Neurobartonellose

09. April 2019 20:38; Akt: 09.04.2019 20:38 Print

14-Jähriger glaubt, dass ihn seine Katze töten will

von Fee Riebeling - Die ersten Jahre seines Lebens fällt der 14-Jährige nie negativ auf. Doch dann leidet er plötzlich an Wahnvorstellungen und hat Mord- und Suizidgedanken.

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Im Oktober 2015 änderte sich für einen 14-Jährigen aus den USA alles: War er vorher noch ein Sechser-Kandidat in der Schule, war er plötzlich verwirrt, überfordert und dachte, ein Sohn des Teufels zu sein. Die konsultierten Ärzte vermuteten eine Schizophrenie und behandelten ihn dagegen. Doch bald ging es dem Jungen noch schlechter. Er litt an Panikattacken und Halluzinationen. Einer Katze der Familie unterstellte er, ihn töten zu wollen. Mithilfe verschiedenster Medikamente versuchten seine Ärzte, die Probleme des Buben in den Griff zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Auch Untersuchungen des Gehirns und des Nervensystems brachten sie nicht weiter. Dann tauchte auf der Haut des Teenagers eine Maserung auf, die an Schwangerschaftsstreifen erinnert und typisch für Neurobartonellose ist, eine sehr seltene Nervenerkrankung. Ausgelöst wird diese durch das Bakterium Bartonella henselae, das – wie im Fall des Jungen – von Katzen übertragen wird. (Im Bild: Bartonella henselae in der Herzklappe eines Menschen; dunkle Partikel) Die Ärzte verschrieben dem inzwischen 16-Jährigen ein Antibiotikum, das jedoch nicht wirkte. Erst die Gabe weiterer Präparate – insgesamt waren es in den zwei Jahren 27 unterschiedliche Medikamente – vertrieb den Erreger aus seinem Körper. Inzwischen ist der Junge geheilt. Auch Gemma Birch machte schlechte Erfahrungen nach der Begegnung mit einer Katze: Nachdem sie in den Portugal-Ferien ein streunendes Büsi gestreichelt und gefüttert hatte, landete sie zunächst im Spital und ... ... dann für 14 Monate im Rollstuhl. Die heute 24-jährige Bloggerin hatte sich mit Bakterien der Gattung Campylobacter infiziert, was bei ihr das Guillain-Barré-Syndrom auslöste, eine Nervenkrankheit. Gemmas Ärzte vermuten, dass sie sich beim Streicheln und Liebkosten der Katze infiziert hat. Diese wiederum dürfte die Bakterien beim Streunen im Müll aufgegabelt haben. Die Campylobacter-Bakterien tauchen häufig in Zusammenhang mit rohem beziehungsweise nicht durchgebratenem Poulet auf. In der Schweiz werden sie meist in der Fondue-chinoise-Saison zum Thema, denn dann kommt das Poulet roh auf den Tisch. Doch es gibt auch andere Übertragungsarten, wie der Fall von Per Stubban und seinen Freunden zeigt. Nach seiner Teilnahme am Trans-Østerdalen-Mountainbike-Rennen in Norwegen plagten sie Fieber, heftige Magenschmerzen sowie heftiger Durchfall. Erst im Nachhinein zeigte sich, dass eine Gruppe von Schafen den Durchfallerreger zu den Sportlern gebracht hatte. Die Schafe hatten auf einer Strecke, die auch die Radler während des Rennens passierten, ... ... ihr Geschäft gemacht. Der Kot war wohl mit Campylobacter-Bakterien verunreinigt gewesen. Der darauffolgende Regen weichte den Kot auf. Als dann die Biker darüber fuhren, spritze nicht nur das Regenwasser nach oben, ... ... sondern auch mit Erregern verunreinigte Fäkalienrückstände. Das Gemisch traf Velo, Hände, Gesicht und Trinkflaschen der Sportler. «Wer dann aus den Flaschen getrunken hat, hat sich so die Keime eingefangen», so der Allgemeinmediziner Tor Halvor Björnstad-Tuveng.

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Ausser mit einer depressiven Phase im Alter von neun Jahren hatte ein 14-jähriger Amerikaner seinen Eltern nie Kummer bereitet. Und selbst diese Phase war nur der Unterforderung geschuldet, die er in der Schule erlebte. Denn die trüben Gedanken verschwanden, als er an eine Schule für Hochbegabte wechselte.

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Alles war wieder gut – zumindest bis zum 15. Oktober 2015, wie es im «Journal of Central Nervous System Disease» heisst. Der Junge zeigte sich verwirrt, überfordert und niedergeschlagen. Dazu gab er an, ein verfluchter Sohn des Teufels zu sein. Er wolle sich das Leben nehmen, um andere vor sich zu schützen. Seine Eltern brachten ihn ins Spital.

Jede Menge Medis, keines hilft

Dort vermuteten die Ärzte eine Schizophrenie und behandelten ihn entsprechend. Eine Woche später durfte der Junge – noch nicht ganz gesund, aber immerhin ohne Todes- und Mordgedanken – wieder nach Hause.

Doch bereits nach ein paar Wochen ging es dem Teenager wieder schlecht. Er litt unter anderem unter Panikattacken und Halluzinationen. Einer Katze der Familie unterstellte er, ihn töten zu wollen. Ausserdem weigerte er sich, das Haus zu verlassen. Die Eltern mussten ihn aus der Schule nehmen. Um besser für ihn sorgen zu können, kündigte die Mutter ihren Job.

Die Ärzte versuchten derweil, die Probleme des jungen Patienten mithilfe verschiedenster Medikamente wie Antidepressiva, Benzodiazepine und Antipsychotika in den Griff zu bekommen. Doch ohne Erfolg, der Junge erholte sich einfach nicht. Auch Untersuchungen des Gehirns und des Nervensystems brachten keinen Aufschluss über die Ursache der Auffälligkeiten.

27 verschiedene Arzneimittel in zwei Jahren

Mehr als ein Jahr nach dem Auftreten der ersten Symptome kam dann der Durchbruch. Auf der Haut des Teenagers zeigte sich eine charakteristische Maserung. Diese erinnert entfernt an Schwangerschaftsstreifen und ist typisch für Neurobartonellose , eine sehr seltene Erkrankung, bei der Bakterien die Nerven angreifen.

Ausgelöst wird diese durch das Bakterium Bartonella Henselae, das – wie im Fall des Jungen – von Katzen durch Bisse und Kratzer übertragen wird.

Die Mediziner verschrieben dem mittlerweile 16-Jährigen ein Antibiotikum, das jedoch nicht wirkte. Erst die Gabe vier weiterer Präparate – insgesamt waren es in den zwei Jahren 27 unterschiedliche Medikamente – vertrieb den Erreger aus seinem Körper. Inzwischen ist der Junge geheilt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moni.I am 09.04.2019 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit

    Hoppla Respekt das ist eine unglaubliche Belastung und Herausforderung für die Eltern.

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  • Gina am 09.04.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katze

    Also hatte er nicht umsonst Angst vor der Katze:)

  • Herr Max Bünzli Lehrer am 09.04.2019 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    der 14-Jähriger Knabe braucht einen sehr guten Arzt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CH am 11.04.2019 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schützt die Tiere vor Menschen

    Sexuelle übergriffe bei Tieren ist hier zu lande keine seltenheit.... lasst euch bitte behandeln.

  • Böse Katze, aber am 10.04.2019 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    saufen, kiffen, rauchen - kein Problem

    Ach so, und das Blut hat man nie untersucht? Es war ja ein Erreger, also etwas, das man "sehen" konnte. Die arme Katze. Jetzt wird wieder jeder Katzenhasser und jede über reagierende Mutter den Kindern den Kontakt zu Tieren untersagen. Was für eine armselige Welt. Was wir täglich einatmen, darüber machen wir uns keine Gedanken. und alle die Zusätze in den Nahrungsmitteln essen wir ohne und jemals eine Frage zu stellen. Es erkranken mehr Jugendliche, weil sie zu viel Kiffen, Rauchen oder saufen, als an Problemen mit einer Katze.

  • Martina am 10.04.2019 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauser

    Meine Katze hat ist eine Wildkatze sie hat mich gebissen und müsste vier Tage in das Spital und beim nächsten Verbandwechsel nochmals in den OP,aber ich liebe ihn doch sehr,und wenn er schwänzeltet höre ich auf ihn zu streicheln,

  • die Ritterin am 10.04.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arzt aufsuchen

    Deswgen: wenn sivh Bisse und Kratzer von Katzen röten oder warm werden, sofort den Arzt aufsuchen. Ich bin selber schon wegen einem Biss im Notfall gelandet.

  • Blutvampir am 10.04.2019 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Nicht das es wegen diesem Artikel noch mehr Katzenhasser gibt(gibt schon genug Geisteskranke) Hatte immer Katzen und nie Probleme...

    • die Ritterin am 10.04.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Blutvampir

      Ich mag Katzen, musste aber trotzdem svhon deswegen in den Notfall.

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