Gute Gründe

19. Dezember 2014 05:46; Akt: 19.12.2014 05:46 Print

Darum sind Smartphones nichts für kleine Kinder

Im Auto, Wartezimmer oder Café: Mussten Kinder sich früher mit sich selbst beschäftigen, übernehmen das heute Tablets und Konsorten für sie – mit gravierenden Folgen.

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Mit elektronischen Geräten wie Smartphones lassen sich Kinder schnell und einfach beschäftigen. Doch der technische Babysitter hat schwerwiegende Nebenwirkungen. Zwischen null und zwei Jahren wächst das Gehirn von Kindern um das Dreifache, wobei die Entwicklung vor allem durch Impulse aus der Umwelt beeinflusst und vorangetrieben wird. Sind Kinder jedoch nur auf die Technik fixiert, kann es zu Aufmerksamkeitsdefiziten, kognitiven Verzögerungen, verminderter Lernfähigkeit, wachsender Impulsivität und sinkender Fähigkeit zur Selbstregulation führen. Wer sich viel mit technischen Geräten beschäftigt, bewegt sich wenig. Das kann auch dazu führen, dass sich die Entwicklung verzögert. Denn Bewegung verbessert nachweislich die Konzentration und die Lernfähigkeit. In den USA ist beim Schulbeginn die Lesefähigkeit eingeschränkt. Daneben kann der Bewegungsmangel auch zu Fettleibigkeit führen. Laut Forschern der Texas Tech University haben Kinder, die ein technisches Gerät in ihrem Zimmer haben, ein bis zu 30 Prozent höheres Risiko, krankhaft übergewichtig zu sein, als andere. Herzinfarkte, Diabetes und Schlaganfälle können die Folge sein. Auch die Lebenserwartung ist deutlich verkürzt. Wie Haustiere gehören auch Tablets und Smartphones nicht ins Bett. Doch gemäss Studien ist dies 60 Prozent der Eltern egal, sie kontrollieren den Gebrauch unter der Bettdecke nicht. Das kann zu Schlafmangel und Schulproblemen führen, wie Forscher vom Boston College herausgefunden haben. Übermässiger Konsum von technischen Geräten kann zu führen. Auch Psychosen können nicht ausgeschlossen werden. Junge Kinder werden durch die heutigen Medien zunehmend mit sexueller oder physischer Gewalt konfrontiert. Die USA haben als ein «öffentliches Gesundheitsrisiko» eingestuft - aufgrund ihres enormen Einflusses auf die Aggressivität bei Kindern. Eine weitere Nebenwirkung von übermässigem Technik-Konsum bei Kindern ist die sogenannte digitale Demenz. Als solche werden Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsschwächen und ein schlechtes Gedächtnis bezeichnet. Grund dafür sind im frontalen Cortex des Gerhirns. Kinder, die viel Zeit hinter Monitoren verbringen, werden irgendwann abhängig von ihnen. Sollten auch die Eltern mehr Zeit mit technischen Geräten als mit dem Nachwuchs verbringen, wird diese Entwicklung sogar noch verstärkt. Laut einer ist eines von elf Kindern zwischen acht und 18 Jahren abhängig. Eine weitere Gefahr ist unsichtbar. So stufte die Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2011 drahtlose Geräte wegen ihres Strahlungsausstosses als «möglicherweise krebserregend» ein. 2013 empfahlen Forscher von der University of Toronto, die Freisetzung von Funkfrequenzen von möglicherweise krebserregend zu «wahrscheinlich krebserregend» hochzustufen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dort wo Kinder früher mit Bauklötzen, Spielfiguren und kleinen Autos für Unordnung und Chaos sorgten, ist es heute verdächtig aufgeräumt und still. Kein Wunder, schliesslich haben selbst in Kinderzimmern und öffentlichen Spielecken elektronische Geräte längst Einzug erhalten.

Umfrage
Sollten Smartphones & Co. für Kinder verboten sein?
45 %
4 %
44 %
7 %
Insgesamt 7724 Teilnehmer

Dass sie praktisch sind, steht ausser Frage. Gleichzeitig sind sie aber auch alles andere als unbedenklich, wie US-Ergotherapeutin Cris Rowan auf Huffingtonpost.com berichtet. Sie fordert sogar, den Gebrauch von mobilen Geräten bei Kindern unter 12 Jahren ganz zu verbieten.

Mehrere Experten, eine Meinung

Damit stösst sie ins gleiche Horn wie unter anderem die «American Academy of Pediatrics», die der Meinung ist, dass Kinder von null bis zwei Jahren keinen Zugang zu jeglicher Technologie haben sollten, jene von drei bis fünf Jahren maximal eine Stunde und die zwischen sechs bis 18 Jahren höchstens zwei Stunden pro Tag.

Wer trotz dieser Forderungen noch immer überlegt, seinem Nachwuchs ein Smartphone, Tablet oder ein anderes technisches Gerät zu kaufen, sollte einen Blick in die Bildstrecke werfen. Dort gibt es Rowans Argumente zum Nachlesen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cleo am 19.12.2014 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Man sollte sich vielleicht auch mal Gedanken machen, dass Kinder sich wie Kinder benehmen dürfen. Sobald sie gehört werden oder sich zuviel bewegen, weil sie nicht still sitzen können, bekommt man einen schiefen Blick von einem Erwachsenen, sodass wir die Kinder ermahnen, ruhig zu sitzen. Ist eigentlich traurig. Wir müssten uns alle toleranter benehmen und den Kindern mehr "Luft zum atmen" lassen.

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  • Adrian M. am 19.12.2014 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Warum schon wieder ein Verbot?

    Warum sollte man das Handy (Smartfone) denn verbieten? Moderne Technik ist ja nicht grundsätzlich etwas schlechtes. Die Eltern der Kinder sollten aber ihren gesunden Menschenverstand benutzen und erkennen, dass ihr Smartfone die Kinder zwar beschäftigt und ruhig hält, aber in keinster eine erzieherische Funktion hat. Ich habe selbst zwei Kinder und verbringe lieber Zeit mit ihnen als mit elektronischen Geräten. Ich bin überzeugt, sie werden es mir einmal danken.

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  • Lehrling am 19.12.2014 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Stunden?

    Das wäre bei mir nicht mal der ganze Arbeitsweg, bei dem ich Musik hören dürfte! (ja, dazu braucht man Elektronik) Ich bin gerne an meinem PC usw. aber deswegen litt die Schule nie, selbst jetzt in der Berufsschule. Ich konnte prinzipien setzen. Und noch was: Eine Katze gehört mit zum Bett, sie gibt warm und beruhigt. Ich liebe es wenn meine Katze neben mir schläft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Harald Meierhofer am 20.12.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Studien warum?

    Ja, diese neumodischen Sachen sind doch Teufelszeug. Verbieten ist immer die beste Lösung. Auch die Elektrizität hat uns nur Unglück gebracht. Früher war doch alles besser als wir noch zum Wasserholen eine Stunden zum nächsten Fluss laufen mussten. Die ganze Studie ist wertlos, denn letzendlich ist nicht die Frage ob Kinder Smartphones benutzen sollen sondern es geht um den massvollen Umgang. Es ist klar, dass wer mit Smartphones aufgewachsen ist anders verdrahtet ist, als jemand der noch den Schwarzweiss-Fernseher gekannt hat. Und das ist gut so.

  • P. P. am 20.12.2014 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Smart muss man erst werden

    Smartphones oder Tablets sind für kleine Kinder bestimmt kein sinnvoller Zeitvertreib. Im Gegenteil, gesunde kognitive Fähigkeiten beginnen beim Ertasten und allmählichen Begreifen von Gegenständen und dem Entdecken der realen Umgebung samt Grenzen. Technologie ist nie Eltern- oder Erziehungsersatz. Auch bei "grossen Kindern" kommen bei näherem Hinsehen beim oft wenig kritischen Umgang mit Gadgets und der Gadgetwelt ab und zu Zweifel auf.

  • Future man am 19.12.2014 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ewiggestrige

    was soll man schon erwarten von einer Studie aus einem Land, wo 50% der Leute Darwinismus für Humbug halten und schon in mehreren Staaten aus dem Schulplan gestrichen wurde... Technische Entwicklung ist Teil der Evolution. Das wahre Poblem ist, dass zu viel Eltern nicht fähig sind, den Kindern einen fordenden unf fördenden Umgang mit solchen Geräten beizubringen, was durchus geht!

    • Arthure am 19.12.2014 22:40 Report Diesen Beitrag melden

      Technische Evolution, keine natürliche !

      Nichts gegen technische Entwicklungen, im Gegenteil... Aber Ihre Bemerkung zum Darwinismus scheint mir nicht ganz angebracht... denn es wird je länger je klarer, dass der Darwinismus doch tatsächlich Humbug IST... und absolut KEINE wissenschaftlich bewiesene Tatsache !!! Es ist und bleibt eine THEORIE... Dank Internet sollten Sie das eigentlich bereits herausgefunden haben... suchen, lesen und nachdenken ! Und bitte nicht alles glauben, was Ihnen im TV zwischen 08.00 und 01.00 Uhr morgens angeboten wird ;-). Umdenken und Vorurteile abschaffen, das sollten wir uns und unseren Kindern lernen..

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  • Mr. Programmer am 19.12.2014 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektronik in der Zukunft

    Bis 18 nur 2h Elektronik pro Tag? xD Logisch liegen unsere ITC-Kompetenzen hinter Venezuela xD PS: Junge "Suchtis" brauchen wir deswegen nicht!

  • M. G. am 19.12.2014 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Wie sollen es kleine Kinder lernen wenn die Eltern Regeln nicht konsequent durchziehen? Mein Bruder (16) uns ich (18) durften bis zur 5. Klasse nur 1 Stunde pro Tag fernsehen oder Gameboy spielen, geschaltet hat es uns nicht. Nur Regeln müssen eingehalten werden.