Kotverzehr im Tierreich

08. Juli 2017 16:11; Akt: 08.07.2017 16:11 Print

Darum fressen Tiere so gern ihren eigenen Kot

von Fee Riebeling - Der Verzehr von Fäkalien ist aus menschlicher Sicht eine widerwärtige Angelegenheit. Im Tierreich macht das jedoch absolut Sinn.

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Im Tierreich lässt sich manchmal ein Verhalten beobachten, das auf den ersten Blick fies anmutet. Dazu gehört auch das Verspeisen von Exkrementen. (Im Bild: ein Pavian beim Kot-Verzehr) Dieses Vorgehen bezeichnen Wissenschaftler als Koprophagie. (Im Bild: zwei Himmelblaue Bläulinge machen sich über fremden Kot her) Die Forschung unterscheidet zwischen zwei Arten von tierischen Kotfressern. Die erste Gruppe bilden die sogenannten Autokoprophagen, zu denen unter anderem Hamster gehören. Ebenfalls autokoprophag unterwegs sind Nacktmulle. Wie die Hamster auch futtern sie ihre eigenen Ausscheidungen, ... ... genauso wie Chinchillas. Das tun sie nicht einfach so, sondern um einem Nährstoffmangel vorzubeugen. Denn bei Pflanzenfressern geschieht die Nährstoffaufnahme bereits im Dünndarm. (Im Bild: ein Pika, auch Pfeifhase genannt, der zur Gruppe der Autokoprophagen gehört) Allerdings werden einige Proteine, welche für die Tiere lebenswichtig sind, erst im nachfolgenden Blinddarm gebildet und dann ausgeschieden. (Im Bild: ein Feldhase, der sich ebenfalls über seinen eigenen Kot hermacht) Damit diese nicht ungenutzt verloren gehen, machen sich die Autokoprophagen nach dem Verdauen noch einmal über ihren Kot her. So kommen sie doch noch in den Genuss der essentiellen Proteine. (Im Bild: Elefantenbabys fressen Kot) Mistkäfer, Fadenwürmer und zahlreiche Milbenarten zählen zur Gruppe der Allokoprophagen. Sie ernähren sich von den Exkrementen anderer Tierarten. (Im Bild: Namibischer Mistkäfer auf Pferdemist) Dabei haben sie es auf die organischen Stoffe abgesehen, die in dem Dung noch enthalten sind. Damit stellen sie ein wichtiges Element im ökologischen Stoffkreislauf dar. (Im Bild: Eine Fliege labt sich an Exkrementen) Eigentlich Aasfresser, stürzen sich männliche Schmutzgeier auch häufig auf Kot – der Liebe wegen. Die weiblichen Tiere bevorzugen nämlich Männchen mit leuchtend gelbem Gesicht. Für die Gelbfärbung verantwortlich ist der Farbstoff Lutein. Da dieser im Aas, der eigentlichen Futterquelle der Tiere, nur bedingt vorhanden ist, bedienen sich die Männchen auch am stark luteinhaltigen Kot von Huftieren wie Rindern, Schafen und Ziegen.

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Normalerweise gilt: Was hinten rauskommt, sollte vorne nicht wieder rein. Doch einige Tiere halten sich nicht daran: Sie fressen Kot – einige ihren eigenen, andere den ihrer Artgenossen, und wieder andere den von anderen Tieren. Experten nennen das Koprophagie.

Was für die meisten Menschen eine ekelhafte Vorstellung ist (siehe Box), ist im Tierreich ganz natürlich – und sinnvoll.

Eigener Kot sichert Überleben

Kaninchen, Hasen, Nagetiere und auch einige Affenarten zählen zu den sogenannten Autokoprophagen. Sie machen sich über ihre eigenen Ausscheidungen und die ihrer Artgenossen her, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen.

Denn bei Pflanzenfressern geschieht die Nährstoffaufnahme bereits im Dünndarm. Allerdings werden einige Proteine, die für die Tiere lebenswichtig sind, erst im nachfolgenden Blinddarm gebildet und dann ausgeschieden.

Damit diese nicht ungenutzt verloren gehen, machen sich die Autokoprophagen nach dem Verdauen noch einmal über ihren Kot her. So kommen sie doch noch in den Genuss der essentiellen Proteine.

Die Ausscheidungen anderer

Mistkäfer, Fadenwürmer und zahlreiche Milbenarten zählen zur Gruppe der Allokoprophagen. Sie ernähren sich von den Exkrementen anderer Tierarten.

Dabei haben sie es auf die organischen Stoffe abgesehen, die in dem Dung noch enthalten sind. Damit stellen sie ein wichtiges Element im ökologischen Stoffkreislauf dar.

Kot futtern für die grosse Liebe

Eine andere Gruppe von Tieren, zu denen auch die Schmutzgeier gehören, verfolgen mit dem Verspeisen von Exkrementen ein weiteres und völlig anderes Ziel: Sie versuchen, einen Partner zu finden.

Weibliche Schmutzgeier bevorzugen nämlich Männchen mit leuchtend gelbem Gesicht, möglicherweise weil das auf eine starke Immunabwehr hindeutet. Für die Gelbfärbung verantwortlich ist der Farbstoff Lutein.

Da dieser im Aas, der eigentlichen Futterquelle der Tiere, nur bedingt vorhanden ist, bedienen sich die Männchen auch am stark luteinhaltigen Kot von Huftieren wie Rindern, Schafen und Ziegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gru gru am 08.07.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    ein experiment

    Wird interessant zu sehen, was passieren wird, wenn einfach aus Spass behauptet wird, dass , alle VIP um sich gesund zu ernähren eigenes Kott essen. Und dies als letzte Schrei zu verkaufen. Mal sehen wie vielen Gehirnamputierten es nachmachen werden.

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  • Hugo am 08.07.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück steht meine Frau

    nicht auf ein gelbes Gesicht!

  • Naturliebender am 08.07.2017 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Reich der Tiere

    Die Faszination der Tierwelt auf unserem blauen Planeten. Tiere tun nichts einfach so. Alles dient dem Drang zum Überleben oder der Fortpflanzung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mythenmetz am 11.07.2017 02:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völkerball

    Gibt auch Menschen die ihr Nährstoffmangel ausgleichen wollen. Dazu muss man sich nur in Pflegeheimen umschauen. Wenn man Pech hat bekommt man sogar was ab.

  • JustMe am 10.07.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    B12 - Mangel vorbeugen

    denn B12 wird durch Bakterien im Darm gebildet und bei vielen Säugetieren zum grössten Teil ausgeschieden und ist sonst nur in tierischen Lebensmitteln... Zum Glück gibt es für Pflanzenesser Pillen... auch wenn man sonst gegen die schädliche Zivilisation ist...

  • Stromer am 09.07.2017 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald schon in

    Es braucht nur einen bekannten Promi und voilá: Die Hipster werden seinem Beispiel folgen und die Autokoprophagie wird die nächste In-Diät!

  • Tier am 09.07.2017 01:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbe Geschichte

    ....auch bei fehlenden Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versuchen Tiere "recycling" , sofern eine Ergänzung aus der verfügbaren Umwelt nicht ausreichend möglich....

  • bei uns ist es nicht anders am 09.07.2017 01:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenslücken

    Auch bei den Menschen, die ja Omnivore sind, geschieht die Nährstoffaufnahme im Dünndarm (vorwiegend im oberen Jejunum, aber auch im Ileum)...