Klimawandel

18. Januar 2011 22:37; Akt: 19.01.2011 07:42 Print

Bald gibt es zu wenig Lebensmittel

Eine Studie zur Klimaerwärmung geht davon aus, dass die Temperaturen in zehn Jahren um 1,6 Grad Celsius steigen werden. Der Bedarf an Weizen und Getreide könnte so nicht mehr gedeckt werden.

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Die höheren Temperaturen sorgen ein manchen Gebieten für knappere Ernten: Getreide leidet unter dem Klimawandel besonders. (Bild: Keystone)

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Schon in zehn Jahren wird die Klimaerwärmung zur Verknappung von Lebensmitteln führen, wenn die Treibhausgase weiter wie bisher in die Atmosphäre gelangen. Diesen Schluss zieht ein Bericht der Welt-Ökologie-Stiftung (Fundación Ecólogica Universal).

Steigt der CO2-Eintrag in die Atmosphäre im bisherigen Masse weiter, so werde die mittlere Temperatur im Jahr 2020 um 2,4 Grad Celsius höher sein als zur vorindustriellen Zeit. Dies werde etwa bei Weizen dazu führen, dass 14 Prozent des Bedarfs nicht mehr gedeckt werden könnten, teilte die US-Sektion der Stiftung in Washington mit.

Durchschnittstemperatur liegt 0,8 Grad über der vorindustriellen Zeit

Heute liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits knapp 0,8 Grad über der vorindustriellen Zeit. In den vergangenen Jahren sei die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre jeweils um 0,5 Prozent gestiegen, argumentiert die Stiftung.

Setze sich dieses fort, werde die Konzentration bis zum Ende des Jahrzehnts 490 Teile Treibhausgase pro Millionen Teile Luft (ppm) erreichen. Diese Konzentration bedeute nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC eine Erwärmung von insgesamt 2,4 Grad über das vorindustrielle Niveau.

Forscher sehen nur bei einer Eindämmung der Erderwärmung auf insgesamt maximal 2 Grad die Chance, dass die Auswirkungen des Klimawandels ein für Mensch und Natur erträgliches Mass nicht überschreiten. Derzeit befinde sich die Erde nicht auf diesem Kurs, betont die Stiftung.

Die Analyse der Stiftung beruht auf Daten des IPCC und anderer Daten der Vereinten Nationen. Sie berücksichtigt die erwarteten regional unterschiedlichen Auswirkungen der Erwärmung ebenso wie den Bedarf der wachsenden Weltbevölkerung.

Zu wenig Regen

Diese wird 2020 etwa 7,8 Milliarden Menschen zählen. Trotz leichter Erntezunahmen wird es für sie in zehn Jahren elf Prozent zu wenig Reis geben und neun Prozent zu wenig Mais. Lediglich Soja wird mit fünf Prozent ein wenig über dem Bedarf liegen, errechneten die Forscher.

Hauptursache dieser Veränderungen werden verringerte Regenfälle sein. Veränderte Niederschlagsmuster werden die Ernten massiv beeinflussen, ob direkt als Regen oder über das Grundwasser - als Quelle für Bewässerung, kommentiert der argentinische Klimatologe Osvaldo Canziani, wissenschaftlicher Berater der Stiftung und früherer Mitarbeiter des IPCC.

Die Veränderungen werden regional sehr verschieden sein: China könnte seine Ernten noch steigern, in Indien dagegen könnte fast ein Drittel der Ernte wegfallen. Die Landwirtschaft im nördlichen Europa könnte steigende Erträge einfahren, die Mittelmeerländer dagegen unter häufigen Dürren und sinkenden Ernten leiden.

Auch Probleme bei Fleisch

Da ein grosser Teil der pflanzlichen Agrarproduktion heute als Tiernahrung dient, wird auch die gesamte übrige Lebensmittelerzeugung in Mitleidenschaft gezogen, falls die CO2- Produktion im bisherigen Masse steigt, warnt der Bericht.

Auswege aus der kommenden Nahrungskrise sehen die Forscher kaum - eine Schlüsselrolle spielten Massnahmen, die Erwärmung zu stoppen. Um die Nahrungslücke zu schliessen, könnte es notwendig werden, in Zukunft mehr Wurzelgemüse wie etwa Kartoffeln und Süsskartoffeln und Pflanzenproteine statt Fleisch zu nutzen.

(sda)