Frust bei Eingriff

13. Dezember 2019 20:00; Akt: 13.12.2019 20:14 Print

Chirurgen ärgern sich über Kollegen bei Operationen

Wer auf dem OP-Tisch liegt, hofft auf gut gestimmte Ärzte. Doch die Hoffnung erfüllt sich allzu oft nicht.

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Wer operiert werden muss, hat in der Regel drei Wünsche: dass alles glatt läuft, dass er wieder aufwacht und dass seine Ärzte gut drauf sind. Letzeres ist nicht immer gegeben, ... ... wie eine Studie der Universitäten Neuenburg ... ... und Bern zeigt. Das Team um Sandra Keller, Forscherin am Berner Inselspital, ... ... identifizierte 340 Situationen aus 137 untersuchten chirurgischen Eingriffen, bei denen Fachpersonal im Operationssaal Ärger ausdrückte. Bei der Mehrheit dieser Stressepisoden war es der für die Operation verantwortliche Chirurg, der seinem Ärger auf andere, weniger erfahrene Chirurgen oder den chirurgischen Instrumentalisten Luft machte. «Die am häufigsten beobachteten Auslöser sind Koordinationsschwierigkeiten, die den effizienten und schnellen Verlauf der Operation behindern», schreibt Keller in einer Mitteilung. Anders als oft angenommen, sind es nicht Unterschiede in der Funktionsweise, unbequeme Persönlichkeiten oder zwischenmenschliche Probleme, die Spannungen erzeugen. Vielmehr geht es um Frustration über Hindernisse für den reibungslosen Ablauf des Eingriffs. Die Studie zeigt aber auch, dass die Mitglieder der OP-Teams auf der gleichen Wellenlänge liegen und sie wissen, wie mit Auseinandersetzungen umzugehen ist. «Im Falle von Differenzen werden sie insgesamt sehr ruhig und sehr professionell gelöst», erklärt Keller. Weiter komme es spätestens gegen Ende der Operation oft zu einer Art Wiedergutmachung. So nimmt sich ein Chirurg, der Ungeduld gegenüber den anderen Teammitgliedern gezeigt hat, in der Regel die Zeit, sich bei ihnen für ihre Arbeit zu bedanken.

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In Operationssälen herrscht Harmonie? Das ist nicht so oft der Fall, wie Patienten sich dies wünschen: Immer wieder gibt es Momente, in denen sich vor allem der operierende Arzt ärgert. Das liegt wohl nicht an einer speziell schwierigen Persönlichkeit von Chirurgen, sondern an Koordinationsschwierigkeiten, wie eine Studie der Universitäten Neuenburg und Bern feststellt.

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Das Forschungsteam identifizierte 340 Situationen aus 137 untersuchten chirurgischen Eingriffen, bei denen Fachpersonal im Operationssaal Ärger ausdrückte. Bei der Mehrheit dieser Stressepisoden war es der für die Operation verantwortliche Chirurg, der seinem Ärger auf andere, weniger erfahrene Chirurgen oder den chirurgischen Instrumentalisten Luft machte.

«Die am häufigsten beobachteten Auslöser sind Koordinationsschwierigkeiten, die den effizienten und schnellen Verlauf der Operation behindern», sagte Sandra Keller, Erstautorin der Studie und Forscherin am Inselspital Bern, gemäss einer Mitteilung der Universität Neuenburg vom Donnerstag.

Reibungsloser Ablauf

Anders als oft angenommen, sind es nicht Unterschiede in der Funktionsweise, eine unbequeme Persönlichkeit oder zwischenmenschliche Auseinandersetzungen, die Spannungen im OP-Saal erzeugen. Vielmehr geht es um Frustration über Hindernisse für den reibungslosen Ablauf des Eingriffs.

«Zu diesen auslösenden Faktoren gehören Instrumente, die nicht flüssig an den Chirurgen übergeben werden, oder ein Assistent, der die Sicht des Chirurgen mit Instrumenten verdeckt», so Keller, die früher an der Uni Neuenburg geforscht hat. In geringerem Masse seien auch Faktoren, die die Konzentration des Teams stören, wie Verzögerungen beim Auffinden eines Geräts oder Geräusche im Raum, eine weitere Quelle für Stress.

Die Studie zeigt aber auch, dass die Mitglieder der OP-Teams auf der gleichen Wellenlänge liegen und sie wissen, wie mit Auseinandersetzungen umzugehen ist. «Im Falle von Differenzen werden sie insgesamt sehr ruhig und sehr professionell gelöst», fährt Keller fort. Darüber hinaus gab es bei der Hälfte der untersuchten Operationen keine solchen Stressmomente. Gab es sie doch, blieben sie zeitlich sehr stark begrenzt.

Kein persönlicher Angriff

Hinzu kommt oft eine Art «Wiedergutmachung», spätestens gegen Ende der Operation. So nimmt sich ein Chirurg, der Ungeduld gegenüber den anderen Teammitgliedern gezeigt hat, in der Regel die Zeit, sich bei ihnen für ihre Arbeit zu bedanken.

Spannungen sind daher nicht als persönliche Angriffe auf Teammitglieder zu interpretieren. Meistens zeigen sie einfach nur Frustration über ein Stocken im Ablauf des Eingriffs. Dennoch sollten alternative Strategien trainiert werden, um dem Ausdruck zu verleihen, betont Keller. Dies, um eine Kultur des Respekts für jedes Mitglied des OP-Teams zu bewahren.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T.J. am 13.12.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    Es sind alle nur Menschen und in Stressituationen können auch die gut ausgebildeten Chirurgen nicht immer kühlen Kopf bewaren. Solange der Patient nicht darunter leidet und es am Schluss so eine Art Versönung gibt ist doch alles gut. Vielen Dank an all die Ärzte und Chirurgen die uns das Leben retten/erleichtern. Auch ihr habt Emotionen und das ist voll oke :)

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  • A.W. am 13.12.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trotzdem meine Hochachtung

    Als Nicht-Chirurge kenne ich aber auch Kollegen, die sehr routiniert mit anderen Fachkollegen (nicht mit unerfahrenen Assistenten) routiniert und ruhig zusammen arbeiten. Nicht zu vergessen sind die Neurochirurgen, welche an Kindern bis zu 10 stündige Tumoroperationen durchführen. Enorme Leistungen. Ich möchte als Spezialarzt in der nicht operativen Medizin nicht mit ihnen tauschen. Trotzdem gibt es Leute, die ihnen den höheren Verdienst missgönnen.

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  • ein chirurgischer Instrumentalist am 13.12.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Job wie jeder andere

    Die Arbeit im OP ist eine Arbeit wie jede andere auch! Es ist seehr oft sehr harmonisch und man sieht tagtäglich eine fantastische Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, Anästhesisten und dem Pflegepersonal! Dies funktioniert nur, weil jeder sein Gegenüber wertschätzt und respektiert! Ich arbeite sehr gerne im OP und es macht täglich Freude!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nur so am 15.12.2019 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Freundin

    hat immer Angst dass Piloten schlecht gelaunt sind. Sie hat Angst vor dem fligen!

  • Betty am 15.12.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsichtiger

    Ich bin zum Glück nie krank,höchstens ein kleiner Unfall,werde jetzt vorsichtiger sein,und wenn ich Nacht aufstehe die Augen offen halten,

  • Claudia am 15.12.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Humane Medizin

    Meine Erfahrungen mit Ärzten und Pflegepersonal sind durchwegs positiv. Ich habe viel Hingabe und Empathie erfahren und mich stets gut aufgehoben gefühlt.

  • Jemand am 14.12.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hat viel mit Bildung zu tun

    Ich habe 3 Beispiele in der Familie: 1. Einer meiner Brüder ist Chirurg (viszeral). Der kann Unstimmigkeiten während einer OP sehr gut auflösen. 2. Ich selber bin Pilotin. Auch WIR haben im Cockpit manchmal Querelen. Das geht jedoch immer sehr ruhig vonstatten, man teilt seine Meinung mit und findet eine Lösung. Ruhig. 3. Mein anderer Bruder lebt im Vatikan. Ja, ist so. Auch DIE streiten sich, und wie. Aber auch sie tun das gemässigt und finden ruhig eine Lösung. Ich habe also 3 Situationen, die ich 1:1 erlebe, und jede für sich wird mit Hirn und Anstand gelöst. Es geht nichts über Bildung.

    • Normalverbraucher am 14.12.2019 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Charaktersache

      Habe leider schon mehr als eine(n) "gebildete(n)" Vorgesetzten, und auch andere Menschen in Beruf und Alltag (selbst mich) erleiden müssen, welche schon ab scheinbaren Lappalien ausgeflippt sind. Aber man kann aus solchen Beispielen lernen und sein Auftreten und Verhalten in schwierigen Situationen so in Sachen Problemlösungen trainieren und verbessern. Hat für mich aber keinen direkten Zusammenhang mit dem allgemeinen Bildungsniveau, ist eher Charaktersache. Gehe heute auch Menschen lieber aus dem Weg, welche auf jede Unstimmigkeit aggressiv reagieren und das normal finden.

    • Erfahrener am 16.12.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist Charaktersache...

      ...aber es stimmt schon, wer gebildet ist weiss besser, wie er seinen Charakter in den Griff bekommt.

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  • Nick am 14.12.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts besonderes

    Das gibt es in allen Branchen. Der Klassiker bei mir: Meine Mitarbeiter sollten eine Software entwickeln. Sie melden dann, dass sie fertig seien. Auf meine Frage, ob sie die neuen Funktionen auch ausreichend getestet haben, kommt regelmässig die Antwort "Es müsste funktionieren". Es war aber nicht meine Frage, ob es "müsste" sondern ob sie das getestet haben und was die Resultate sind. Der Unterschied ist ja nicht so schwer zu begreifen. Trotzdem gibt es dann regelmässig Streit. Dann testen sie. Ich frage mich, wieso das nicht ohne vorherigen Streit geht.

    • O.Wotter am 15.12.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      O.Wotter

      Wer glaubt dass Software auch nach Testphasen einwandfrei in der Produktion funktioniert, hat entweder keine Ahnung von IT oder verhält sich absichtlich Ignorant, um dann behaupten zu können "aber sie sagten doch es funktioniert alles". Das erklärt dann auch die Frage wieso es nicht ohne vorherigen Streit geht.

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