737 MAX

19. Mai 2019 06:54; Akt: 19.05.2019 06:54 Print

Boeing räumt erstmals Fehler bei Software ein

Über 300 Menschen sind gestorben, als zwei Maschinen des Typs 737 MAX abgestürzt waren. Nun spricht der Flugzeugbauer von Fehlern.

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Der US-Flugzeugbauer Boeing hat erstmals Fehler bei der Flugsimulationssoftware für seine Maschinen vom Typ 737 MAX eingeräumt. Boeing habe Korrekturen am Programm vorgenommen und die Nutzer darüber informiert, teilte das Unternehmen der Nachrichtenagentur AFP mit.

Boeing kämpft derzeit um eine erneute Zulassung der Maschinen. Mit den Änderungen an der Software solle sichergestellt werden, dass die Flugsimulation «repräsentativ für verschiedene Flugbedingungen» sei, hiess es in einer E-Mail an AFP. Mit der Mitteilung räumte Boeing erstmals ein, dass es einen Konzeptionsfehler in einer Software zu den Maschinen vom Typ 737 Max gab.

Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörde

Mit der Software sollen Piloten für die neuen Boeing-Modelle ausgebildet werden, von denen in den vergangenen Monaten zwei Maschinen abgestürzt waren. Die inzwischen vorgenommene Änderung betrifft dem Unternehmen zufolge die Bedienung eines nur selten verwendeten manuell bedienbaren Steuerrads, mit dem der Flugwinkel der Maschine verändert werden kann.

Boeing teilte nicht mit, wann das Problem mit der Simulationssoftware aufgefallen war und ob die zuständige Regulierungsbehörde darüber informiert worden ist. Das Unternehmen versicherte allerdings, dass es bei den Veränderungen an der Software eng mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeite, um sicherzustellen, dass das Pilotentraining ungehindert fortgesetzt werden könne.

Nicht für kritische Situationen

Boeing zufolge war die Flugsimulationssoftware nicht in der Lage, bestimmte Flugbedingungen zu simulieren, die denjenigen ähneln, die bei dem Absturz einer 737-MAX-Maschine von Ethiopian Airlines im März in Äthiopien oder einer Lion-Air-Maschine des selben Typs im Oktober in Indonesien herrschten. Bei den beiden Unglücken waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen.

Nach den beiden Abstürzen wurde ein weltweites Flugverbot für 737-MAX-Maschinen verhängt. In beiden Fällen steht das speziell für die Boeing 737 MAX entwickelte Stabilisierungssystem MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) im Verdacht, eine verheerende Rolle gespielt zu haben. Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern.

Am Donnerstag hatte Boeing mitgeteilt, dass das Unternehmen ein Software-Update für Maschinen des Typs 737 MAX abgeschlossen habe. Insgesamt seien 207 Flüge mit einer Gesamtdauer von 360 Stunden mit dem aktualisierten Stabilisierungssystem MCAS geflogen worden. Bevor die 737 MAX den Flugbetrieb wieder aufnehmen kann, muss die US-Luftfahrtbehörde FAA einer Wiederzulassung zustimmen. US-Fluggesellschaften rechnen damit, dass die Maschinen ab August wieder abheben dürfen.

Flugaufsichten uneins

Die Fluggesellschaft Southwest Airlines, mit 34 737-MAX-Maschinen in ihrer Flotte ein grosser Abnehmer des Flugzeugtyps, teilte AFP mit, sie rechne für Ende des Jahres mit der neuen Software. American Airlines erklärte, sie habe einen 737-MAX-Flugsimulator bestellt, der voraussichtlich im Dezember geliefert werde. Wegen der andauernden Ermittlungen zu den beiden Flugzeugabstürzen suche die Fluggesellschaft in Abstimmung mit der FAA aber nach zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten.

Laut FAA-Daten gibt es in den USA nur einen einzigen Flugsimulator, der speziell auf Flüge mit der 737 MAX vorbereitet, und dieser ist im Besitz von Boeing. Aus Branchenkreisen hiess es, ansonsten habe nur Air Canada einen solchen Simulator. US-Fluggesellschaften bilden ihre Piloten an Simulatoren für die 737 NG, einem Vorgängermodell der 737 MAX, für den neuen Maschinentyp aus. Die 737 NG verfügt allerdings nicht über das MCAS-System.

Die FAA hält ein Training an Flugsimulatoren nicht für unbedingt notwendig. Die Piloten sowie die kanadische Luftfahrtbehörde sehen das hingegen anders. Die FAA wird am Donnerstag bei einem internationalen Treffen im texanischen Fort Worth versuchen, die Aufsichtsbehörden aus anderen Ländern von der Verlässlichkeit des Zulassungsverfahrens bei der überarbeiteten 737 MAX zu überzeugen.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonja Mettler am 19.05.2019 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe wo?

    Wo bleiben hier die Milliarden-Strafen durch US-Aufsichtsbehörden - wie im Dieselskandal (was gerechtfertigt war)?

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  • giorgio1954 am 19.05.2019 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so einfach?

    So einfach ist das heute? Ah sorry, war nur ein kleiner Fehler in der Software, wir beheben das bei der nächsten Lieferung. Hoffe sie bekommen noch eine gesalzene Rechnung von der Klägern US-like.

  • Marco C. am 19.05.2019 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    War seit langem bekannt

    Es war eine fahrlässie Softwareprogrammierung, also schlamperei! Für mich ist Boeing immer noch nicht vetrauenswürdig...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobi94 am 20.05.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    (False) Uncle Sam

    Wäre mal gespannt ob für die besagten Unfälle irgendwann ein Schuldspruch fallen wird wie z.B Seilbahnunglück Riederalp bzw. VW-Skandal... würd nicht überrascht sein wenn Unfallserie Boeing 737 MAX 'verjährt' würde und die verstorbenen 300 Opfer nie zu ihrem Recht kommen werden. so will es schliesslich Uncle Sam.

  • Phil Krill am 20.05.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... FAA ...

    ... Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde FAA - das ist in der Basis schon nicht gut. Die FAA muss unbefangen agieren und entscheiden können. Sonst ist es wie: "mitgegangen ist mitgefangen" ...

  • Ronny C. am 20.05.2019 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das wars mit der 737

    Wenn etwas "augmented" werden muss, stimmt ja grundsätzlich etwas nicht. Boeing hat die super stabile 737 mittlerweile offenbar so verbastelt, dass die Kiste mit Software stabilisiert werden muss. Was bei Kampfjets Sinn macht, wirft bei Passagierflugzeugen Fragen auf. Offenbar hat man nicht nur die Kosten für eine saubere Entwicklung eingespart, sondern auch bei der Software und den AoA-Sensoren. Früher oder später kommt die dritte 737 MAX runter und dann wird das Image nachhaltig ramponiert sein. Denke den Flugzeugtyp wirds nicht mehr so lange geben.

  • Alternative für die Schweiz am 19.05.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliches Game

    Wurde auch langsam Zeit! Krasses Missgeschick!

    • Realist am 21.05.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alternative für die Schweiz

      Zu optimistisch! Typisch USA und Schummeleien, nett ausgedrückt. So sind die lieben "möchtegerne" Weltherrscher! Der Fehler ist seit 2017 bekannt!

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  • Realist am 19.05.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrottware made in USA

    2017 war der Fehler Boeing bereits bekannt! Jetzt sprich das Unternehmen erstmals von Fehlern? Wie war das mit GM ein Zündschlossfehler (Feder zu schwach) war drei bis vier Jahre bekannt. Der Fehler wurde nach 147 Toten erst bekanntgegeben! Wären diese "Buden" nicht staatlich geschützt, wären sie längst pleite!

    • Brösmeli am 20.05.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Zündschlossfehler 147 Tote? Die noch optimistischsten Studien gehen von 10 tausenden von Toten aus wegen Diesel-Ausstoss! Die USA war nie Supporter von Diesel und Pionier beim Katalysator!

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