Pfunde über Nacht

14. Oktober 2019 18:49; Akt: 14.10.2019 18:49 Print

Darum macht zu wenig Schlaf dick

Wer zu wenig schläft, nimmt zu. Schuld ist die Lust müder Menschen auf Ungesundes. Nun ist klar, wie es zu dieser kommt.

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Wer zu oft zu wenig schläft, dürfte schon bald Veränderungen an sich feststellen, etwa einige Kilos mehr auf den Hüften. Dies liegt daran, dass Unausgeschlafene Schwierigkeiten haben, der Verlockung von energiereichem Fast Food zu widerstehen. Das haben Forscher der Northwestern University herausgefunden. Der Grund dafür liegt im menschlichen Gehirn. Sie zeigten, dass sich bei müden Menschen der sogenannte piriforme Kortex, der an der Verarbeitung von Gerüchen beteiligt ist, stärker regt als bei ausgeschlafenen. Aber auch, dass er weniger stark mit der Inselrinde kommuniziert, wo Inputs zur Beschaffenheit von Nahrungsmitteln zusammenlaufen. Die Forscher glauben, dass diese veränderten Aktivitätsmuster dazu führen, dass wir Fast Food unausgeschlafen schlechter widerstehen können. Die einzige Lösung: mehr schlafen oder einen weiten Bogen um duftende Verlockungen machen. Doch zu wenig Schlaf macht nicht nur dick. Chronischer Schlafmangel beschert Betroffenen auch Momente geistiger Abwesenheit, verminderter Aufmerksamkeit sowie Stimmungsschwankungen. Kurz: Er macht auf Dauer krank. Und Schlaf sorgt nicht nur – anders als bislang gedacht – für Erholung, sondern hilft auch, um zu vergessen. Forscher beobachteten in seiner Studie, dass während des Schlafes die Synapsen im Gehirn teilweise zerschnitten werden. Auf diese Weise gehen unwichtige Erinnerungen, die nicht mehr benötigt werden, verloren. Schuld daran ist vor allem ein Oberflächenprotein an den Synapsen des Gehirns: das sogenannte Homer1A, wie Graham Diering von der Johns-Hopkins-Universität mithilfe von Labormäusen festgestellt hat. Schlaf fördert den Aufbau des Proteins, das seinerseits durch Kappen der Synapsen das Vergessen fördert. Allerdings werden während des Schlummerns nur etwa ein Fünftel der Synapsen gekappt. Das sorgt dafür, dass wirklich wichtige Informationen nicht verloren gehen. Weitere spannende Fakten erfahren Sie in den folgenden Slides. Auch zu lange Ruhephasen sind laut Forschern der Cambridge University schädlich. Wer länger als acht Stunden pro Nacht schläft, hat ein um 46 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle als die, die es auf sechs bis acht Stunden Nachtruhe bringen. Vor einem langen Festivalwochenende oder einer wilden Partynacht besonders viel zu schlafen, bringt nichts. Denn der Körper kann Erholung nicht speichern. Das heisst: Er wird genauso müde sein wie ohne den Extraschlaf. Wer nachts nicht genügend Schlaf bekommt, sollte sich täglich Zeit für ein kleines Nickerchen nehmen. Dieses sollte laut dem deutschen Schlafforscher Jürgen Zulley nicht länger als 30 Minuten dauern. Denn danach setzt die Tiefschlafphase ein und das Erwachen daraus fällt entsprechend schwer. Nicht nur Erwachsene, auch Babys sollten viel schlafen. Denn wie US-Forscher 2006 in einer Studie zeigten, fördern kurze Nickerchen deren Sprachentwicklung. So konnten die Kleinen sich besser neue Dinge merken, wenn sie vorher eine halbe Stunde geschlafen hatten. «Ich bin so müde, ich könnte glatt im Stehen schlafen», behaupten viele. Aber Recht haben sie damit nicht: Zwar kann man sehr wohl aufrecht einschlafen. Doch spätestens wenn die Tiefschlafphase erreicht ist, sackt man in sich zusammen, weil die Muskelspannung nachlässt. Weil in der Traumphase der Körper wie gelähmt ist, wird auch die Temperaturregulation abgeschaltet. Daher droht die Unterkühlung. Deshalb raten Schlafmediziner immer, leichte Kleider zu tragen, die Arme und Schultern vor dem Auskühlen schützen. Ideal ist eine Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen, ist Quatsch. Richtig ist, dass sie ihre Schlafdauer über den Tag hinweg verteilen. Das kann vom täglichen Sekunden- oder Minutenschlaf bis hin zu ausgedehnten Mittagsschläfchen führen. Eine glückliche Beziehung sorgt für einen ruhigeren Schlaf. Forscher der University of Pittsburg haben herausgefunden, dass Frauen in stabilen Beziehungen besser schlafen als unverheiratete, frisch getrennte oder mit der Partnerschaft unzufriedene. Guter Schlaf hängt laut Forschern der University of Pennsylvania auch von Bildung, Geld und Status ab. In ihrer Studie hatten Festangestellte den besten Schlaf, gefolgt von Rentnern, Hausfrauen und Studenten. Von denen, die weniger als ein Jahr arbeitslos waren, schliefen 32 Prozent schlecht - unter den Arbeitsunfähigen waren es sogar 52 Prozent. Wer abends nur schwer ins Bett kommt wie Keith Richards, ist tendenziell kreativer und extrovertierter als jemand, der zeitig in die Federn hüpft und früh aufsteht. So lautete das Ergebnis einer Studie von Forschern der britischen Loughborough University. Eine Studie der Universität von Madrid kam zum Ergebnis, dass die Nachteulen die besseren induktiven Denker waren. Induktives Denken gilt allgemein als einer der wichtigsten Indikatoren für Intelligenz und befähigt fächerübergreifend zu guten akademischen Leistungen. Die Konzentrationsfähigkeit von Frühaufstehern lässt zehneinhalb Stunden nach dem Aufwachen deutlich nach, während Langschläfer dann immer noch ungefähr die gleiche Gehirnaktivität aufweisen wie eine Stunde nach dem Aufwachen. Mark Zuckerberg dürfte eine ziemliche Nachteule sein. Denn laut einer Studie der University of Southhampton haben diese im Durchschnitt ein hohes Einkommen. Ausserdem verfügen sie im Vergleich zu den anderen Schlaftypen häufig über ein grosszügigeres Zuhause. Nachtaktivität scheint auch im Liebesleben ein Vorteil zu sein. Forscher der Durham University haben herausgefunden, dass männliche Nachteulen im Durchschnitt doppelt so viele Sexualpartner haben wie Frühaufsteher. Weibliche Langschläfer haben hingegen ein durchschnittliches Liebesleben. Ziemlich ausgeschlafen dürfte die «schönste Frau der Welt 2015», Sandra Bullock, sein. Denn den Schönheitsschlaf gibt es tatsächlich. Ein Grund dafür, dass gute Schläfer als attraktiver wahrgenommen werden, dürfte sein, dass unsere Haut im Schlaf mit wichtigen Hormonen versorgt wird, was die natürliche Regeneration anregt.

Zum Thema
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Die Zeiten, in denen Schlafen als Zeitverschwendung angesehen wurde, sind lange vorbei. Heute ist klar, dass ordentliches Ausruhen in der Nacht «so lebenswichtig wie Atmen» ist, wie Schlafforscher Björn Rasch von der Universität Bern im Interview mit 20 Minuten sagte.

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Gründe für ausreichend Schlaf gibt es viele (siehe Bildstrecke oben). So erleben Ausgeschlafene beispielsweise weniger Heisshungerattacken auf Fast Food als Übermüdete. Einerseits, weil Schlafmangel jene Areale im Gehirn hemmt, die uns zu vernünftigem Handeln befähigen. Die Belohnungszentren hingegen bleiben aktiv. Andererseits, weil Schlafmangel für Fressflashs wie beim Kiffen sorgt.

Gehirn tickt anders

Einen weiteren Grund für den gesteigerten Hunger auf Ungesundes nach einer zu kurzen Nacht liefern nun Forscher um Surabhi Bhutani von der amerikanischen Northwestern University. Im Fachjournal «eLife» berichten sie, «dass müde Menschen Lebensmittel mit höherer Energiedichte wie Donuts, Schokoladenplätzchen und Kartoffelchips weniger kalorischen vorziehen.»

Den Grund dafür offenbarten Tests im Magnetresonanztomographen. Diese zeigten, dass sich im Gehirn der sogenannte piriforme Kortex, der an der Verarbeitung von Gerüchen, Düften und Aromen beteiligt ist, bei müden Menschen stärker regt als bei den wachen. Aber auch, dass er weniger stark mit der Inselrinde kommuniziert, die auch von verschiedenen anderen Hirnregionen Inputs zu der Beschaffenheit von Nahrungsmitteln bekommt.

Bhutani und seine Kollegen glauben, dass diese veränderten Aktivitätsmuster dafür sorgen, dass wir Fast Food unausgeschlafen schlechter widerstehen können.

Mehr Schlafen oder Umwege machen

Wer diesen Mechanismus ausser Kraft setzen möchte, der kann laut den Forschern eigentlich nur eines tun: mehr schlafen. Andernfalls, so zitiert sie Neurosciencenews.com, bliebe nur, im müden Zustand «einen Umweg um den örtlichen Donut-Laden zu machen».

Den Hunger auf ungesunde Dickmacher regen auch Diät-Limos an, wie die folgende Bildstrecke zeigt:

Wer Diät-Limos trinkt, sagt zu Junkfood öfter ja

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bea am 14.10.2019 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde gerne gut schlafen

    Ich arbeite 3 Schichten und darum kann ich nicht gut schlafen , eine Woche arbeite ich nachts und die andere früh und spät . Das macht total kaputt und nie genug Schlaf

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  • Diäten sind mein Thema am 14.10.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nüme Jojo

    Manche Menschen haben Heisshunger auf süsses und andere nicht. Am besten gar nicht anfangen dan verlangt der Körper auch nicht so danach. Ich habe es erst gestern irgendwo gesagt, das ich Nopal Pulver vor dem essen nehme oder wenn ich Lust auf süessi sachen habe und schon verschwindet die Lust. Ein natürlicher Appetit hemmer der mir sehr half beim abnehmen.

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  • 57 /175 /61kg am 14.10.2019 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    ich schlafe wenig,

    esse fast jeden Tag Schokolade, treibe wenig Sport, bin schlank und kerngesund (sagt mein Hausarzt der den jährlichen Rundumcheck macht) insofern sind alle Hypothesen vom Tisch ...jeder Körper funktioniert für sich - die einen gehen nur am Kühlschrank vorbei, schlafen genug, treiben Sport und ernähren sich (angeblich) total gesund, haben trotzdem zuviel auf den Rippen dauernd irgend ein Zipeerlein. Ich halte von Gesundheitstudien gar nichts - Gesundheit ist auch Genetisch bedingt und Kopfsache

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G.Uschtel am 15.10.2019 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Gabs da nicht schon eine Studie, welche genau das gegenteil "bewiesen" hatte: Wer viel schläft, nimmt eher zu ???

    • Gustav am 15.10.2019 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      @G.Uschtel

      gab auch eine "Abnehmen im Schlaf" aber egal, nicht zu wenig Schlaf macht dick sondern zuviel ungesundes Essen in den Wachphasen

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  • Runser Caroline am 15.10.2019 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum macht zu wenig Schlaf dick

    Wenn ich zu wenig schlafe dann heisst das bei mir das mich was beschäftigt . Also habe ich dann auch keinen Hunger . Ich nehme dann ab und nicht zu .

  • over40 am 15.10.2019 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    ich schlafe zu wenig

    weil ich am Abend gerne Sport treibe und dadurch viel zu wach bin um früh ins Bett zu gehen. Und am Wochenende werde ich von den Kindern geweckt. Ich muss eher aufpassen, dass ich nicht abnehme denn von fettigem Essen wird mir sehr schnell übel.

  • vielleicht Dick aber nicht Doof am 14.10.2019 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    nicht wenig Schlaf

    sondern Fastfood uns Süsskram essen, in sich reinstopfen macht dick. Das Bashing gegen Dicke (soviel kosten Dicke die Schweiz) hat heute morgen schon nicht funktioniert.

  • gibo am 14.10.2019 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Wer weniger Zeit schläft hat mehr Zeit zum essen

    • Hedi Klein am 15.10.2019 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte andere Ursachen sind gefragt

      Hört endlich auf,das Dicksein mit dem Essen ab zu tun. Dieses Märchen glaube ich nicht mehr. Zugegeben es gibt ewig Esser. Ich hatte nie Gewichtsprobleme bis zum Klimakterium. Esse wenig, gern gut,also Qualität vor Quantität...nie etwas zwischendurch,Heisshunger kenne ich nicht...habe keine Pausbacken...und bin trotzdem leider nicht schlank.

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