Wandernde Steine

26. September 2016 13:53; Akt: 26.09.2016 16:33 Print

Autofahrer ruiniert einmaliges Naturwunder

Im Death Valley bewegen sich Felsen wie von Zauberhand und hinterlassen mysteriöse Spuren. Die hat nun ein Autofahrer kaputt gemacht.

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Die Racetrack Playa im Westen des kalifornischen Death Valleys ist ein ganz besonderer Ort: Hier bewegen sich Steine. Und zwar ohne jedes Zutun des Menschen. Deutliche Spuren im - in der Regel staubtrockenen - Untergrund zeugen davon. Ein Stein legte einmal stattliche 880 Meter in einem Monat zurück. Damit das weltweit einmalige Naturphänomen erhalten bleibt, ist das Betreten des Areals bei Nässe untersagt. Denn die Fussabdrücke würden über Jahre erhalten bleiben und das Bild stören. Auch das Nähern mit dem Auto ist verboten. Doch nicht alle scheinen sich an diese Auflagen zu halten, wie Aufnahmen wie diese zeigen. Entdeckt hat die Autospuren der US-Landschaftsfotograf Kurt M. Lawson. Über rund 16 Kilometer ziehen sich die Abdrücke von Autoreifen über das Areal. Stellenweise kreuzen sie sogar die Schleifspuren der Steine. Sie zeigen: Da ist jemand mit Absicht kreuz und quer über die Racetrack Playa gefahren. Und nicht nur das: Irgendjemand - möglicherweise der besagte Autolenker - hat sogar die Initialen «D.K.» in einen der Felsen geritzt. Jahrzehnte rätselten Geologen, warum und vor allem wie die Steine wandern. Erst 2014 kamen US-Forscher dem Geheimnis der Felsen auf die Schliche: Unter bestimmten Bedingungen bildet sich im Tal eine sehr dünne Eisschicht, die in der Morgensonne schmilzt. Windet es dazu ganz leicht, transportieren die schwindenden Eisschichten die Steine immer weiter. Die Geschwindigkeit liegt laut den Forschern bei unter fünf Metern pro Minute.

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So tot, wie man meinen könnte, ist das Death Valley nicht: Im Racetrack Playa, einem ausgetrockneten Seebecken, schieben sich mehrere Hunderte Kilogramm schwere Felsbrocken über den Boden. Und zwar ganz von allein. Einzig lange Schleifspuren künden von den Wanderungen der Steine.

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Um das Phänomen mit eigenen Augen zu beobachten, müssen Besucher weite Wege auf sich nehmen. Oft können sie es trotzdem nur aus der Ferne betrachten. Denn das Betreten des Areals ist bei nassem Untergrund untersagt, das Befahren ist ganzjährig strengstens verboten. Schilder weisen darauf hin.


Die Bewegung der Steine wurde erstmals 2014 beobachtet. (Video: Youtube/Nature Newsteam)

Vandalen am Steuer

Dass diese manchmal nicht beachtet werden, zeigen Aufnahmen von Kurt M. Lawson. Der Landschaftsfotograf hatte eigentlich das Naturphänomen dokumentieren wollen. Doch dann entdeckte er die Spuren der Vandalen.

Über rund 16 Kilometer ziehen sich die Abdrücke von Autoreifen über das Areal. Stellenweise kreuzen sie die Schleifspuren der Steine. Sie zeigen: Da ist jemand mit Absicht kreuz und quer über die Racetrack Playa gefahren.

Grosses Entsetzen

Und nicht nur das: Irgendjemand – möglicherweise der besagte Autolenker – hat sogar die Initialen «D.K.» in einen der Felsen geritzt. «Ganz üble Menschen müssen das gewesen sein», kommentiert Lawson das Gesehene auf dem Blog PetaPixel. «Es ist extrem frustrierend, so etwas zu sehen», klagt ein Nationalpark-Mitarbeiter gegenüber dem «Las Vegas Review-Journal». Man gehe der Tat nach, sagt der Parkmanager. Und man überlege, wie die Spuren beseitigt werden könnten.

Über Jahrzehnte rätselten Geologen, warum und vor allem wie die Steine wandern. Doch erst 2014 kamen Forscher um Richard Norris von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien, dem Geheimnis der Steine auf die Schliche.

Wind und Eis in der Wüste

Mithilfe von Videoaufnahmen gelang es ihnen nicht nur, erstmals überhaupt die Bewegungen der Steine zu dokumentieren, sondern auch die Ursache dafür zu ergründen.

So zeigten die Bilder, dass sich in kalten Nächten dünne Eisschichten bilden, die in der Morgensonne schmelzen. Geht gleichzeitig ein Lüftchen von mindestens Windstärke 3 (schwache Brise), setzen sich die Steine auf dem schwindenden Eis in Bewegung, schrieben die Forscher im Fachjournal «PLOS One». Die Geschwindigkeit der Steine liegt demnach bei unter fünf Metern pro Minute.


Von wegen Geisterhand: Schmelzende Eisschichten treiben die Felsen weiter. (Video: Youtube/Scripps Oceanography)


So läuft die Wanderung der Steine ab. (Video: Youtube/Scripps Oceanography)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Roth am 26.09.2016 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Beruhigend

    ich dachte schon, dass die Psychopaten aussterben und die menschliche Rasse aus der Erfahrung lernend intelligenter wird. Bin beruhigt, dass sich nichts ändert.

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  • Mutter Natur am 26.09.2016 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Faktor Mensch

    Menschen sind einfach total widerlich! Es gibt zum Glück ausnahmen, aber leider nur sehr wenige.

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  • Urs am 26.09.2016 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    respektlos

    Einfach traurig wie die Menschheit mit der Natur umgeht. Sie wird sich rächen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Gross am 26.09.2016 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    graf herzog

    hat schon stil sich mit der zerstörung eines naturwunders zu verewigen.

  • Flöru S. am 26.09.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow suuper...

    Bitte sofort alles abriegeln sperren mit Bussen auferlegen -denn es hat sich ein Stein bewegt...

  • Dr House am 26.09.2016 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Mein Entsetzen hält sich in Grenzen. Es ist zwar Schade aber es gibt weit Wichtigeres was schützenswert ist

  • thomas am 26.09.2016 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ja man müsste nur 1 Person befragen, doch diese hat den Raum leider schon verlassen.

  • hubert fischli am 26.09.2016 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DK

    D.K steht bei autofans oft für Drift King... Müssen also nicht unbedingt initialen sein.