Fisch-Sex

06. Januar 2011 23:00; Akt: 06.01.2011 20:04 Print

Buntbarsche treiben es ganz schön bunt

von Corinne Hodel - Sextechniken und Brutpflege sind bei Buntbarschen äusserst raffiniert – und einzigartig unter Fischen.

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Buntbarsch-Männchen jubeln den Weibchen mittels Eiflecken Spermien unter. (Foto: Dunkelmann/www.buntbarsch.ch)

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Buntbarsche sind eine artenreiche Fischfamilie, die ausschliesslich im Süsswasser der südlichen Erdhalbkugel vorkommt. Walter Salzburger vom Zoologischen Institut der Universität Basel untersucht an ihnen die Entstehung von neuen Arten. Dafür sind diese Fische ideale Forschungsobjekte, weil sie in Sachen Fortpflanzung ein grosses Repertoire an Verhaltensweisen bieten.

So sind etwa 2000 Buntbarsch­arten Maulbrüter: Das Weibchen nimmt die Eier sofort nach dem Legen ins Maul und brütet sie dort aus. Während der Aufnahme präsentiert ihm das Männchen seine Analflosse, auf der eine besondere Zeichnung zu sehen ist: Flecken, die frisch gelaichten Eiern gleichen. Das Weibchen versucht, auch diese Ei­flecken aufzunehmen, worauf das Männchen unbemerkt seine Spermien abgibt und so die Eier befruchtet.

Der Nachwuchs lebt dann bis zu einem Monat im Maul der Mutter. «Die Fische investieren sehr viel in die Brutpflege», weiss Salzburger. Aber genau das nutzen andere Arten aus, zum Beispiel gewisse Welse: Während das Buntbarsch­weibchen seine eigenen Eier aufnimmt, geben die Welsweibchen ihre bereits befruchteten dazu. Danach zieht die ahnungslose Frau Buntbarsch nicht nur den eigenen, sondern auch den fremden Nachwuchs im Maul auf. Und dann das: Sind die Kuckuckswelse stark genug, fressen sie die Buntbarschjungen auf.

Eine andere Gruppe von Buntbarschen hat eine äus-serst spezifische Vorgehensweise entwickelt, um ihre Jungen zu ernähren und gleichzeitig vor Krankheiten zu schützen: Diskusfische, die ihre Nachkommen nicht im Maul aufziehen, füttern diese mit einem Sekret ihrer Haut. Um an die Delikatesse heranzukommen, beissen die Jungen ihren Eltern in die Haut. Bis zu zehn Mal pro Minute. Bis das Sekret fliesst. Es enthält Antikörper, die für die Immunabwehr der Brut überlebenswichtig sind. Somit impfen die Fische ihre Jungen, ähnlich wie Säugetiere dies mit der Muttermilch tun.