Keime

03. Dezember 2018 18:42; Akt: 03.12.2018 18:42 Print

Brillenträger müssen jetzt ganz stark sein

Brillen kommen unserem Gesicht so nah wie sonst kaum ein Gegenstand. Dabei sie sind laut neuer Studie voller Bakterien. Was das für die Gesundheit bedeutet.

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So sauber wie auf diesem Symbolbild sind Brillen so gut wie nie. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Hochschule Furtwangen. Alle 31 untersuchten Gestelle waren mit Bakterien verseucht. Am stärksten kontaminiert seien sie an Stellen mit direktem Hautkontakt wie den Ohrbügeln und dem Nasenpolster gewesen, so Studienleiter Markus Egert. Gemessener Spitzenwert waren 660'000 Bakterien/cm2 auf einem Nasenpolster. Die geringste Erregerdichte fand sich dagegen auf den Gläsern. Am häufigsten identifizierten die Forscher Haut- und Schleimhautbakterien, vor allem der Gattung Staphylococcus. Dabei lag der Anteil an potenziell gesundheitsschädlichen Bakterien bei rund 60 Prozent. Diese können vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem problematisch sein. Weiter fanden die Forscher heraus, dass die Brillen älterer Menschen stärker verkeimt waren als die der jungen, vor allem auf den Gläsern. Fanden sich auf denen der Studenten im Schnitt nur 40 Bakterien pro Quadratzentimeter, waren es bei den Senioren durchschnittlich 230 Bakterien. Doch auch Kontaktlinsen sind nicht unbedingt besser. Weiche Linsen beispielsweise erhöhen das Risiko für eine Pilzerkrankung im Auge. Das Problem: Weil die Pilze oft resistent gegen die verfügbaren Medikamente sind, ist eine Therapie schwierig. Daher lässt dich das Problem oftmals nur durch eine Transplantation der Hornhaut in den Griff bekommen. (Im Bild: Pilzinfektion der Hornhaut) Im schlimmsten Fall muss das betroffene Auge sogar ganz entfernt und durch ein Glasauge ersetzt werden. Zwar ist der Zusammenhang zwischen weichen Linsen und der Entstehung von Schimmelpilzen noch unklar, doch das Risiko lässt sich mit folgenden Tipps reduzieren. Benötigt man die Kontaktlinsen mal nicht, gehören sie in einen Aufbewahrungsbehälter. Dieser sollte aber auf gar keinen Fall der Sonne und grosser Wärme ausgesetzt werden. Sonst fühlen sich Pilze und Bakterien pudelwohl. Aus dem gleichen Grund ist es auch ratsam, die Aufbewahrungs- und die Spülflüssigkeit nicht länger als empfohlen zu verwenden. Auf jeder Packung ist notiert, wie lange man die Kontaktlinsen maximal tragen sollte. Diese Empfehlung ist aus Sicht von Experten unbedingt einzuhalten. Ansonsten finden Erreger und Pilze die perfekten Bedingungen, um zu gedeihen und Schaden anzurichten.

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Zwei Drittel der Schweizer benötigen eine Sehhilfe. Von diesen ziehen rund 43 Prozent die Brille den Kontaktlinsen vor. Doch die ist nicht ganz unproblematisch. Wie Forscher der Hochschule Furtwangen im Fachjournal «Plos One» schreiben, tummeln sich auf dem Nasengestell jede Menge Bakterien.

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Für die Studie hatte das Team um Mikrobiologe Markus Egert Proben von 31 Gestellen genommen – unter anderem vom Rahmen, den Nasenpolstern und den Gläsern. 21 Brillen stammten von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule, zehn von Bewohnern eines Altersheims.

Die Proben übertrugen sie dann auf ein Nährmedium, um die Bakterien wachsen zu lassen. So konnten die Forscher herausfinden, wo sich welche Art Keime in welcher Konzentration ansiedelt.

Harmlose und potenziell gefährliche Keime

Das Fazit von Egert und seinen Kollegen: «Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt. Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie den Ohrbügeln und dem Nasenpolster.» Die geringste Erregerdichte fand sich dagegen auf den Gläsern, wie die Hochschule mitteilt. Gemessener Spitzenwert waren 660'000 Bakterien/cm2 auf einem Nasenpolster.

Am häufigsten identifizierten die Forscher Haut- und Schleimhautbakterien, vor allem der Gattung Staphylococcus. Dabei lag der Anteil an potenziell gesundheitsschädlichen Bakterien bei rund 60 Prozent. Diese Bakterien können vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem Krankheiten auslösen.

Weiter wurden auch Auslöser von Augenerkrankungen wie Bindehautentzündung oder Endophthalmitis (eine ernste Infektion, die häufig einen Verlust des Augenlichts zur Folge hat) gefunden. Von diesen Arten sind auch resistente Varianten bekannt.

Je älter der Träger, desto mehr Keime

Die Wissenschaftler stiessen noch auf einen weiteren Unterschied. So waren die Brillen älterer Menschen stärker verkeimt als die junger Leute. Dies gilt vor allem für die Gläser. Fanden sich auf jenen der teilnehmenden Studenten im Schnitt nur 40 Bakterien pro Quadratzentimeter, waren es bei den Senioren durchschnittlich 230 Bakterien pro Quadratzentimeter.

Eine mögliche Erklärung dafür: Die altersbedingte Sehschwäche der Seniorenheimbewohner fördert die Verkeimung der Gläser, weil sie diese seltener reinigen. Dies, weil ihnen Fingerabdrücke oder ähnliche Verschmutzungen auf den Gläsern weniger auffallen.

(fee)