1 Million bedrohte Arten

06. Mai 2019 13:20; Akt: 06.05.2019 13:24 Print

Beispielloses Artensterben gefährdet die Menschheit

Wenn der Mensch sein Verhalten nicht grundlegend ändert, droht ein nie dagewesenes Artensterben – mit fatalen Folgen für jeden Einzelnen.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Welt-Biodiversitätsrats. (Video: 20min)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit der Natur geht es bergab wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Das Artensterben beschleunigt sich. Damit untergräbt der Mensch seine eigene Lebensgrundlage, so die eindringliche Botschaft des Weltbiodiversitätsberichts, der am Montag präsentiert wurde (siehe Video).

Umfrage
Macht Ihnen das Artensterben Angst?

Rund eine Million von insgesamt schätzungsweise acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht; viele könnten bereits in den nächsten Jahrzehnten komplett verschwinden. Mehr als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte, warnt der Weltbiodiversitätsrats IPBES am Montag in einer Mitteilung zum Zustandsbericht der weltweiten Artenvielfalt.

Schwerwiegende Folgen

Das Artensterben beschleunigt sich und der Niedergang der Natur hat ein solches Ausmass erreicht, dass schwerwiegende Folgen für den Menschen wahrscheinlich sind, so die Botschaft des IPBES-Berichts, dessen Kernaussagen am Montag vorgestellt wurden. Drei Viertel der Landfläche und rund zwei Drittel der Meeresfläche der Erde sind demnach bereits signifikant durch den Menschen verändert.

Ursachen für den Verlust an Artenvielfalt und Ökosystemen sind dem Bericht zufolge eindeutig menschliche Aktivitäten. Als Hauptprobleme nennt der IPBES - in absteigender Abfolge - veränderte Land- und Meeresnutzung, direkte Nutzung von Pflanzen und Tieren, Klimawandel, Verschmutzung und invasive Arten.

Übermässige Nachfrage

Dem Verlust an biologischer Vielfalt liege die übermässige Nachfrage nach natürlichen Ressourcen, sowohl insgesamt als auch pro Kopf, zu Grunde, kommentierte Markus Fischer von der Universität Bern, der am Bericht beteiligt war. Dies führe zu einer Übernutzung lokaler Ökosysteme, und gleichzeitig zu immer umfangreicherem weltweiten Handel mit natürlichen Ressourcen, der allerdings derzeit weder nachhaltig sei noch die Vorteile gerecht verteile.

«Die Gesundheit der Ökosysteme, auf die wir und alle anderen Spezies angewiesen sind, verschlechtert sich schneller denn je», sagte IPBES-Vorsitzender Robert Watson gemäss der Mitteilung. «Wir unterhöhlen das Fundament unserer Volkswirtschaften, Existenzgrundlagen, Ernährungssicherheit, Gesundheit und Lebensqualität weltweit.»

«Weitermachen wie bisher» keine Option

Der negative Trend bei Artenvielfalt und Ökosystemen untergrabe zudem den Fortschritt bei 35 von 44 der nachhaltigen Entwicklungsziele der Uno, beispielsweise in den Bereichen Armuts- und Hungerbekämpfung, Gesundheit und Wasserversorgung, hiess es weiter.

Der Bericht macht aber auch Hoffnung: Das Ruder liesse sich herumreissen, wenn ein Richtungswechsel auf allen Ebenen stattfindet, hin zu einer nachhaltigen Nutzung der Natur. Klar sei, dass ein «Weitermachen wie bisher» keine Option sei, sagte Fischer.

Einer der Schlüssel, um die Ausbeutung der Natur aufzuhalten, wäre eine Weiterentwicklung der Wirtschaft und Finanzsysteme über das limitierte Dogma ständigen Wachstums hinaus - hin zu einer globalen, nachhaltigen Weltwirtschaft. Es brauche neue Visionen für eine gute Lebensqualität ohne ständig steigenden Materialverbrauch, sowie eine Senkung von Verbrauch und Verschwendung, erklärte Fischer.

(jcg/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 06.05.2019 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird sich leider nichts ändern

    Solange die Multis mit ihrer Lobbyarbeiten in der Politik so mächtig sind, wird sich leider gar nichts ändern.

    einklappen einklappen
  • Basler am 06.05.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glyphosat und andere Gifte

    Wie wäre es wen wir in der Schweiz schon mal aufhören unsere Felder zu vergiften nur um mehr Geld zu schöffeln. Wird wohl der Bund etwas dagengen haben wie beim 5G Netz

    einklappen einklappen
  • Brigä am 06.05.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Konsum und sein Preis

    Immer mehr Menschen! Immer weniger Naturflächen! Immer mehr Verschmutzungen (u.a. auch Pestizid, Mikroplastik usw.)! Immer mehr Lichtverschmutzung! Immer weniger Einfachheit - muss man alles haben?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wörni am 11.05.2019 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Ich frag mich, wie man auf solche Zahlen kommt. Seit wir PC haben sind Spielereien im grossen Stil möglich. So sind viele Statistiken entstanden und der Realität nicht gerecht. Der Artenschutz ist wichtig, nur sind in der Artenvielfalt auch Veränderungen möglich. Der Schöpfer hat uns auf- gerufen, mit der Schöpfung sorgsam umzugehen.

  • Lystrosaurus am 10.05.2019 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Beispiellos?

    Im Vergleich zur Perm-Trias Grenze ist unser hausgemachtes Massensterben völlig harmlos. Über 90% aller Arten starb damals aus. Stellt euch eine Welt vor die fast nur von Schweinesauriern bevölkert ist, so sah die frühe Trias aus. So ist der Lauf der Natur und wir sind eben auch ein Teil dieses ewigen Wandels. Nach uns die Sintflut, aber was kommt nach der Sintflut? Muss die Welt unbedingt für immer so bleiben wie sie es heute ist? Wäre es denn so schlimm der Natur ihren Lauf zu lassen?

    • I am groot. am 14.05.2019 00:01 Report Diesen Beitrag melden

      Schlimm für wen? Ein Beispiel:

      Wenn Sie auf einem Ast eines hohen Baumes sitzen und eben diesen Ast absägen, dann ist das auch nicht schlimm für den Baum. Sobald Sie genug gesägt haben, stürzen Sie und alles auf diesem Ast in den Tod. Das ist für den Baum natürlich nicht schlimm, aber für ihr Leben halt schon...

    einklappen einklappen
  • Robert am 07.05.2019 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungsexplosion.

    Hätte ich keine AHV, hätte ich stattdessen 6 Kinder, damit ein wenig Hoffnung besteht, dass mir wenigstens eines davon im Alter den Futternapf füllen kann.

  • Erizol am 07.05.2019 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was wir schon alles überlebt haben:

    1925: Weltwirtschaftskrise, keine Vorhersage 1945: Weltkrieg, war katastrophal, (keine Vorhersage) 1970: Warnung vor neuer Eiszeit (wissenschaftlich bewiesene Vorhersagen) 1980: Waldsterben (wissenschaftlich bewiesene Vorhersagen) 2002: Vogelgrippe, tausende werden sterben (wissenschaftlich bewiesene Vorhersagen) 2008: Wirtschaftskrise, machte vielen zu schaffen (keine wissenschaftlich bewiesene Vorhersage) 2010: Klimawandel (wissenschaftlich bewiesene Vorhersage) Merke: wirkliche Krisen wurden nie vorhergesagt.

  • Mike Andrews am 07.05.2019 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Hört Auf

    Hört endlich auf Ressourcen zu verwenden die in unserem Land nicht verfügbar sind. Das heisst wenn es keine Kokosnüsse in der Schweiz gibt dann nimmt man einen Apfel. Wenn es keine Tintenfische in der Schweiz gibt dann geht eine Forelle angeln. Das ist eine grosse Veränderung. Viele Firmen werden dadurch schrumpfen odee verschwinden aber entweder wir machen einen Schritt zurück oder die Tiere und das ganze Ökosystem macht es und die Natur wird zurück schlagen.