Herzige CO2-Schleudern

10. August 2017 19:40; Akt: 10.08.2017 19:46 Print

Babys sind süss – und die schlimmsten Klimakiller

Weniger fliegen, das Auto stehen lassen und öfter auf Fleisch verzichten: Das ist gut fürs Klima. Noch besser ist es aber, den Kinderwunsch ad acta zu legen.

Bildstrecke im Grossformat »
Laut einem schwedisch-kanadischen Forscherteam ist Verhütung die wirksamste individuelle Massnahme zur Bekämpfung des Klimawandels. Denn so herzig Kinder auch sind: ... Sie sind auch die grössten Klimakiller, wie es in den «Environmental Research Letters» erschienenen Studie heisst. Demnach bedeutet jedes nicht in die Welt gesetzte Kind eine CO2-Einsparung von 58,6 Tonnen im Jahr. Ebenfalls empfehlenswerte individuelle Massnahmen, mit denen sich der Kohlendioxidausstoss deutlich verringern würde, sind: der Verzicht auf Fleisch (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 0,8 Tonnen) ... ... auf Flugreisen (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 1,6 Tonnen), ... ... und Privatautos (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 2,4 Tonnen). Diese Massnahmen sind laut den Forschern für den Klimawandel deutlich effektiver als die von Behörden in den USA, Kanada, Australien und Europa empfohlenen Strategien. So sind beispielsweise der Einsatz von Energiesparlampen und gewissenhaftes Recycling vier- bis achtmal weniger wirksam als eine vegetarische Ernährung. Wenig begeistert von den Empfehlungen seiner Kollegen zeigt sich Geobiologe Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin. Es sei eine faule Ausrede, die Überbevölkerung als Hauptgrund für den Klimawandel auszuweisen, nur um nichts dagegen tun zu müssen. Einig ist man sich dagegen, dass der Klimawandel bereits in vollem Gange ist, wie die folgenden Bilder zeigen. Geht die Erwärmung der Erde ungebremst weiter, werden extreme Unwetter mit schweren Stürmen und Überschwemmungen häufiger auftreten, warnen Klimaforscher. (Im Bild: Hurrikan Matthew wütet in Port-au-Prince, Haiti, Oktober 2016) Zum einen werden die feuchten Regionen der Erde immer feuchter. (Im Bild: Überschwemmungen in Queensland, Australien, April 2017) Zum anderen drohen den trockenen Gebieten Dürreperioden mit verheerenden Folgen. (Im Bild: hungerndes Kind in Somalia, März 2017) So wächst etwa die Gefahr von Waldbränden. (Kalifornien, September 2016) Auch die Landwirtschaft gerät unter Druck – vor allem in Entwicklungsländern, aber auch in der westlichen Welt. (Im Bild: verdörrtes Feld in Kalifornien, Juli 2016) Auf Klimaveränderungen reagieren Tiere, Pflanzen und Menschen empfindlich. Hitzewellen beeinträchtigen Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Besonders Kinder, Alte und Kranke müssen gesundheitliche Folgen fürchten. So erhöhen milde Winter zum Beispiel die Überlebensrate von Krankheitsüberträgern wie Mücken, Zecken oder Wanzen. Mit der Zunahme heisser Tage erhöht sich unter anderem die Konzentration von Ozon und Feinstaub in der Luft. (Im Bild: Smog über Santiago de Chile, Juni 2011) Flugpassagiere müssen sich auf immer mehr Turbulenzen gefasst machen. Die US-Luftfahrtbehörde stellte in der Zeit von 1982 bis 2003 eine Verdoppelung schwerer Unfälle durch Turbulenzen fest. In Zukunft dürften es noch mehr werden. Der Grund dafür liegt in der Stratosphäre: Dort sorgen Treibhausgase für Temperaturveränderungen, die wiederum Luftströme zwischen verschiedenen Schichten beschleunigen. Führen diese unregelmässigen Strömungen zu Turbulenzen, können Kräfte entstehen, die auch eine grössere Passagiermaschine wie ein Spielzeug durch die Luft wirbeln. Menschen entwickeln vermehrt Allergien. Aus Sicht von Forschern der Universität Wien wachsen zum Beispiel Ambrosia-Pflanzen bei Wärme besser. Ihre Pollen lösen besonders oft Heuschnupfen aus. Die Pollensaison insgesamt hat sich schon deutlich Meeresspiegel: Die Erderwärmung lässt Gletscher und das Eis der Pole schmelzen. (Bild: Abgelöste Eisschollen in der West-Antarktis, September 2016) Steigt der Meeresspiegel immer weiter an, sind die Inseln und Atolle der Malediven zum Beispiel Schätzungen zufolge in rund 100 Jahren überflutet. (Im Bild: Zerstörter Ort auf dem Mulaku-Atoll, Januar 2005) Aber auch in näherer Umgebung der Schweiz sind dramatische Folgen zu befürchten: Umweltschützer warnen etwa für die Nordseeküste, dass Wattflächen, Salzwiesen und Inseln dauerhaft überschwemmt werden könnten. (Im Bild: Hochwasser, Hallig Hooge, Januar 2007) Die Meereisdecken an den Polen waren im März so klein wie nie in einem solchen Monat seit Beginn der Messungen 1981. Das teilten Nasa und die Klimabehörde NSIDC mit. Das Arktiseis am Nordpol gehe seit Jahren zurück, am Südpol gebe es hingegen keinen sicheren Trend. Das weltgrösste Korallenriff, das Great Barrier Reef, vor Australien ist nach Expertenmeinung massiv vom Klimawandel betroffen. Forscher schreiben, grosse Teile der Stöcke seien bereits tot. (Im Bild: Das Riff im Mai 2016) Unter normalen Umständen leben Korallen mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Bei erhöhten Wassertemperaturen stossen Korallen die giftig gewordenen Algen allerdings ab. (Im Bild: Das Riff im November 2002) Wegen der wärmeren Wassertemperaturen siedeln sich zum Beispiel in der Nordsee mittlerweile Sardinen, Sardellen und Pazifische Austern an. (Im Bild: Vor Sylt geangelte Austern) Dem kaltwasserliebenden Kabeljau wird es allerdings langsam zu warm – er zieht in nördlichere Gewässer. Die durchschnittliche Nordsee-Temperatur hatte 2016 mit 11,0 Grad den zweithöchsten Wert seit 1969 erreicht. 2014 waren es 11,4 Grad gewesen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auch wenn Donald Trump nicht an den menschgemachten Klimawandel glaubt und das Pariser Abkommen zum globalen Klimaschutz gekündigt hat: Er ist real, die Erwärmung des Klimas hat schon jetzt heftige Auswirkungen.

Umfrage
Glauben Sie der Mensch ist schuld am Klimawandel?
70 %
23 %
7 %
Insgesamt 5875 Teilnehmer

Schuld daran ist in erster Linie der Mensch, wie die Auswertung von mehr als 4000 wissenschaftlichen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 2011 ergab. Deshalb muss auch er es wieder richten.

Verhaltenstipps für den Hauptverursacher

Wie das am besten geht, haben Seth Wynes von der University of British Columbia in Kanada und Kimberly A. Nicholas von der schwedischen Lund-Universität untersucht. Herausgekommen sind vier Massnahmen, mit denen sich der Kohlendioxidausstoss deutlich verringern würde.

Die im Fachjournal «Environmental Research Letters» veröffentlichte Empfehlung lautet: «Vegetarische Ernährung, keine Flugreisen, auf Privatautos verzichten – und weniger Kinder machen.» Diese Aspekte seien für den Klimawandel deutlich effektiver als die von Behörden in den USA, Kanada, Australien und Europa empfohlenen Strategien.

Jedes Kind weniger spart 58,6 Tonnen CO2 ein

Laut der Studie sind beispielsweise Energiesparlampen und gewissenhaftes Recycling vier- bis achtmal weniger wirksam als eine vegetarische Ernährung, mit der ein Mensch pro Jahr 0,8 Tonnen CO2 einsparen könnte.

Mit dem Verzicht auf Flugreisen liesse sich der individuelle Kohlendioxidausstoss jährlich um 1,6 Tonnen verringern, mit dem Verzicht auf ein Auto sogar um 2,4 Tonnen. Am effektivsten ist aber gemäss den Forschern der Verzicht auf Nachwuchs: Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeute eine CO2-Einsparung von 58,6 Tonnen im Jahr.

Dieser Zahl liegt die hochgerechnete Summe aller von einem Kind und seinen Nachkommen verursachten Emissionen zugrunde.


Forscher Seth Wynes gibt Hintergrundinformationen zur Studie. (Video: Environmental Research Letters)

Harsche Kritik

Wenig begeistert von den Empfehlungen seiner Kollegen zeigt sich Geobiologe Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin. In einem Facebook-Post stellt er klar: Es sei eine faule Ausrede, die Überbevölkerung als Hauptgrund für den Klimawandel auszuweisen, nur um nichts dagegen tun zu müssen. Zudem mache nicht die Bevölkerungszahl, sondern der Lebensstil den Unterschied.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ohnestudium am 10.08.2017 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Glückwunsch an die Forscher. Sie haben herausgefunden, dass die Welt ohne uns besser dran wäre.

  • Zweistein am 10.08.2017 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Problem solved

    Wenn wir keine Kinder machen dann haben wir ja in 100 Jahren auch die Hauptuhrsacher aus der Welt geschaffen. Die Menschen

  • Wk-homie am 10.08.2017 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Überbevölkerung ist die Hauptursache vieler Probleme heutzutage. Auch wenn das gewisse Leute nicht gerne hören, aber hier gilt nicht mehr=besser!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 10.08.2017 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät

    Vielleicht hätten sich die Eltern dieser Intelligenzkracher an diesen Vorschlag halten sollen ;)

  • Zweistein am 10.08.2017 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Problem solved

    Wenn wir keine Kinder machen dann haben wir ja in 100 Jahren auch die Hauptuhrsacher aus der Welt geschaffen. Die Menschen

  • Ürsel am 10.08.2017 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Lösung

    Wenn sich der Mensch selbst weg rationiert ist der Natur am besten geholfen!

  • Wk-homie am 10.08.2017 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Überbevölkerung ist die Hauptursache vieler Probleme heutzutage. Auch wenn das gewisse Leute nicht gerne hören, aber hier gilt nicht mehr=besser!

  • Klimakiller am 10.08.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin der schlimmste...

    Ich habe drei Kinder, ein Auto, esse Fleisch und fliege in die Ferien.