Tauender Permafrost

24. Juli 2018 21:56; Akt: 24.07.2018 21:56 Print

Der Biber gestaltet die Arktis rasch um

Lange waren Biber auf dem absteigenden Ast. Doch nun nimmt ihre Zahl wieder zu – auch dort, wo sie früher nicht beheimatet waren. Das hat Folgen.

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Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Nordamerikanische Biber als so gut wie ausgestorben. Doch seither hat sich sein Bestand erholt und er breitet sich wieder aus – auch in Regionen, in denen er früher nie anzutreffen war.

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Selbst in der Tundra im Westen und Nordwesten Alaskas und im Nordwesten Kanadas ist der Nager heute anzutreffen. Etwas, was laut einem deutsch-amerikanischen Forscherteam auf den Klimawandel zurückzuführen sein dürfte. Schliesslich habe sich die Arktis seit Ende des 19. Jahrhunderts um 1,8 Grad erwärmt.

Dadurch ist sie grüner geworden, entlang der Gewässer breiten sich Bäume und Sträucher aus und die Flüsse frieren nicht mehr so tief zu. Aus Sicht des Bibers sind das erfreuliche Nachrichten.

Unterstützung aus dem All

Laut den Forschern der University of Alaska in Fairbanks und dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) bedeutet das für die Arktis aber nichts Gutes. Die Polarforscher hatten mithilfe von Satellitenbildern ein gut 18'000 Quadratmeter grosses Gebiet im Nordwesten Alaskas untersucht.

«Auf Satellitenbildern kann man die Aktivitäten von Bibern recht gut erkennen», sagt Ingmar Nitze vom AWI in einer Mitteilung. Wer die nötige Erfahrung habe, sehe schon an der Form eines Gewässers, ob es das Werk eines Bibers sei.

56 neue Seen in 15 Jahren

Die Aufnahmen aus dem All offenbarten, dass die Tiere dort zwischen 1999 und 2014 insgesamt 56 neue Seen angelegt haben. Offenbar dringen die Biber entlang der Küsten und der grösseren Flüsse vor und kommen im Schnitt etwa acht Kilometer pro Jahr voran. «In 20 bis 40 Jahren könnten die Tiere geeignete Gewässer im ganzen arktischen Alaska besiedelt haben», erklärt Nitze.

Diese Entwicklung bereitet den Forschern Bauchschmerzen, denn die Nager dürften die dortigen Fliessgewässer zunehmend in Seelandschaften mit Flussabschnitten und Feuchtgebieten verwandeln. Hinzu kommt, dass die aufgestauten Biberseen und auch die unterhalb davon gelegenen Flussabschnitte wärmer sind als andere Gewässer der Region.

Klimawandel schlimmer als Biber

Von den wärmeren Wassertemperaturen profitieren laut den Forschern zwar einige Pflanzen- und Tierarten, doch für den Permafrostboden, der normalerweise bis in eine Tiefe von etlichen hundert Metern dauerhaft gefroren ist, bedeutet das nichts Gutes.

Denn wie schon der Klimawandel tragen auch die Biber mit ihren Aktivitäten ihren Teil dazu bei, dass der eisige Boden verstärkt auftaut und vermehrt Treibhausgase und auch prähistorische Viren freisetzt sowie instabil wird. «Unter und neben ihren Seen wird der Permafrost verstärkt verschlechtert», sagt Nitze.

Das sei allerdings kein Grund, die Nager zu bekämpfen. «Das Hauptproblem der Arktis und ihrer Böden ist der Klimawandel – und nicht der Biber», sagt der Forscher.



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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nachdenklich am 24.07.2018 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    evolution

    der mensch hat sich mutter erde einverleibt, versucht zu regulieren und zämen und sah nicht, dass er das grösste übel für die natur wurde. bei allem wissen und forschen, erkennen wir das grosse und ganze nicht. aufhalten lässt sich diese entwicklung nicht.

  • lt am 25.07.2018 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nagersteuern

    Wusste ich es doch. Nicht das autofahren sonder der Biber ist schuld an der weltweiten Erwärmung. Man sollte Steuern für Biber in erwägung ziehen!

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  • Urglarner am 24.07.2018 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal eine GUTE Nachricht

    Dem Klimawandel sei Dank! Die Süsswasserreserven werden endlich wieder grösser und selbst die Artenvielfalt (prähistorische Viren) nimmt wieder zu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mary J am 25.07.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wertvoll

    Schade sieht man meistens nur die Schäden die die Biber "anrichten", jedoch sind die von ihnen gestalteten Gegenden sehr reich an Leben, neue Lebensräume entstehen, das ist wertvoller als ein Baum oder ein See der einem nicht in den Kram passt!

  • BlinderMensch am 25.07.2018 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Immer böser Klimawandel

    Oh, das heisst der Klimawandel schafft neue Lebensräume? Och wie schlimm, dann können wir den Biber doch nicht ausrotten!

  • Heidi Heidnisch am 25.07.2018 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prähistorische Viren

    Der antikapitalistische Virus Antibörsus Paläontologikus wird wieder auftauen. Bin ich froh, dass ich das noch erleben darf. Danke ihr Biber.

  • Balsani am 25.07.2018 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    S. V

    Warum versucht der Mensch immer seine Schuld abzuwenden.. es nicht der Biber.. er macht kein Ozonloch!!!! Nein ich glaube das mehr Seen macht, weil er durchs Viele Eis dass zum schmelzen kommt unmöglich wäre dem Wasser seinen lauf zu lassen. Er fällt zwar Baume und macht Staudämme, aber so wie schlinm wie der Mensch( zerstörer ) die Welt zugrunde richtet mot allem zu zusammen! traurig, traurig!

  • Mann28 am 25.07.2018 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Je mehr Grün und weniger Eis desto mehr CO2 wird absorbiert. Jetzt müsste nur der Mensch den Ausstoss stark reduzieren, Wälder aufstocken und das Problem löst sich von selbst. Danke lieber Biber dass du versuchst die Welt zu retten!

    • MAry J am 25.07.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      Halbwahrheiten

      naja, nicht ganz, das Eis hat auch CO2 eingeschlossen, Wasser absorbiert auch CO2, deshalb sind die Ozeane ja übersäuert!!

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