6 Gründe

02. Juni 2016 18:03; Akt: 02.06.2016 18:08 Print

Darum spielt das Wetter im Juni immer verrückt

von F. Riebeling - Starkregen, Hochwasser und Hagel: Alle Jahre wieder heisst es in unseren Breitengraden im Juni Land unter. Schuld daran ist der Monsun-Effekt.

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Das Aufräumen hat begonnen: Überschwemmungen nach starken Regenfällen am Sonntag in Leonding in Oberösterreich. (5. Juni 2016) In den Überschwemmungsgebieten Niederbayerns arbeiten Hunderte Einsatzkräfte und freiwillige Helfer, Und immer mehr wollen helfen. Helfer, die noch auf dem Weg seien, sollten umkehren, appellierten die Behörden.( 4. Juni 2016) Baden im Schlamm: Einige Besucher des Rockfestivals am Nürburgring liessen sich den Spass nicht nehmen. (4. Juni 2016) Der schönste Tag im Leben: Dieses Brautpaar lässt sich am Ufer der Seine ablichten. (3. Juni 2016) Verheerender Blitzeinschlag: Mindestens 42 Personen mussten nach dem Besuch des Festivals «Rock am Ring» in der Eifel in umliegende Krankenhäuser eingeliefert werden. Dieses Zelt wurde vom Sturm schwer erwischt. Auf dem Gelände kam man teilweise nur durch Schlamm watend voran. Dunkle Wolken über dem Festivalgelände von «Rock am Ring». (3. Juni 2016) Der Louvre wappnet sich für den Ernstfall: Plastikkisten stehen zwischen den Skulpturen bereit. (3. Juni 2016) Die Besucher werden über die Schliessung des Museums informiert. Frankreich: In der Region Paris steigt der Wasserpegel auf rekordverdächtige Höhe. Die Strassen beim Eiffelturm stehen unter Wasser. (1. Juni 2016) Museumsbesucher vor der Mona Lisa: Der Louvre schliesst wegen des Hochwassers seine Pforten. Aus Angst vor Überschwemmungen wurden in den Untergeschossen gelagerte Werke in höhere Etagen gebracht. Deutschland: Die Tragödie in Niederbayern spitzte sich zu: Im Hochwassergebiet stieg die Zahl der Todesopfer nunmehr auf sechs. (2. Juni 2016) Freiwillige helfen im niederbayrischen Simbach, eine Schule aufzuräumen. (2. Juni 2016) Der Frust bei den vom Hochwasser betroffenen Bürgern in Simbach ist gross. Die überfluteten Strassen verschlucken alles. Ein Anwohner in Simbach beginnt mit der Hausreinigung. Frankreich: Die Menschen in Nemours, etwa 80 Kilometer von Paris, müssen evakuiert werden. (2. Juni 2016) Viele werden mit Kanus aus dem überschwemmten Gebiet geholt. Deutschland. Die Bewohner von Simbach sind sich an Hochwassersituationen gewöhnt, wie eine Frau der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Dieses Unwetter sei aber noch viel schlimmer. Stadt unter Wasser: Ein Auto liegt auf dem Dach in Simbach. Die Zerstörung offenbart sich: Eine aufgerissene Strasse in Simbach am Inn. (1. Juni 2016) Das Wasser fliesst ab, der Dreck bleibt: Bürger reinigen eine Bäckerei in Simbach. (1. Juni 2016) Rettungskräfte müssten etliche Bürger in Sicherheit bringen. Katastrophenalarm ausgerufen: Das Wasser strömt durch Simbach am Inn. Eine Frau klettert in Braunsbach einem zerstörten Auto entlang. Zehntausende Menschen sind ohne Strom und müssen wohl auch die Nacht so verbringen: Blick auf Triftern. Ein Unwetter tobt auch über Hannover: Passanten überqueren die Strasse im schweren Regen. Hochwasser in Triftern im Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern: Rettungskräfte sind im Dauereinsatz. Der Ort Triftern mit seinen 5000 Einwohnern ist nach den Worten eines Gemeindesprechers derzeit von der Aussenwelt abgeschnitten, weil alle Brücken überschwemmt seien. Das Unwetter hat Frankreich erreicht: Überschwemmte Strassen in der Nähe von Lens im Norden Frankreichs. (31. Mai 2016) Laut Meteorologen gilt für die ganze Woche hohe Unwetter-Gefahr: Braunsbach von oben. (30. Mai 2016) Laut dem Deutschen Wetterdienst war eine Kombination aus feucht-warmen Luftmassen und einem Tiefdruckgebiet mit sehr wenig Wind für die Gewitterzellen verantwortlich, die riesige Regenmengen über einem kleinen Gebiet entluden. (30. Mai 2016) Die Niederschläge halten an: Autos fahren in Berlin durch den strömenden Regen. (30. Mai 2016) Gewitterwolken und starke Winde im Raum Brandenburg. . (30. Mai 2016) Langsam wird das Ausmass der Zerstörung in Braunsbach sichtbar. (30. Mai 2016) Eine 300 Meter lange Lawine aus Schutt und Geröll hat sich durch den Ort gewälzt. (30. Mai 2016) Viele Häuser sind einsturzgefährdet. (30. Mai 2016) Es werde Monate dauern, bis die Folgen behoben werden könnten, sagte der Polizeisprecher. (30. Mai 2016) Vier Tote, mehrere Verletzte und massive Zerstörungen: Im Süden Deutschlands haben Unwetter für erhebliche Verwüstung gesorgt. (30. Mai 2016) Zahlreiche Strassen und Verkehrswege waren gesperrt:Gleise bei Lehrberg. (30. Mai 2016) Besonders massiv traf das Unwetter über der Ostalb die Menschen in Braunsbach. (30. Mai 2016) Das Hochwasser hat hier eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Strasse in Braunsbach im Norden von Stuttgart. Die starken Regenfälle vom Wochenende liessen mehrere Bäche im Kochertal im Süden Deutschlands über die Ufer treten. Rund 7000 Einsatzkräfte sind mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Neckar-Zuflüsse Kocher, Enz und Jagst führten teilweise die drei- bis sechsfache Wassermenge, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts in Stuttgart. Feuerwehrmänner und Rettungstaucher am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd. Hier kamen ein Feuerwehrmann und eine weitere Person ums Leben. (29. Mai 2016) Der Feuerwehrmann hatte versucht, einen in einer überfluteten Bahnunterführung in einen Schacht eingesogenen Mann zu befreien und wurde selber eingesogen. Angeschwemmte Autos in Schwäbisch Grund. «Es sieht düster aus, wirklich schlimm»: Beträchtlicher Sachschaden in Braunsbach. Bayern; Die höchste Niederschlagsmenge meldete der Deutsche Wetterdienst in Hohenthann, etwa 70 Kilometer nordöstlich von München. Dort fielen binnen einer Stunde 65 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Sachschaden sei immens, sagte ein Polizeisprecher. An einigen Stellen steht das Wasser 1,7 Meter hoch. Baden-Württemberg. Nach vier Stunden Dauerregen: Die Stadt Schwäbisch Gmünd war von den Überschwemmungen besonders betroffen. Autos standen im Wasser oder wurden sogar mitgerissen. Unterführungen liessen kein Durchkommen mehr zu.

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In unseren Nachbarländern sind in den letzten Tagen vielerorts Bäche und Flüsse über die Ufer getreten. Die Lage ist dramatisch. Das verheerende Hochwasser in Niederbayern forderte mindestens fünf Tote, weitere vier Personen werden vermisst. In der Nacht auf Donnerstag hinterliess die Gewitterfront auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Spuren. In der Region Paris steigen die Pegelstände so schnell wie seit 1910 nicht mehr. Und eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht: Für heute wird erneut heftiger Regen erwartet. Warum ist das so? 20 Minuten hat für Sie die Fakten zusammengetragen.

Wird das Wetter immer schlimmer?
Der Schein trügt nicht: In den letzten rund 30 Jahren hat laut Forschern des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern die Anzahl von Extremereignissen – starke Stürme, heftige Niederschläge und Überschwemmungen – zugenommen. Fanden Letztere früher vor allem zwischen Juni und September statt, treten Hochwasser seit den 1990er-Jahren immer öfter bereits im Mai auf. Zudem sind die Sommermonate heute wärmer und feuchter als noch vor einigen Jahrzehnten.

Warum regnet es ausgerechnet im Mai und Juni so heftig?
Schuld daran ist der sogenannte Monsun-Effekt. Zu diesem kommt es, weil es Ende Mai und Anfang Juni in unseren Breitengraden bereits recht warm ist, während die Gewässer in und um Europa herum – vor allem der Atlantik – noch ziemlich kalt sind. Über dem Kontinent steigt die von der Sonne aufgeheizte Luft auf. Der dadurch frei werdende, darunter liegende Raum wird mit den feuchten Luftmassen gefüllt. Diese stammen von den Meeren und werden quasi über den Kontinent gesogen, wo sie sich innert kürzester Zeit entleeren.

Warum kommt es zu so schweren Überschwemmungen?
Wenn es lange und stark regnet, nimmt der Boden immer weniger Wasser auf, weil er zunehmend gesättigt ist. Ist die Speicherkapazität des Bodens schliesslich erreicht, kann kein Wasser mehr versickern. Es breitet sich überirdisch aus und fliesst auf direktem Weg in nahe Bäche und Flüsse. Die Hochwassergefahr steigt.

Fällt aber – so wie derzeit in Deutschland – sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit, kann es auch dann zu Überschwemmungen kommen, wenn der Speicher noch nicht gefüllt ist. Grund: Der Boden ist nicht in der Lage, so schnell so viel Wasser aufzunehmen. Das Wasser fliesst überirdisch ab.

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Überbauung: Laut Dörte Aller von der Nationalen Plattform Naturgefahren (Planat) in Bern kann sie zum Hochwasserproblem beitragen.

Warum hat man die Menschen in den betroffenen Regionen nicht früher gewarnt?
Zwar lassen sich Unwetter, die mit einer Wetterfront (eine abrupte Grenze zwischen verschiedenen Luftmassen) verbunden sind, gut vorhersagen. Doch wo genau sie passieren und wie heftig es wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Andreas Friedrich, Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), vergleicht in der «Frankfurter Rundschau» die Situation mit einem Topf voll kochendem Wasser: «Sie wissen, dass es gleich anfängt zu brodeln, aber wo das erste Bläschen hochsteigt, wissen sie nicht.»

Gibt es Ansätze, die Wettervorhersagen präziser zu machen?
Ja. Erst im vergangenen Monat hat die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (Eumetsat) angekündigt, von 2020 an zwölf neue Wettersatelliten in den Orbit zu bringen. Diese sollen so leistungsfähig sein, dass mit ihrer Hilfe Unwetter schon während ihrer Entstehung registriert werden können. Das soll frühzeitigere Warnungen ermöglichen.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Durch den Klimawandel beschleunigt sich laut Klimaforscher Andreas Fischlin von der ETH Zürich der globale Wasserkreislauf. Das führt einerseits zu ausgeprägteren Trockenperioden, andererseits zu deutlich mehr und intensiveren Starkniederschlägen. Zudem soll es im Winter mehr Niederschlag geben, was Auswirkungen auf die Abflüsse habe. Als Folge dieser Entwicklung dürften sich Hochwasserereignisse weiter häufen.

Zu diesem Schluss kommen auch Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. In einer 2015 veröffentlichten Studie berichten sie von einem «Aufwärtstrend nie dagewesener Regenfälle», der nur durch den Einfluss der Erderwärmung zu erklären sei.


Das Satellitenbild zeigt, wie das Unwetter am Wochenende und am Montag über Europa zog. Künftig sollen zwölf neue Satelliten für genauere Vorhersagen sorgen. (Video: Eumetsat via Storyful)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soraya am 02.06.2016 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    noch mehr zubetonieren

    Und wir streben eine 10 Mio. Schweiz aus Beton an. Wo soll dann das Wasser noch hin?

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  • Flussgott am 02.06.2016 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Auenland

    steht im Juni immer unter Wasser. Auen sollte weder "trockengelegt" noch überbaut werden, das gibt nur Ärger.

  • Bauamt am 02.06.2016 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemachte Probleme

    Was auch ein Grund ist sind die stetigen Neubauten. Früher versickerte das Wasser direkt im Boden, jetzt fliesst aber mehr Wasser vom Beton und den Dächer direkt in die Kanalisation und in die Flüsse. Und das beste ist umso mehr gebaut wird umso schlimmer wird es dann grösserer Auffangfläche. Auch die Begradigung der Flüsse durch den Menschen hat vieles dazu beigetragen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • U. Müller am 03.06.2016 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal ist einfach mal Schluss!

    Hätte ich das Sagen, dürften keine Siedlungen und keine neue Strassen mehr gebaut werden. Somit wäre auch mal Schluss mit immer noch mehr Einwandern. Jetzt sind wir wirklich am Limit und die Schweiz wird mit immer mehr Menschen nicht grösser ! Aber nein; nach mir die Sintflut, oder was?! Das ist sowas von verantwortungslos. Schliesslich haben wir nur diese eine Heimat und die möchte ich eigentlich nicht vor die Hunde gehen sehen. Aber soweit wirds wohl noch kommen. . . Hauptsache der Rubel rollt! Aber dass die Nachteile deutlich überwiegen, das will man nicht sehen- oder ignoriert es einfach.

  • Crazy Cowboyer am 03.06.2016 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wer spielt verrückt?

    Ganz schön anmassend von den oberschlauen Menschen zu denken, dass Wetter spielt verrückt.

  • rogeriu am 03.06.2016 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    REGENZEIT

    Einfach die Zeit von April bis Juni in 'Regenzeit' umbenennen, dann erwartet niemand mehr trockenes Wetter. Machen andere auch.

  • zuggeli am 03.06.2016 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher nie so dramatisch

    schuld daran ist Geoengineering und nichts anderes.

    • MadChengi am 03.06.2016 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      Keiner will's hören ;OD

      Wenn man Chemtrails auch nur erwähnt, wird man beinahe gekreuzigt...

    • Säm s am 03.06.2016 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Sollte ja Klima kälter machen

      Also die Chämtrails sollten ja angeblich das Klima kälter machen bzw dem Treibhausefekt entgegenwirken - damit etwa, so behaupten manche, die bösen Amis nicht unter dem Klimawandel leiden und weniger CO2 Abgaben zahlen müssen. Also sollte es doch weniger schlimm werden oder??

    • MadChengi am 03.06.2016 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Säm s

      Schon aufgefallen, wie kühl es ist, könnte ja auch Unwettern mit tüppigen Temperaturen - aber ist brrrrrrrrrr

    • Buechi am 03.06.2016 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @zuggeli

      Glaubt doch nicht immer jeden Unsinn den ihr im Internet findet.

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  • MadChengi am 03.06.2016 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Vulkan Aktivitäten?

    In den letzten 6-12 Monaten sind unzählige Vulkane ausgebrochen, darunter auch ein paar heftige wie z.B. der Popocatepetl, Mexiko - die Aschewolken überziehen den gesamten Planeten!

    • Säm s am 03.06.2016 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      wäre es ohne sie schlimmer?

      Immerhin kühlen solche Ausbrüche das Klima, und wo weniger Energie vorhanden ist, sollte es doch weniger krasse Unwetter geben oder?

    • Zuggeli am 03.06.2016 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Säm s

      nein die warme und kalte Luft müssen ja irgendwo hin und sich austauschen. Umso grössere Luftmassen, Druck und Temperaturunterschiede, desto mehr unruhiges Wetter. ;)

    • Säm s am 03.06.2016 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Klar

      Der Temperaturunterschied machts. Es geht aber um die Veränderung. Wenn die Polkappen abgeschmolzen sind und auch da rel hohe Temperaturen herrschen, dann wird es wie in einer globalen Eiszeit weniger Stürme geben. Aber wenn die Luft heutzutage abgekühlt werden würde, und sich so an die Wassertemperaturen angleichen würde (letztere speichern ja viel mehr Wärme), dann gäbe es auch weniger Extremereignise. Klar, diese Ereignisse träffen uns (aber auch die Tier- und Pflanzenwelt, bitte nicht vergessen) weniger hart, hätten wir nicht soviel überbaut und hätten wir uns nicht global ausgebreitet

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