Erklärung

05. Juli 2019 10:30; Akt: 05.07.2019 10:30 Print

Darum war der Stromboli-Ausbruch so heftig

Bislang ein Toter und ein Schwerverletzter, ins Meer flüchtende Menschen und Brände: Der Vulkanausbruch war der stärkste seit Jahren.

Am Mittwoch hat der Vulkan Stromboli eine Aschewolke und Gesteinsbrocken ausgestossen. (Video: Tamedia)
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Am Mittwoch ist der italienische Vulkan Stromboli nach zwei heftigen Explosionen auf der Südseite des Kraters ausgebrochen. Zwar sind die Menschen der gleichnamigen Insel regelmässige Ausbrüche gewohnt, doch dieses Mal waren die Eruptionen stärker als sonst. Bei einer der beiden soll es sich laut Fachleuten vom Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) um die stärkste Explosion seit Beginn der Aufzeichnungen gehandelt haben.

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Bis zu zwei Kilometer hoch stand die Aschesäule laut den Behörden über der Insel. Zudem wurden grössere Mengen Magma ausgeworfen. Mindestens ein Toter ist dokumentiert. Es soll Panik ausgebrochen sein.

Was ist passiert?

Laut dem INGV brach Magma aus allen fünf bekannten Spalten am Gipfel des Stromboli aus. Anders als bei kleineren Eruptionen ging das vulkanische Material – Asche, Lava, Geröll – nicht nur auf der nordwestlichen Flanke, der Sciara del Fuoco (Strasse des Feuers) ab, sondern auch auf der westlichen Seite. Damit wurde ein grösseres Gebiet als sonst verwüstet.

Rauch und Flammen breiten sich am 3. Juli 2019 über einen Hang auf der Insel Stromboli aus. (Foto: Giovanni Isolino/AFP)

Was hat dazu geführt?

Wie Stefano Branca vom INGV gegenüber Forbes.com sagte, hat eine Magmatasche die Eruption ausgelöst. Diese ist – anders als üblich – rasch aus grosser Tiefe aufgestiegen und so in Bereiche gelangt, in der es in der Folge zu einem schnellen Druckabfall und einer besonders massiven Entgasung kam. Dabei wurde das Material explosionsartig aus dem Schlot gerissen und mit grosser Kraft ausgeworfen.

Wusste man im Vorfeld von der Heftigkeit?

Nein, derartige Eruptionen lassen sich nur schwer vorhersagen, weil die üblichen Anzeichen fehlen oder erst kurz vorher auftreten. Normalerweise liegen die Magmakammern des Stromboli näher an der Oberfläche. Dadurch können sie sich ungehindert entleeren, sodass es zu keinem langfristigen Druckaufbau kommt.


So erlebten Schweizer den Vulkanausbruch. (Video: Leser-Reporter)

Warum hatten die Menschen Glück im Unglück?

Zwar rollten beim vergangenen Ausbruch immer wieder Gesteinsbrocken und Lava ins Meer. Aber die waren zu klein, um einen Tsunami auslösen. Dass die Gefahr besteht, zeigte ein Vorfall am 29. Dezember 2002. Damals riss während einer Eruption ein Teil des Vulkankegels ab, der ins Meer stürzte und so eine Flutwelle auslöste.

Kann es wieder dazu kommen?
Ja, aber nicht in naher Zukunft. Weil die für den Stromboli typischen oberflächlichen Magmakammern sich in der Regel selbst entleeren, geht das INGV nicht davon aus, dass sich eine derartige Explosion bald wiederholen wird. Laut dem Institut wird der Vulkan zu seiner üblichen Aktivität zurückkehren.

«Die Menschen sprangen umher»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Findnicht am 05.07.2019 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gefahr ist allgegenwärtig

    Man darf nie vergessen, dass Süditalien zur Erdbebenzone im Mittelmeer gehört und Vulkanausbrüche jederzeit möglich sind. Auch wenn die dortigen Vulkane momentan keine Aktivitäten zeigen, bedeutet das nicht, dass sie erloschen sind.

  • LLLL am 05.07.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend

    Wir waren vor ein paar Jahren auf einem Segelausflug in den Liparischen Inseln. Die Insel Stromboli haben wir auch angelaufen und sind am Abend hochgegangen. Einfach faszinierend. Da wird einem klar, wie klein und unbeholfen der Mensch im Vergleich zu den Naturkräften ist. Zum Glück ist es so und hat der Mensch nicht über alles die Macht.

  • Mama Mia am 05.07.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierende, unberechenbare Natur

    Ist es nicht so das in Italien ein riesiger supervulkan liegt und die einzelnen Vulkane nur Ventile sind? Ich hab das vor Jahren einmal in einer Doku gesehen. Ist gleich wie beim Yellowstones. Das ist auch ein gigantischer Vulkan. Wenn der mal explodiert, dann gute Nacht der Erde. Das wäre dann zu vergleichen mit dem Dinosauriern. Wir sterben dann alle aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau53 am 06.07.2019 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Vor zwei Wochen kamen

    unsere Jugendlichen, 8. Klasse, von ihrer Abschlussreise auf die Insel Stromboli zurück. Wir sind mehr als nur dankbar, dass das Unglück nicht während ihrem Aufenthalt stattgefunden hat. Eine Reise dorthin ist zwar eindrucksvoll, aber auch gefährlich, zumal im Allgemeinen eine erhöhte vulkanische Aktivität in Süditalien zu beobachten ist. Hoch zum Krater darf man seit einigen Jahren ohnehin nur noch mit einem Guide. Wie gefährlich aber die Zone bis 400 Meter ist, hat das Unglück von vergangener Woche nun gezeigt. Wahnsinn, dass die Insel nicht einmal mehr über Trinkwasser/Quelle verfügt.

  • KHF am 06.07.2019 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relation

    Wieviel Energie, CO2, Feinstaub wurde in Relation u einem Diesel-PW und der menschlichen verursachten Jahresbelastung frei gesetzt?

    • Xeno72 am 06.07.2019 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KHF

      Ist um etwa Faktor 15 unter der allein durch die menschliche Atmung verursachten Menge.

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  • Josef am 05.07.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Folge des Klimawandels?

    Das erstaunt mich doch sehr. Normalerweise ist der doch an allem schuld.

  • Thomas am 05.07.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Lüge

    Für die Unwissenden. Die Vulkane stossen weniger CO2 (200Mio. Tonnen) pro Jahr aus als die Menschen durch Atmung (3 Mia. Tonnen). Viele Klimaskeptiker behaupten das Gegenteil.

    • Walter am 06.07.2019 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Hallo Thomas. Anscheinend sind Sie vom Fach. Ich bin ein Laie und mich wundert es, wie das CO2 gewogen wird? Die grossen Mengen die sie beschreiben, müssten doch irgendwo herumliegen. Können Sie mir weiterhelfen? Vielen Dank.

    • Xeno72 am 06.07.2019 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Natürlich kann man Gase wägen.

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  • Mama Mia am 05.07.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierende, unberechenbare Natur

    Ist es nicht so das in Italien ein riesiger supervulkan liegt und die einzelnen Vulkane nur Ventile sind? Ich hab das vor Jahren einmal in einer Doku gesehen. Ist gleich wie beim Yellowstones. Das ist auch ein gigantischer Vulkan. Wenn der mal explodiert, dann gute Nacht der Erde. Das wäre dann zu vergleichen mit dem Dinosauriern. Wir sterben dann alle aus.

    • Georg Bauer am 05.07.2019 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mama Mia

      Phlegräische Felder wird diese Zone genannt.

    • Eaton Lee McIrony am 05.07.2019 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Georg Bauer

      die Distanz vom Stromboli zu den Phlegräischen Feldern beträgt etwa 250 km

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