Nacht rauslässt riskiert Strafe. Wieso? Weil Katzen dann jagen und die Wildtiere speziell verwundbar sind

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Afrika Reisender am 05.06.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Fauna

    In meiner 2. Heimat im südlichen Afrika gibt es kein Hauskatzenproblem, die werden dort von der heimischen Flora und Fauna automatisch absorbiert. Gegen Schakale, Geparden, Paviane, Warzenschweine, div. Giftschlangen, etc. haben Hauskatzen keinen Stich.

  • PS;L am 05.06.2018 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch

    Das Selbe gilt auch für die Aga-Kröte... So eine Ansiedlung durch den Menschen war och selten eine gute Idee...

    • Cohle am 05.06.2018 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      Für die Bildung

      Siehe The Simpsons Staffel 6, Episode 16 "Bart vs. Australia". Eine köstlich tiefsinnige Folge. Meine persönliche Lieblingsepisode - Wobei "Der Versager" könnte sie noch übertrumpfen xD

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  • bruno ecuador am 05.06.2018 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    füchse sind schlau

    die füchse graben sich einfach unter dem zaun durch und haben dann einen reichlich gedeckten tisch.

  • TomTom am 05.06.2018 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen zum zweiten

    Und was ist mit dem schädlichsten Lebewesen. Dem Menschen. Tierarten ausrotten zum eigenen Spass und Vergnügen.Ach nein geht nicht wir sind ja zu intelligent.

  • aLmightyPush am 05.06.2018 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wölfe

    Könnten sich die Bauern eine Scheibe abschneiden, die die sich dauernd über Wölfe beschweren.