Kunstkrimi in Genf

27. September 2012 13:29; Akt: 27.09.2012 17:47 Print

Darum soll «Isleworth Mona Lisa» echt sein

Kunstkenner, Historiker, Physiker und Forensiker: Die Mona Lisa Foundation hat an einer Präsentation viele Experten antreten lassen, um die Echtheit ihrer «Isleworth Mona Lisa» zu beweisen.

Die «Mona Lisa» aus dem Louvre (l.) und die «Isleworth Mona Lisa» (r.) (Bilder: Wikipedia.org / The Mona Lisa Foundation)

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Kopie oder Original? Die letztes Jahr gegründete Zürcher Mona Lisa Foundation hat am Donnerstag in Genf angebliche Beweise vorgelegt, dass die sogenannte «Isleworth Mona Lisa» keine Kopie, sondern die Urfassung von Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde ist.

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Der angekündigte Stargast, der russische Schachgrossmeister und Parlamentarier Anatoli Karpow, liess sich entschuldigen: Politische Geschäfte verhinderten seine Teilnahme, hiess es. Auch Carlo Pedretti vom Armand Hammer Center for Leonardo Studies der University of California konnte nicht nach Genf reisen.

Zuerst per Dokumentarfilm und anschliessend live wurden die Erkenntnisse vorgestellt, die Kunstexperten, Physiker und Forensiker während zehn Jahren Arbeit an der «Früheren Mona Lisa» gesammelt haben. Dazu wurde den anwesenden Medienvertretern wärmstens die zugehörige Buchveröffentlichung «Mona Lisa: Leonardo's Earlier Version» empfohlen.

Das Argument von Kunsthistorikern, dass der Hintergrund der angeblich 1503 entstandenen «Isleworth Mona Lisa» dilettantisch ausgeführt sei, wurde damit entkräftet, dass das Gemälde im Gegensatz zur Louvre-Version von 1517 unvollendet sei.

Der beim FBI ausgebildete forensische Künstler Joe Mullins behauptete ausserdem, nachgewiesen zu haben, dass das Modell der früheren «Mona Lisa», tatsächlich dieselbe Physiognomie habe wie die spätere, nur 12-13 Jahre jünger. Die Gioconda hätte da Vinci demnach zwei Mal Modell gesessen.

Mullins benutzte zur Nachstellung des Alterungsprozesses ein digitales Programm, wie es auch bei lang verschollenen Entführungsopfern verwendet wird.

Diskussion eröffnet

Weitere Redner führten in der auf 20 Minuten Online live übertragenen Veranstaltung geometrische Ähnlichkeiten an, die in dieser Genauigkeit mit den technischen Möglichkeiten von damals schlicht nicht möglich gewesen wären. Andere zitierten Zeitgenossen von da Vinci, welche das Bild schon 1503 im Atelier des Malers gesehen haben wollen.

Die Beweise, dass die im Besitz eines internationalen Konsortiums befindliche «Isleworth Mona Lisa» authentisch und die von da Vinci persönlich gemalte frühere Version sei, seien «überwältigend» sagte der Anwalt Markus Frey, Präsident der Mona Lisa Foundation. Allerdings sei jeder frei, anderer Meinung zu sein.

Einziger Stiftungszweck

Gemäss Handelsregistereintrag wurde die Mona Lisa Foundation im Juli 2011 gegründet mit dem ausschliesslichen Zweck, zu beweisen, «dass Leonardo da Vinci zwei Versionen des Portraits 'Mona Lisa' erschuf, und die Förderung der kunsthistorisch-wissenschaftlichen Erforschung und vergleichender Studien der früheren Version des Portraits, welche als 'The Isleworth Mona Lisa' bekannt wurde».

Die Adresse und teilweise auch die Verwaltungsräte der Stiftung sind identisch mit der 2005 gegründeten «Feldman & Frey Philatelic Group AG», die gemäss Handelsregister «die Erbringung von Beratungsleistungen im Bereich des globalen Briefmarkenhandels» zum Hauptzweck hat. Der am Donnerstag abwesende Karpow ist ebenfalls Philatelist.

Erhebliche Zweifel

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es erhebliche Zweifel an der Echtheit der «früheren Mona Lisa» gegeben. «Es gibt keinerlei Grundlage zu behaupten, dass dieses Bild ein Original von da Vinci ist», sagte der emeritierte Professor für Kunstgeschichte an der Universität von Oxford, Martin Kemp, der Nachrichtenagentur DPA.

Viele Details würden darauf hinweisen, dass keinesfalls beide Bilder aus der Hand des Meisters entstanden seien. «Die Haare, die Struktur ihrer Hände, der durchscheinende Stoff ihres Kleides, die Atmosphäre der Landschaft - alles ist völlig anders», sagte Kemp.

20 Minuten Online hat am Donnerstagnachmittag live von der Präsentation live berichtet. Hier finden Sie den News-Ticker der Medienkonferenz.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudai Meier am 30.09.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich sehr gut möglich

    Es war durchaus üblich, dass Schüler des Meisters Körper und Hintergrund vormalten. Der Meister machte dann nur noch Gesicht und Ausprägung. Die edlen Leute sind auch nicht tagelange Modell gesessen. Die kamen erst, wenn auch der Meister kam. Völlig logisch also, dass man für eine spätere Fassung den Körper der früheren Fassung noch mal (ab-)gemalt hat - und dann halt einfach das ältere Gesicht dazu. Die jüngere Mona gefällt mir noch besser als die ältere!

  • Jacky am 27.09.2012 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    schon mal ihren linken ärmel verglichen, die falten sind praktisch identisch.

  • Erika am 27.09.2012 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Es wäre auch möglich, dass das erste Bild von der jüngeren Mona Lisa gemacht wurde. Später dann von der abgeklärten Frau mit einiger Lebenserfahrung! Diese Lächeln ist es, das davon zeugt, dass die Person schon einiges erlebt und gesehen hat in ihrem Leben. Es ist sehr gut eingefangen in dem Bild!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudai Meier am 30.09.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich sehr gut möglich

    Es war durchaus üblich, dass Schüler des Meisters Körper und Hintergrund vormalten. Der Meister machte dann nur noch Gesicht und Ausprägung. Die edlen Leute sind auch nicht tagelange Modell gesessen. Die kamen erst, wenn auch der Meister kam. Völlig logisch also, dass man für eine spätere Fassung den Körper der früheren Fassung noch mal (ab-)gemalt hat - und dann halt einfach das ältere Gesicht dazu. Die jüngere Mona gefällt mir noch besser als die ältere!

  • Software am 28.09.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Paint

    Auf Youtube gibt es ein Video in dem jemand Monalisa in Paint Malt, gemäss der komischen Erkennungssoftware ist das ding sicher auch von Da Vinci XD (Mona Liasa Paint)

  • Jacky am 27.09.2012 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    schon mal ihren linken ärmel verglichen, die falten sind praktisch identisch.

  • Pablo Pic-Asso am 27.09.2012 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DaVincis Factory

    Paris, Madrid und jetzt aussm Safe in Genf, mal sehen, wieviele echte Mona Lisas noch ploetzlich auftauchen, fast wie aus Andy Warhols Factory....

  • S. Gruber am 27.09.2012 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übung macht den Meister

    Ich bin kein Kunstexperte und verstehe auch nicht viel davon, jedoch kenne ich das Sprichwort übung macht den Meister. Vielleicht ist es ja von ihm, kein Meister ist noch vom Himmel gefallen... Aber beurteilen kann und will ich nicht, das sollen die Experten machen!