Aliens und Astronautenmorde

19. September 2019 20:02; Akt: 19.09.2019 20:02 Print

Das hat es mit dem Kult um Area 51 auf sich

von Fee Riebeling - Am Freitag wollen Hunderttausende eine militärische Sperrzone stürmen. Doch warum fasziniert die Area 51 die Menschen derart?

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Die Area 51, auf der sich Verschwörungstheorien zufolge auch Aliens tummeln, ist ein militärisches Sperrgebiet und ... ... befindet sich auf dem Gebiet der rund 31'000 Quadratkilometer grossen Nevada Test and Training Range (NTTR, früher: Nellis Air Force Range). Dieses liegt rund 100 Kilometer nördlich von Las Vegas. Ebenfalls Teil des riesigen Sperrareals: die Nevada National Security Site (bis 2010: Nevada Test Site). Obwohl in der Nähe der Spielerstadt gelegen wurden dort zwischen 1951 und 1962 über 100 überirdische Atombombentests durchgeführt. (Im Bild: Gäste des Old Frontier Village in Las Vegas betrachten vom Pool aus einen Atompilz, 1953) Dass einer Atomdetonation so nah beizuwohnen, möglicherweise keine so gute Idee ist, war man sich damals noch nicht bewusst. Entsprechend gab es nicht nur Live-Publikum, ... ... sondern auch Dreharbeiten auf dem Areal. 1956 etwa wurde auf dem nunmehr radioaktiv verstrahlten Gebiet «Der Eroberer» gedreht. 30 Jahre später waren 91 Mitglieder des 220-köpfigen Filmteams an Krebs erkrankt, schon 1981 waren 46 der Beteiligten an Krebs gestorben. Auf dem Testgelände neben der Area 51 wurden bis zum Teststopp-Memorandum 1992 weiter über 1000 unterirdische Atombombentests durchgeführt. (Im Bild: Operation Buster-Jangle Uncle, der erste unterirdische Kernwaffentest,1951) Die damals bei den Atombombentests in den Boden gesprengten Krater sind bis heute weithin sichtbar. (Im Bild: Der Yucca Fields genannte Teil der Nevada Test Site) Während die Geschehnisse auf der Nevada National Security Site auch in der Öffentlichkeit gut bekannt sind, liegen jene auf der angrenzenden Area 51 weitestgehend im Dunklen. Das weiss man dazu: ... Die Area 51 liegt nicht auf, sondern nordöstlich des verkraterten Areals. Ihre Bezeichnung stammt von den alten Gebietseinteilungen auf Karten des Nevada-Testgeländes. (Im Bild: die orangefarbenen Punkte zeigen an, wo einst Bomben gezündet wurden) Die Behörden nennen das Gebiet anders: entweder Homey Airport oder Groom Lake Air Force Base, nach dem gleichnamigen ausgetrocknete Salzsee, der ebenfalls in der Sperrzone liegt. (Im Bild: Satellitenaufnahme vom Groom Lake) Doch es gab noch einen weiteren halbwegs offiziellen Spitznamen für die Area 51: Paradise Ranch oder The Ranch. Mithilfe dieser Bezeichnung sollte das Gebiet für diejenigen, die dort arbeiteten, attraktiver wirken. Bekannt wurde das erst Jahre später, weil die Existenz der Area 51 lange verschwiegen wurde. Erst 2013 hat der US-Geheimdienst CIA in einer Stellungnahme die Existenz des Testgeländes offiziell bestätigt. Auf Anfrage eines Wissenschaftlers der George Washington University gab die CIA ein 407 Seiten umfassendes Dokument heraus, Zuvor war seit Jahrzehnten gemunkelt worden, dass es da in der Mojave-Wüste eine geheime Basis gibt. Dies vor allem, weil das Areal stark bewacht ist. Der Luftraum ist gesperrt. Und schon weit vor der eigentlichen Gebietsgrenze soll es neben unter anderem Bewegungsmeldern auch Sensoren geben, die auf Schweiss reagieren. Weil sich die Behörden diesbezüglich nicht äusserten, hatten Verschwörungstheorien freie Fahrt. Eine der bekanntesten: In der Area 51 werden ausserirdische Lebensformen erforscht. (Im Bild: Aliendeko in einem Souvenir-Laden in der Gegend) Die wohl berühmteste Theorie dreht sich um den sogenannten Roswell-Zwischenfall im Jahr 1947. Damals berichteten US-Zeitungen wie der «Roswell Daily Record» einerseits vom Absturz einer fliegenden Untertasse in Roswell, im US-Bundesstaat New Mexico, und von Sichtungen unbekannter Flugobjekte (UFOs) in anderen Teilen des Landes. Einer dieser Breichte kam vom Piloten Kenneth A. Arnold (Mitte), der nach eigenen Angaben bei einem privaten Erkundungsflug nahe dem Mount Rainier im Bundesstaat Washington ... ... eine Formation von neun fliegenden Objekten gesehen hat. Deren schnelle Fortbewegung soll wie die von über das Wasser hüpfenden Untertassen ausgesehen haben. Auf seine Beschreibung soll der Ausdruck «fliegende Untertasse» zurückgehen, was Arnold jedoch stets bestritt. (Im Bild: eine angebliche UFO-Sichtung über Tulsa, im US-Bundesstaat Oklahoma.) Das US-Militär behauptete, dass die vermeintlichen UFO-Trümmer von einem ganz gewöhnlichen Wetterballon mit einem Radarreflektor stammten. Doch davon liessen sich Verschwörungstheoretiker nicht beeindrucken. Sie blieben dabei: Die US-Regierung versucht, den Absturz eines echten UFOs zu verschleiern. (Im Bild: Ein Wetterballon der National Oceanic and Atmospheric Administration nach dem Start) Mitte der 1990er gab die US-Air-Force mehr Details bekannt. Demnach stammten die damals gefundenen Wrackteile zwar von einem Ballon, jedoch nicht von einem klassischen Wetter-, sondern von einem Spionageballon, der weit entfernte Kernwaffenexplosionen identifizieren sollte. Die Wrackteile des vermeintlichen Wetterballons waren damals nach dem Absturz in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas der Öffentlichkeit präsentiert worden (im Bild). Zum 50. Jahrestag des Roswell-Zwischenfalls schaute sich UFO-Forscher David Rudiak die Aufnahme genauer an, insbesondere den Zettel, den General Roger Ramey (links) in der Hand hielt. Nachdem er den Zettel digital vergrössert hatte, gab Rudiak bekannt, dass er rund 80 Prozent des Textes entziffert hätte. Auf dem Zettel sei die Rede von einer Untertasse, einem Wrack sowie Opfern. Laut Rudiak spreche das für die UFO-Erklärung. Andere Stimmen bezweifeln das. Dass sich die Alientheorie über so viele Jahrzehnte halten konnte, ist auch ... ... diesem Mann zu verdanken. Robert «Bob» Scott Lazar erzählte Ende der 1980er-Jahre in einem TV-Interview, dass in einer geheimen Einrichtung namens S-4 nahe der Area 51 am Nachbau von abgestürzten UFOs arbeite. Später zeigte sich dann, dass das alles erstunken und erlogen war – weder hatte Lazar in der Area 51 gearbeitet, noch hatte er wie behauptet an renommierten Hochschulen wie dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) studiert und geforscht. Doch die Alientheorie hatte neue Nahrung erhalten. Eine weitere, sich hartnäckig haltende Area-51-Theorie bezieht sich auf die Mondlandung im Jahr 1969. Demnach sind die ikonischen Aufnahmen der Apollo-11-Mission nicht wie von der US-Raumfahrtbehörde NASA behauptet auf dem Mond entstanden. Vielmehr soll in der Area 51 ein Filmstudio aufgebaut worden sein, um dort die Mondszenen zu drehen. Als angebliche Belege wurden unter anderem Schattenwürfe, verdeckte Fadenkreuze auf Bildern und die merkwürdig wehende Flagge angeführt. (Alle diese vermeintlichen Unstimmigkeiten wurden stichhaltig widerlegt). Verfechter der Wir-waren-nie-auf-dem-Mond-Theorie schreckten auch nicht davor zurück, das tragische Schicksal der Apollo-1-Astronauten als Beweis anzuführen. Sie sollen bewusst verbrannt worden sein, um die «Lüge von der Mondlandung» zu vertuschen. (Im Bild: die Apollo1-Crew: Gus Grissom, Ed White and Roger Chaffee, v.l.) Weiteres Futter für den Area-51-Kult lieferte die Tatsache, dass die CIA 2013 zwar die Existenz der Area 51 bestätigt und ein entsprechendes Dokument veröffentlicht hatte. Doch da einige Stellen darin geschwärzt wurden, In den Papieren ist erwähnt, dass die Area 51 als Testgelände für die Spionageflugzeuge U-2 .... (Im Bild: erste Version der U-2, die in Groom Lake getestet wurde) ... und SR-71 genutzt wurde, die zur Zeit des Kalten Krieges unter anderem über der Sowjetunion eingesetzt wurden. Doch egal, was die offiziellen Stellen preisgeben: Das Werweisen über die Vorkommnisse in der Area 51 nimmt nicht ab. Und so wird der Mythos Area 51 immer wieder auch von der Popkultur aufgegriffen und weitergesponnen. Die Area 51 wird etwa im Film «Independence Day» thematisiert: Nachdem Ausserirdische damit begonnen haben, die Erde einzunehmen, wird US-Präsident Thomas Whitmore in die Sperrzone gebracht, wo er sich gemeinsam mit Forschern und Militärs zum Gegenschlag rüstet. (Im Bild: Szene aus «Independence Day», 1996) In der Serie «American Dad» hingegen lebt der 16011-jährige Ausserirdische Roger bei der Familie Smith, nachdem dieser Vater Stan in Area 51 das Leben gerettet hat. (Im Bild: Szene aus «American Dad», ab 2005) In «Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels» wird Indiana Jones Jr. von sowjetischen Agenten entführt, um in der Area 51 nach einer Kiste mit den Überresten eines nicht-menschlichen Wesens zu suchen. Dabei findet er unter anderem eine Alien-Leiche aus Roswell. (Im Bild: Szene aus «Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels», 2008) In «The Signal» verfolgen drei Studenten den Hacker Nomad, werden dabei aber entführt und in einer Anlage festgehalten. Nachdem ihnen der Ausbruch gelingt, fliehen sie durch eine Art Wüste, von der sie glauben, dass es die Area 51 ist. (Im Bild: Szene aus «The Signal», 2014) In vielen Computerspielen sind Level oder Abschnitte mehr oder weniger deutlich an unsere Vorstellung von der Area 51 angelehnt. (Im Bild: Spielszene aus «Tomb Raider III») Das Sperrgebiet taucht in Ego-Shootern, Flugsimulationen und Rennspielen auf. In «Grand Theft Auto: San Andreas» gibt es im Spielabschnitt Las Venturas ein militärisches Sperrgebiet, das an die Area 51 angelehnt ist. (Im Bild: Spielszene aus « Grand Theft Auto: San Andreas) Auch in Songs kommt die Area 51 immer wieder vor – unter anderem im Song «Lieblingsmensch» von Namika. Darin heisst es: «Absolut niemand darf's erfahren Aber dir vertrau ich's an Weil du's sicher aufbewahrst Meine Area 51». (Im Bild: Szene aus «Lieblingsmensch», 2015)

Zum Thema
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Bis zu zwei Millionen wollen am 20. September 2019 dem Aufruf Matty Roberts folgen, der im Sommer – spasseshalber – auf Facebook dazu aufgerufen hatte, die Area 51 zu stürmen (siehe Bildstrecke unten). Weitere rund 1,5 Millionen Leute haben in der «Storm Area 51, They Can't Stop All of Us» genannten Gruppe zumindest ihr Interesse an der Veranstaltung bekundet. Inzwischen hat sich Matty Roberts von seinem Aufruf distanziert.

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Doch das enorme Interesse zeigt: Der vielleicht mysteriöseste Ort in den USA fasziniert die Menschen weltweit. Wie die Area 51 zu ihrem sagenhaften Ruf inklusive Aliengerüchten gekommen ist, erfährst du in der obigen Bildstrecke.

Hunderttausende wollen Area 51 stürmen

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neumann am 19.09.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    20.9.

    Freu mich auf die Berichte!

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  • Beämwe am 19.09.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aera 57

    ich sehe genug Aliens in der Nachbarschaft...

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  • MVale am 19.09.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Neymar bitte

    Bitte nicht jammern wens eins auf den Deckel gibt. Das ist nach wie vor ein militärisches Sperrgebiet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Einer der mehr weiss am 20.09.2019 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Also, ich war dort und kann euch versich

    versichern, die Aliens existieren tatsächlich. Habe denen versprochen dass ich niemandem was davon erzähle, und das halte ich auch ein, Ehrensache! Habe bis jetzt ja noch nichts erzählt, nur geschrieben, hahaha...

  • EMMM am 20.09.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manchmal

    Wundere ich über die Intelligenz mancher Leute. Man Kündigt Öffentlich die erstürmung von Area 51, und das im Voraus, und das Militär hat genug Zeit um darauf zu Reagieren. Das Militär kann einfach die Türe Öffnen oder Schliessem lassen (Spielt keine Rolle) und das nur weil ihr Handeln berechenbar ist. Selbst wenn die Erstürmung erfolg hätte, sie würden dort Wahrscheinlich keine Alientechnologie finden, ausser ein paar Moderne Russische Flieger etc.

  • Karl Marx am 20.09.2019 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das whare Geheimnis

    So ein langer Artikel und kein Wort zum schon lange bekannten wahren Geheimniss: Während des kalten Krieges haben die USA dort heimlich beschaffte russische Flugzeuge auf Herz und Nieren getestet. Und man wollte auf keinen Fall, das die Russen mitbekommen, das die USA ihre Geheimnisse kennt! So einfach ist das. Unterdessen ganz offiziell bekannt übrigens. Und wie versteckte man so was damals am einfachsten? In dem man ein viel interessanteres Geheimnis davorstellt, das die Leute suchen können. So sucht keiner das wahre Geheimnis. Ist doch genial, nicht?

  • Giovanni Russo am 20.09.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lifestream

    Ich hab lifestream zur area 51. Werde es hier nicht verlinken. Man bekommt es nicht über YouTube oder andere soziale Netzwerke

    • Muss unglaublich spannend sein am 20.09.2019 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni Russo

      Und was treiben die Eidechsen, Klapperschlangen und Coyoten so?

    einklappen einklappen
  • MadChengi am 20.09.2019 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man machen - muss man aber NICHT!

    Zuerst gibt's Haft und dann eine saftige Geldbusse!