Viel befallenes Holz

06. Februar 2019 10:33; Akt: 06.02.2019 14:34 Print

Borkenkäfer-Invasion erreicht kritisches Mass

Der Borkenkäfer ist in der Schweiz weiterhin auf dem Vormarsch. Die Menge des befallenen Holzes steigt dramatisch an.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Borkenkäfer hat sich wegen des teils stürmischen und trockenen Wetters im vergangenen Jahr besonders gut gehalten. Die Menge des vom Buchdrucker befallenen Fichtenholzes verdoppelte sich. Experten geben keine Entwarnung – im Gegenteil.

Laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL setzt der Borkenkäfer seinen Vormarsch fort. Mit schweizweit 735'000 Kubikmetern erreichte die befallene Holzmenge 2018 den höchsten Stand seit 2006. Die Ergebnisse der Umfrage in allen Schweizer Forstrevieren wurden am Mittwoch veröffentlicht.

Der Befall nahm in allen Kantonen auf der Alpennordseite im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Besonders aus dem Mittelland, dem Jura und der Ostschweiz meldeten die Forstdienste eine starke Zunahme der Käferholzmengen. Im Extremfall stieg die befallene Holzmenge im Vergleich zum Vorjahr bis um das Zwölffache an.

Idealer Wettermix für Käfer

Die Käfer profitierten im vergangenen Jahr vom ausreichend zur Verfügung stehenden Brutmaterial: durch Sturm und Trockenheit geschwächte Fichten. Im Winter 2017/2018 hatten mehrere Stürme zehntausende von Bäumen umgeworfen oder gebrochen.

Im Frühling stieg dann die Temperatur markant an, und im Sommer sorgten schliesslich die anhaltende Regenarmut und Hitze für extrem trockene Verhältnisse. Diese Kombination machte zahlreiche Fichten anfällig für Borkenkäfer und bot diesen Nahrung und Lebensraum im Überfluss.

Viele Käfer überwintern

Dank der hohen Temperaturen konnte der Buchdrucker in den Tieflagen statt der üblichen zwei sogar drei Generationen anlegen. Die überwinternde Käferpopulation ist dadurch grösser als in früheren Jahren, wie das Institut WSL weiter schreibt.

Sollte das Jahr 2019 erneut sehr warm und trocken werden, dürfte die Situation kritisch bleiben. Auch ohne neue Extremereignisse wie Stürme oder Trockenperioden befinden sich in den Waldbeständen weiterhin zahlreiche geschwächte, bruttaugliche Fichten aus dem Vorjahr.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass liegen gelassenes totes Holz den Borkenkäfer fördert, gedeihen die Käfer nur auf frisch abgestorbenen Fichten, und dies in der Regel nur im ersten Jahr nach deren Tod.

Beobachten und handeln

Damit sich die Lage nicht weiter zuspitzt, empfehlen die Experten, den Borkenkäfer frühzeitig zu bekämpfen. Das heisst: Neu befallene Fichten müssten rechtzeitig, also bevor die nächste Käfergeneration ausfliegt, gefällt und aus dem Wald abgeführt oder entrindet werden.

Vor allem Waldbestände, in denen schon 2018 zahlreiche stehende Fichten von Borkenkäfern befallen wurden, sollten ab April regelmässig beobachtet werden. Dies betrifft vor allem von Sturm heimgesuchte Gebiete, der Sonne ausgesetzte kritische Waldränder und im Vorjahr von Käfern befallene Fichtengruppen.

(kat/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nichtsneues am 06.02.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    wer hätte das gedacht...

    Das war schon ein Thema in meiner Lehre 1997.. danach lies man extra alle abgeschnitten Pflanzen liegen damit sich Tiere besser verbreiten können..ein Hoch auf unsere Grünen Ökologen... Gratuliere ..fehlt nur noch die Zecken melden wir immer... und das Februar sehr kalt ist BRR...

  • Chlistu Diere am 06.02.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor der eigenen Tür ...

    ... wischen. Guter Ansatz das problem ist nur das in den vergangenen Jahren zu viel Holz im Wald gelagert wurde mit Rinde. Wenn der Bund gute Ratschläge herausgibt sollte er sie auch selber einhalten, die gelten auch für Staatswald nicht nur für private.

    einklappen einklappen
  • Kurt N. am 06.02.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Och nein

    Sind die ärmsten Fichten Monokulturen anfällig auf die Käferchen? Lasst uns doch eine neue Borkenkäfer Steuer erheben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rindiger Rudolf am 07.02.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Frage des Masses

    Wenn das kritische Mass erhöht wird, ist wieder alles in Ordnung. Wir müssen nur die Vorschriften ändern.

  • Swissman73 am 07.02.2019 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hatten wir vor 40 Jahren schon...

    ....was kommt als nächstes? Tigermücken? Zecken? Die Kälte oder schon wieder die Wärme...

  • Bäri am 07.02.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gejammer

    1.Es werden nur Rottannen (Fichten) vom Borkenkäfer Befallen.2.Die Waldbesitzer wurden zum nicht mehr Aufräumen Aufgefordert.( Feuerverbot). Die Rendite im Wald ist sehr gering,wegen der Nachfrage von CH-Holz.3 Es wurde mit grossem Truck die jetzige Situation gefördert.(Bussen usw). 4 Und zuletzt das grosse Gejammer,der Amtsschimmel Wiehert....

  • Antonov am 07.02.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir wissen wer es war.

    Wir alle wissen wer den Borkenkäfer ins Land geschleppt hat - die Doppeladler. Beides wieder verpacken und zurückschicken.

    • Rolf Lehner am 07.02.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Antonov

      Wobei die Frage ist, wen schicken wir zuerst und was hilft uns mehr. Fangen wir mal bei den Adler an, so haben wir schon eine grosse Verbesserung, danach erst die sympathischen Käferlein.

    einklappen einklappen
  • A. Bossi am 07.02.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Kein Wunder, dass der Borkenkäfer sich so vermehren kann, wenn man alles Holz so herumliegen lässt. Die Wälder sehen immer mehr vernachlässigt aus. Früher hat man, gerade wegen dem Borkenkäfer, die Wälder rasch aufgeräumt. Doch heute lässt man alles liegen, angelblich, damit die Natur sich selbst entwickeln kann. Das gibt dem Borkenkäfer die Möglichkeit, sich ins unendliche zu vermehren.