#FillTheBottle

17. August 2019 18:26; Akt: 17.08.2019 18:26 Print

Darum sammeln jetzt alle Zigistummel in Flaschen

Viele Social-Media-Challenges sollen vor allem dem Zeitvertreib dienen. Nicht so #FillTheBottle. Sie macht Spass – und Sinn.

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Achtlos fortgeworfene Zigarettenstummel sehen nicht nur unschön aus, sie sind auch Gift für die Umwelt. Um darauf aufmerksam zu machen und die mit hochgiftigen Chemikalien beladenen Filter in der Umwelt zu reduzieren, wurde Ende Juli 2019 der Hashtag #FillTheBottle ins Leben gerufen. Eine neue Social-Media-Challenge war geboren. Mit diesem Foto von Jason Prince aus dem französischen Chelles fing alles an. Dazu schrieb er: «Ich habe 20 Minuten gebraucht, um diese Flasche mit Kippen zu füllen, die alle aus einem Umkreis von weniger als 50 Metern stammen. Das ist extrem ernst.» Eine Freundin teilte den Beitrag und versah ihn mit #FillTheBottle. Dem Beispiel ihres Kumpels folgen mittlerweile Tausende Menschen in aller Welt – auch Insta-User thais_srd_10, der nach eigenen Angaben gemeinsam mit Freunden in nur einer Stunde 6 Literflaschen voll Zigarettenstummel gesammelt hat. Auch Beryleeee war offensichtlich fleissig. Wie lange sie brauchte, um diese Flasche zu füllen, ist allerdings nicht überliefert. Was beim Betrachten der mit #FillTheBottle markierten Aufnahmen auffällt: Selbst an paradiesischen Orten wie diesem Strand an der französischen Atlantikküste oder ... ... diesem argentinischen Skigebiet werden die Kippensammler fündig. Nutzer David kommentiert das Bild mit den Worten: «Wir lieben den Berg so sehr, dass wir ihn sauber machen.» Weniger wundert es da, dass die Stummel in urbaneren Gebieten zuhauf vorzufinden sind. Viel Mühe hätte das Aufsammeln nicht gemacht, heisst es in den Captions. Nicht angegeben ist, wo die beiden die Flaschen gefüllt haben. Auch Julie hat sich an der Challenge beteiligt. Sie hat am Ufer der Seine drei Coronita-Flaschen gefüllt. Das mache etwa 630 Milliliter Zigarettenstummel, schreibt sie dazu. Instagrammer Florian hat sogar seine Familie zum Zigistummel-Sammeln am Ufer der Loire in Orléans zusammengetrommelt. Und auch sie wurden fündig. Dass sich Noémi an der Challenge beteiligt, ist wenig verwunderlich. Als Veganerin und Zero-Waste-Anhängerin setzt sie sich regelmässig für die gute Sache ein. Manch einer hat sogar seine Ferienentspannung kurz unterbrochen, um sich nützlich zu machen. Dies nicht nur in Frankreich, ... ... sondern auch in Rumänien und ... ... in der Karibik. Hier kamen innerhalb von 15 Minuten genügend Stummel zusammen, um eine grosse Flasche zu füllen. «Really?» Diese junge Frau kann nicht glauben, dass das die Ausbeute von bloss einer Stunde Sammeln auf einem 150 Meter langen Abschnitt ist. Diese zahllosen Zigarettenfilter wurden von mehreren Personen gesammelt. Tatsächlich verabreden sich kaum einen halben Monat nach dem Start der Challenge viele Menschen, um gemeinsam die Strassen von den Stummeln zu befreien. Auch Felix hat im deutschen Kehl Am Rhein gemeinsam mit Gleichgesinnten Jagd auf die Giftstummel gemacht. Die Ausbeute kann sich sehen lassen: In einer Stunde kamen 5500 Zigarettenstummel zusammen. Auch hier haben sich mehrere Menschen für eine sauberere Umwelt zusammengetan, genauso ... ... wie in Paris. Ausgangspunkt ist häufig das Wahrzeichen der Stadt: der Eiffelturm. Die #FillTheBottle-Bilder zeigen auch, dass sich Alt und Jung engagieren. Natürlich sind nicht nur Flaschen zum Aufsammeln der Zigarettenstummel geeignet, wie dieses Beweisfoto aus La Chaux-de-Fonds zeigt. Die Bildunterschrift verrät: Diese Pappschachtel wurde innert 25 Minuten gefüllt. Auch dieser junge Mann ist der Meinung, dass Zigarettenkippen nicht auf die Strasse gehören, sondern in den Abfall. Auch im kroatischen Dubrovnik finden sich Menschen, die die Natur von Zigistummeln befreien. Genauso wie auch in Bulgarien. Diese beiden Flaschen wurden am Strand der Stadt Warna gefüllt. Auch in Grossbritannien beteiligen sich Menschen an der #FillTheBottle-Challenge. Diese Frau hebt die Zigarettenfilter vor dem BBC-Gebäude in London auf – mit Essstäbchen, wohlgemerkt. Dieses Bild stammt dagegen aus Spanien.

Zum Thema
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Sucht man auf Instagram, Twitter, Facebook und Co. #FillTheBottle, tauchen zurzeit unzählige Bilder zu der wohl sinnvollsten Social-Media-Challenge seit langem auf. Dabei gilt es, Plastikflaschen mit Zigarettenstummeln zu füllen, zu fotografieren und auf Social Media zu posten.

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Dass sich so viele Menschen an der Aktion für die gute Sache beteiligen, ist erfreulich. Dass sie in einem so grossen Masse fündig werden (siehe Bildstrecke oben), genau das Gegenteil. Denn so klein Zigarettenkippen auch sind, so gross ist die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Zumal es so viele sind.

Zigarettenstummel sind Sondermüll

Experten gehen davon aus, dass von den weltweit jährlich 5,6 Billionen Zigaretten, die geraucht werden, 4,5 Billionen achtlos weggeworfen werden. Dies, obwohl die Weltgesundheitsbehörde WHO Zigistummel 2017 zum Sondermüll erklärt hat – vor allem wegen des Filters. Der ist nicht nur randvoll mit zum Teil hochgiftigen Chemikalien aus dem Tabakrauch, er besteht in den allermeisten Fällen aus Celluloseacetat – Kunststoff.

Wie jeder Kunststoff zerfallen Filter mit der Zeit zu Mikroplastik. Wie lange das dauert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die Zigarettenindustrie von einigen Monaten bis zu drei Jahren spricht, sagen verschiedene Studien, dass es im Süsswasser 10 bis 15 Jahre dauert, im Salzwasser sogar deutlich länger.

Wachsende Community

Ins Leben gerufen hat die Challenge die Studentin Amel Talha aus dem französischen Chelles. Auslöser war ein Foto, das ein Freund von ihr – Jason Prince – am 31. Juli gepostet hatte. Dazu schrieb er: «Ich habe 20 Minuten gebraucht, um diese Flasche mit Kippen zu füllen, die alle aus einem Umkreis von weniger als 50 Metern stammen. Das ist extrem ernst.»

Dieser Meinung war auch Talha, die den Beitrag teilte und erstmals mit dem Hashtag #FillTheBottle versah. Eine Öko-Challenge war geboren. Sie wolle mit dieser «das Bewusstsein der Menschen wecken und schärfen», zitiert sie das französische Newsportal Actu.fr.

Das gelingt ihr offenbar: Mittlerweile verabreden sich die Teilnehmer zum Flaschenbefüllen. Zum Beispiel direkt unter dem Eiffelturm. Aber auch in den Banlieues, am Stadtrand, wird es sauberer. Hier nominieren sich Jugendliche und ihre Bezirke gegenseitig und treffen sich, um Müll zu sammeln.


(fee/jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PROLLTRASH am 17.08.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blöd

    aschenbecher zuhause und im auto. in der öffentlichkeit hat es alle 10 meter einen kübel. warum auf den boden werfen?

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  • Peter Impel am 17.08.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raucher

    Eigentlich sollte das nur jeder Raucher von sich aus selber machen dann wäre die Welt ind Ordnung und sauber !!

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  • Markus H. am 17.08.2019 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum Kunststof?

    Frage an die Zigiindustrie: warum müssen die Filter aus Kunststoff sein? Würde irgendein Naturprodukt nicht auch funktionieren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BH am 18.08.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Endlich einmal ein sinnvoller Internethype. Cool, Daumen hoch

  • mocca am 18.08.2019 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich finde es extrem traurig zuzusehen, wenn jemand den Zigistummel auf den Boden wirft. Echt Leute...es hat überall Aschenbecher oder Abfallkübel...so faul kann man doch nicht sein!

  • mbenz am 18.08.2019 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    hihi

    Und wiedermal sind es die Raucher. Was ist mit den ganzen Alkoholiker die, die Flaschen auf den Boden werfen? Macht mal eine Challenge gegen Alkoholiker und nicht IMMER GEGEN DIE RAUCHER!!!!

    • Betina B. am 19.08.2019 00:11 Report Diesen Beitrag melden

      Ausreden :)

      Ich als dreifach und doppel Alkoholiker, lache sie aus.

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  • D.B. am 18.08.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten

    Vielleicht sollte die EU nebst Platicksäckli auch Zigarettenfilter verbieten. Nützt der Umwelt und da sich Raucher eh selbst schaden wollen, bekommen sie sogar mehr für's Geld.

  • Gusmolito am 18.08.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tut gutes für die Umwelt

    Man sollte pro Zigarette zusätzlich 50 Rappen Entsorgungsgebühr auf den Kaufpreis schlagen. Vielleicht schmeissen dann die Raucher die Stummel dann nicht mehr auf den Boden oder aufs Geleise bei den Bahnhöfen ecklig und bedenklig!!