Tektonik

21. März 2011 23:50; Akt: 21.03.2011 23:51 Print

Beben könnte für Tokio verheerend sein

Geologen warnen: Das schlimme Beben vom 11. März in Japan hat die Erdoberfläche verändert. Es hat Druck an einer Verwerfung in der Nähe von Tokio aufgebaut.

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Nach einem starken Nachbeben wurde am 8. April 2011 im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa ein Wasserleck entdeckt. Das Wasser stammt aus dem Becken der Reaktoren 1 und 2, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden. Rund um den Reaktor sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden. Der Meiler ist seit dem verheerenden Erdbeben vom 11. März abgeschaltet. Am 12. März 2011 ruft Japan den atomaren Notstand aus: Im Atomkraftwerk Fukushima 1 kam es möglicherweise zu einer Kernschmelze. Nach Angaben eines Experten des Geologischen Instituts der USA war das Beben vor der Küste Japans das stärkste in der Region seit beinahe 1200 Jahren. Natori City im Nordosten Japans nach der verheerenden Katastrophe. Zerstörte Häuser in Iwaki, nachdem die Tsunami-Welle über die Küste gefegt war. Häuser und Autos wurden durch die Monsterwelle in Kesennuma ins Meer getrieben. In Sendai wurde ein Grossteil des Flughafens überflutet, Autos und Flugzeuge wurden mitgerissen. In Tokio kam es am Abend zum Verkehrschaos. Gestrandete Personen ruhen sich in einer Hotellobby in Tokio aus. Züge und U-Bahnen waren nach dem Erdbeben in der Metropole ausser Betrieb. Eine Strasse in Yakubi wurde durch das Erdbeben massiv zerstört, Autos wurden mitgerissen. Die Tsunami-Welle schüttete den Flughafen von Sendai zu grossen Teilen zu. Die Häuser in der Nähe des Flughafens hielten der gewaltigen Flut nicht stand. Auch Natori City wurde vom Tsunami stark getroffen. Durch das Erdbeben geriet in Ichihara eine Ölraffinerie in Brand. Der Tsunami hat am 11. März 2011 nach einem heftigen Erdbeben der Stärke 8,9 die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu getroffen. Durch den anschliessenden Tsunami wurden Autos, Schiffe und Häuser weggeschwemmt. In Sendai, im Osten Japans, überrollte die Tsunami-Welle ganze Häuserzeilen. Hier verschlingt die Tsunami-Welle Sendai. Ganze Landstriche - wie hier in Sendai - wurden von der massiven Welle überflutet. Durch den gewaltigen Tsunami kippten in Hachinohe City Schiffe, zahlreiche Autos wurden durch die Strassen gespült. In Mito City erdrückte eine eingestürzte Mauer dutzende Autos. Besorgte japanische Touristinnen verfolgen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul über einen Bildschirm die Ereignisse in ihrer Heimat. Eine Frau telefoniert auf den Strassen Tokios, nachdem Bürogebäude im Finanzdistrikt von Japans Hauptstadt evakuiert wurden. Das schwerste Erdbeben seit 140 Jahren hat massive Zerstörung über das Land gebracht. Hier eine Aufnahme aus Soma, Fukushima, im Norden Japans. In Tokios Finanzdistrikt haben sich Notfallteams aufgestellt. Aufnahmen aus der Region Fukushima, rund 200 Kilometer nördlich von Tokio, zeigen das Ausmass der gewaltigen Flutwelle. In Sendai stehen nach dem Erdbeben Gebäude in Flammen. Ein Tsunami hat am 11. März 2011 nach einem heftigen Erdbeben der Stärke 8,9 die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu getroffen. In einer Hafenstadt wurden Autos, Schiffe und Häuser weggeschwemmt. Von einem Helikopter aus wurde der Tsunami gefilmt, der in der Provinz Niata in der Nähe der Stadt Sendai auf Land traf. Der Tsunami führte zahlreiche Trümmer mit. Darunter auch Autos und Schiffe. Sogar Feuer wurden mitgeschwemmt. Kurz darauf rollte bereits ein weiterer Tsunami heran. Nach dem sehr schweren Erdbeben war auch die Millionen-Metropole Tokio betroffen. Eine schwarze Rauchsäule stieg auf. In Ichihara ist ein Treibstofflager in Flammen aufgegangen. Das japanische Parlament in Tokio tagte gerade, als die Erde bebte. Premierminister Naoto Kan (Mitte vorne) war auch dabei. Reporter der Associated Press in Tokio gehen während des Erdbebens in Deckung. Pendler in Tokio gehen zu Fuss entlang den Geleisen.

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Mit dem verheerenden Beben im Nordosten Japans hat sich nach Einschätzung von Geologen die Wahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens für die Hauptstadt Tokio erhöht. Die massiven Erschütterungen vom 11. März hätten die Erdoberfläche verändert und dadurch Druck an einer Verwerfung in der Nähe der japanischen Hauptstadt aufgebaut, sagte Roger Musson vom Britischen Geologischen Institut.

Das bedeute nicht, dass ein ebenso starkes Erdbeben die japanische Hauptstadt treffen werde. Die Struktur der tektonischen Platten und Verwerfungen sei dort eine andere, was ein Beben der selben Intensität wie jenes am 11. März mit einer Stärke von 9.0 unwahrscheinlich macht, sagt Musson.

Doch angesichts der grossen Bevölkerungsdichte - in Tokio und Umgebung leben 39 Millionen Menschen - könnte auch ein schwächeres Beben verheerend sein. «Auch wenn es zum Beispiel eine Stärke von 7.5 hätte, wäre das ernst», erklärt der Seismologe.

Verwerfungen wie jene unter Tokio entstehen dort, wo zwei Kontinentalplatten aufeinanderstossen, auseinandertreiben oder aneinanderreiben.

Kontinentalplatten verschoben

Das Erdbeben vom 11. März habe am Meeresboden einen Graben von 380 Kilometern Länge und 190 Kilometern Breite aufgeworfen, als eine dieser tektonischen Platten sich neun Meter unter eine andere legte, erklärte Eric Fielding vom Jet Propulsion Laboratory der US- Weltraumbehörde NASA.

Das habe zwar Druck an der Bruchstelle abgebaut, ihn aber in den anliegenden Segmenten erhöht - und das könnte ein gefährliches Nachbeben in der Nähe von Tokio auslösen, meint auch Brian Atwater vom Geologischen Institut der USA.

Dies wäre ein gängiges Szenario nach grossen Erdbeben. So folgte etwa drei Monate nach dem Beben und dem Tsunami 2004 vor Indonesien, bei dem etwa 240 000 Menschen starben, ein Nachbeben der Stärke 8.6 etwas weiter entlang der Verwerfung. Auf den wenig bewohnten Nias- Inseln kamen damals rund 1000 Menschen um.

«Aber es ist schwierig zu sagen», sagt Atwater. «Es gibt gute Beispiele, dass ein solcher Druckaufbau zu weiteren Erdbeben führt, aber es gibt auch gute Beispiele dagegen.» Ausserdem könnte sich dieser Druck auch anderswo - und nicht vor Tokio - entladen.

Laufend kämen ausserdem auch neue Informationen herein, sagen zwei Wissenschaftler am Geologischen Institut der USA. Man werde aber vor allem die Verwerfung unter Tokio genau beobachten.

Immer wieder Beben und Tsunamis

Japan liegt im pazifischen «Feuerring» mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Dennoch hätten wenige Geologen bis zum 11. März daran geglaubt, dass Japan ein Erdbeben der Stärke 9 oder höher treffen würde, sagte Andrew Moore vom Earlham College im US-Staat Indiana. Es war das stärkste Beben, das Japan seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren erlebt hat.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Japan in den vergangenen 3500 Jahren immer wieder von solchen kräftigen Erdstössen getroffen worden war. Sandablagerungen weisen darauf hin, dass mehrere Beben bis zu neun Meter hohe Wellen ausgelöst hatten, die auf die nördliche Insel Hokkaido einschlugen, das letzte davon im 17. Jahrhundert.

Auch in Sendai, das am 11. März besonders hart getroffen wurde, existieren ähnliche Ablagerungen. Dort hatte sich zuletzt im Jahr 869 ein Tsunami seinen Weg zweieinhalb Kilometer ins Landesinnere gebahnt und etwa 1000 Menschen getötet.

(sda)