Planeten-Entdecker

08. Oktober 2019 16:55; Akt: 08.10.2019 16:55 Print

Dafür haben die Schweizer den Nobelpreis erhalten

von J.-C. Gerber - Mit der Entdeckung des ersten Exoplaneten lösten die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz eine Revolution in der modernen Astronomie aus.

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Mit Michel Mayor und Didier Queloz werden zwei Schweizer Forscher mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Die beiden Westschweizer von der Universität Genf werden für die Entdeckung des ersten Exoplaneten ausgezeichnet. Zur anderen Hälfte geht der Preis an den Kanadier James Peebles für seine Arbeiten zur physikalischen Kosmologie. «Die diesjährigen Preisträger haben unser Verständnis der Geschichte des Universums und unseres Platzes im Weltall revolutioniert», verkündete die Schwedische Akademie am Dienstag in Stockholm. Mayor und Queloz entdeckten 1995 den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist. Der Exoplanet 51 Pegasi b erhielt später den Namen Dimidium, der Stern 51 Pegasi den Namen Helvetios. (Symbolbild) Mayor (r.) und Queloz revolutionierten damit die Astronomie und begründeten das Feld der Exoplanetenforschung. Seit der Entdeckung von 51 Pegasi b, dem von Mayor und Queloz beschriebenen ersten Exoplaneten, sind über 4000 weitere Planeten bei fernen Sternen entdeckt worden. Einige davon sind Gasriesen, wie 51 Pegasi b, andere Gesteinsplaneten wie die Erde. Der Astrophysiker Nicolas Thomas von der Universität Bern verglich die Bedeutung der Entdeckung des ersten Exoplaneten mit Galileo Galileis Entdeckung der Jupitermonde im Jahr 1610. Beide Entdeckungen hätten Revolutionen in der Astronomie ausgelöst. In Kürze soll auch eine ESA-Mission unter Schweizer Leitung starten: Mit dem Cheops-Weltraumteleskop will ein internationales Team um Forschende der Universität Bern bekannte Exoplaneten genauer untersuchen. (im Bild: Ein Modell des Satelliten in der Sternwarte Genf).

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Erstmals seit 1987 geht wieder ein Physik-Nobelpreis in die Schweiz. Michel Mayor und Didier Queloz teilen sich den Preis mit dem kanadischen Kosmologen James Peebles. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen zu den Schweizer Nobelpreisträgern und ihrer bahnberechenden Entdeckung.

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Wofür haben Michel Mayor und Didier Queloz den Nobelpreis erhalten?
Die beiden Astronomen der Universität Genf haben 1995 mit 51 Pegasi b den ersten Exoplaneten entdeckt, also einen Planeten, der sich nicht in unserem Sonnensystem befindet, sondern um einen anderen Stern kreist.

Wie fanden die beiden diesen Planeten?
Sie beobachteten unter anderem den Stern Helvetios (51 Pegasi) mithilfe verbesserter Detektortechnologien, die in den 1980er-Jahren entwickelt wurden. Damit waren sie in der Lage, geringste Schwankungen im abgestrahlten Licht des Sternes zu erkennen. Das heisst, sie konnten beobachten, dass sich der Stern geringfügig verdunkelte, wenn ein Planet vor ihm vorbeizog, wie Nicolas Thomas, Astrophysiker an der Universität Bern, erklärt. Auf diesem Weg gelang es ihnen, die Existenz des Exoplaneten nachzuweisen, obwohl dieser selber zu klein ist, um ihn direkt zu beobachten.

Weshalb ist diese Entdeckung nobelpreiswürdig?
Mayor und Queloz erbrachten mit ihrer Methode erstmals den Nachweis, dass es Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gibt. Und lösten damit eine Revolution in der Astronomie aus. Die Vorstellungen, wie andere Sonnensysteme aussehen könnten, mussten als Folge radikal angepasst werden. Vor 25 Jahren ist man davon ausgegangen, dass die meisten dieser Systeme dem unseren gleichen. Heute, nach der Entdeckung von über 4000 Exoplaneten, weiss man, dass die grosse Mehrheit ganz anders aussieht als unser Sonnensystem. So gibt es etwa Systeme, in denen grosse Planeten ganz nahe um das Zentralgestirn kreisen, während bei uns der Gasriese Jupiter die Sonne in sehr grosser Entfernung umkreist. Und so haben wir laut Thomas durch die Entdeckung der Exoplaneten auch viel Neues über die Entwicklung unseres eigenen Sonnensystems gelernt.

Wo muss man die Entdeckung des ersten Exoplaneten in der Geschichte der Astronomie einordnen?
Thomas vergleicht die Entdeckung des ersten Exoplaneten mit Galileo Galileis Entdeckung der Jupitermonde im Jahr 1610. Auch Galileis Entdeckung löste einst eine Revolution aus. Denn er konnte den Nachweis erbringen, dass es Himmelskörper gibt, die sich nicht unmittelbar um die Erde drehen. Damit stützte er das heliozentrische Weltbild, mit der Sonne als Mittelpunkt des Kosmos, während in der vorherrschenden Meinung die Erde als Mittelpunkt von allem galt.

Wie viel Geld erhalten Mayor und Queloz?
Die beiden Schweizer teilen sich den Preis mit dem kanadischen Kosmologen James Peebles, der für seine Arbeiten zur physikalischen Kosmologie ausgezeichnet wurde. Mayor und Queloz erhalten zusammen die Hälfte des Preisgeldes von rund 908'000 Franken, also je 227’000 Franken.

Was sagen die beiden Preisträger zum Gewinn des Nobelpreises?
«Diese Entdeckung ist die aufregendste unserer gesamten Karriere, und einen Nobelpreis zu erhalten, ist einfach aussergewöhnlich», werden Mayor und Queloz in einem Communiqué der Universität Genf zitiert.

Was bedeutet dieser Nobelpreis für die hiesige Planetenforschung und für den Forschungsplatz Schweiz im Allgemeinen?
Für Thomas zeigt der Nobelpreis, dass man mit der Planetenforschung in der Schweiz auf dem richtigen Weg ist. Dank der Arbeit von Mayor und Queloz sei die Schweiz auf dem Gebiet der Forschung über Exoplaneten heute führend. Bundesrat Guy Parmelin schrieb dazu in einem Tweet: «Die Schweiz bleibt die unverzichtbare Nation, wenn es um wissenschaftliche Spitzenforschung geht.» Thomas betont zudem, dass der Preis eine Bestätigung dafür sei, dass an Schweizer Universitäten exzellente Forschung betrieben werde. Neben den beiden ETH würden auch die Schweizer Universitäten weltweit in der ersten Liga spielen, so Thomas.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein einfacher Mensch am 08.10.2019 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Eine tolle Errungenschaft, auf die ihr stolz sein könnt!

  • Mehit am 08.10.2019 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Super! Gratuliere den Herren ganz herzlich!

  • Scorpius am 08.10.2019 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Die öffentliche Würdigung einer Arbeit ist wohl der ultimative Ritterschlag. Sei euch gegönnt! Und uns auch. Ist eine willkommene Abwechslung mal was skandalfreies, positives zu lesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Kaiser am 08.10.2019 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Meilenstein

    Es wurde Zeit, dass die beiden Herren geehrt wurden. Ein Meilenstein in der Asteonomie

    • Anto Keller am 08.10.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Kaiser

      Ich stimme Ihnen zu. Es zeigt sich sogar langsam ab, dass praktisch jeder Stern Planeten hat. Was für ein Unterschied zu den vorgängigen Vorstellungen!

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  • A. Belenz am 08.10.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    in memoriam Fritz Zwicky

    Ohne Zweifel grossartige Wissenschaftler! Als Schweizer Bürger möchte ich gerade in Bezugnahme auf den anderen Teil des Nobelpreises (Pleebles) auf unseren grossartigen, in Vergessenheit geratenen Fritz Zwicky hinweisen. Ein ganz Grosser seiner Zunft, der - ähnlich wie Stephen Hawking - nie zum Handkuss kam.

    • W. Zweifel am 08.10.2019 21:25 Report Diesen Beitrag melden

      @A. Belenz

      ... als Glarner kann ich Ihnen nur zustimmen.

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  • Anton Keller am 08.10.2019 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Ohne Erforschung des Weltalls würde noch die Sonne und das ganze All um die Erde drehen und wir wären das Zentrum der Schöpfung aus einem Buch, dass vor 2000 Jahren von Schafhirten geschrieben wurde.

  • Suchender am 08.10.2019 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Suche

    Bitte helft mir Leute, bin auf der Suche nach einem Reservat in der Schweiz.

  • Swissman73 am 08.10.2019 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Grossartig! Gratuliere!

    Und wieder kann die Kirche mit der Bibel einpacken. Galileo Galilei hatte damals Glück, dass er mit einem Widerruf und Hausarest vor der Inquisition davon kam. Die drei Physiker müssen sich heute nicht mehr vor dem Papst und der Kirche für ihre Entdeckung fürchten. Immerhin: Johannes Paul II hat Galilei vor knapp 25 Jahren rehabilitiert. Jetzt müsste nur mal jemand den Supertreibstoff oder Antrieb erfinden, sonst bringt alles nichts. Mit Solarstrom geht das sicher nicht...