Lampenfieber

18. Februar 2010 21:00; Akt: 18.02.2010 22:21 Print

Barfuss gegen die Angst

von Petra Adamaszek - Arme Joss Stone. Heute steht sie zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen in Zürich auf der Bühne – obwohl sie an Lampenfieber leidet. So sehr, dass sie fürchtet, aus Nervosität zu stolpern. Deshalb singt die junge Britin am liebsten barfuss.

Fehler gesehen?

Auch Alltagsmenschen leiden an Lampenfieber: Angst vor einem Blackout in der Prüfung oder Herzrasen im Bewerbungsgespräch kennen viele. Der menschliche Körper interpretiert öffentliche Auftritte als bedrohliche Situationen und schüttet die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus. Mit Adrenalin schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln werden auf Hochleistung eingestellt. Cortisol dagegen bewirkt, dass sich die geistigen Prozesse im Gehirn verlangsamen und weniger Energie verbrauchen. Der Organismus wäre also bereit zur Flucht. Doch der moderne Mensch kann nicht einfach abhauen, wenn es brenzlig wird.

Besonders Musiker, die mit Auftritten ihr Brot verdienen. Wissenschaftler vermuten, dass mindestens jeder zweite unter starker Bühnenangst leidet. Aber darüber wird kaum geredet. «Lampenfieber ist ein Tabu», sagt eine Cellistin, die lieber anonym bleiben will. «Die Angst vor Fehlern ist quälend. Wer sie aber zugibt, ist weg vom Fenster.»

Deshalb wird an Schweizer Musikhochschulen versucht, das Lampenfieber so zu reduzieren, dass es nicht hemmt, sondern antreibt. So bietet Horst Hildebrandt, Professor für Musikphysiologie in Zürich und Basel, ein psychophysiologisches Bühnentraining an: «Mittels verschiedener Methoden wie mentalem Training und Atemtechniken lernen die Studenten, Probleme zu lösen, sich auf das Spielen zu freuen und musikalisch konstruktiv zu denken», sagt Hildebrandt.

Also liebe Joss Stone: einatmen, ausatmen, einatmen …

«Wissen» in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.