Sars-CoV-2

20. März 2020 21:14; Akt: 20.03.2020 21:14 Print

Das Coronavirus stammt nicht aus dem Labor

US-Forscher haben das neue Coronavirus daraufhin untersucht, ob es von Menschen hergestellt worden sein könnte. Die Antwort ist deutlich.

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Die Verschwörungstheorie, wonach das Coronavirus Sars-CoV-2 im Labor erschaffen wurde, hält sich hartnäckig. Nun haben Forscher von Scripps Research neue Belege dafür geliefert, dass das Humbug ist und das Virus wirklich aus der Natur stammt. (Im Bild: Der Campus von Scripps Research in Florida) Dafür spricht einerseits, dass das molekulare Grundgerüst keinem der bisher bekannten krank machenden Coronaviren gleicht. Bei einem im Labor geschaffenen Virus wäre das der Fall. Das Grundgerüst gleicht viel eher jenem von Viren, wie man sie bei Fledermäusen oder Schuppentieren findet. Andererseits dockt das Virus überraschend effizient an menschliche Zellen an. Überraschend darum, weil Computermodelle darauf hingedeutet hatten, dass diese Andockart eher suboptimal ist. Auch das spricht für eine natürliche Evolution des Virus. Kristian Andersen, Immunologe und Mikrobiologe bei Scripps Research, sagte in einer Mitteilung: «Diese beiden Eigenschaften des Virus, die Mutationen beim Andockmechanismus und sein spezielles Rückgrat, schliessen Manipulationen im Labor als möglichen Ursprung für Sars-CoV-2 aus.» Hier eine Übersicht über die Ursprünge der verschiedenen Verschwörungstheorien zum Ursprung des Coronavirus und weshalb sie falsch sind. So kam Verschwörungstheoretikern wie gerufen, dass sich in Wuhan, dem Ort wo Sars-CoV-2 erstmals auftrat, ein Hochsicherheitslabor der höchsten Stufe (Biosafety Level 4), befindet. Wo sonst sollte das neue Virus auf einmal herkommen, wenn nicht aus dem Labor? So ihre Logik. Tatsächlich darf in Laboren der Stufe 4 mit Erregern geforscht werden, die laut der Biostoffverordnung «eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen», wie etwa das Ebolavirus. Doch für die Forschung an Coronaviren wie Sars, Mers oder dem neuen Typ reicht Biosafety Level 3. (Im Bild: Hochsicherheitslabor am Unispital Genf) Trotzdem macht die Behauptung die Runde, Sars-CoV-2 sei aus der Hochsicherheitseinrichtung entwichen. Kolportiert wurde sie unter anderem von der konservativen «Washington Times», die sich auf einen israelischen Ex-Geheimdienstler stützte. Laut diesem könnten im Wuhan National Biosafety Laboratory nicht nur Erreger untersucht, sondern auch Biowaffen entwickelt werden. Als ihn die angesehene «Washington Post» später auf seine Aussage ansprach, wollte sich der Ex-Geheimdienstler plötzlich nicht mehr dazu äussern. Im gleichen Artikel vom 29. Januar 2020 stellten ausgewiesene Biosicherheitsexperten ebenfalls bereits klar, dass das Virus nach seinem Genom und seinen weiteren Eigenschaften zu beurteilen nicht aus dem Labor stammen könne. Zudem gaben sie an, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass im Labor an streng geheimen Biowaffen geforscht werde. Es sei einst mit französischer Hilfe erbaut worden und stehe in engem Austausch mit der Universität Texas. (Im Bild: Universität Texas) Online einsehbare Patente auf Coronaviren veranlassten einige Menschen zur Behauptung, dass Sars-Cov-2 nicht zufällig aufgetaucht, sondern im Labor entwickelt und bewusst freigesetzt worden sei. Zweck der Übung: mit entsprechenden Impfstoffen Geschäfte machen. Verbreitet wurde der vermeintliche Zusammenhang unter anderem am 22. Januar 2020 von der US-Website «USA Hitman» und einen Tag später vom deutschsprachigen Portal «Connectiv Events». Die Falschmeldungen wurden fleissig in den sozialen Medien geteilt, wo sie um weitere Behauptungen ergänzt wurden. In einem Beitrag des Verschwörungskults Qanon wurde etwa behauptet, dass das Virus «von der selbst ernannten Elite» gezüchtet worden sei. All das ist aber Quatsch, wie unter anderem das Recherchezentrum Correctiv schreibt: «Es gibt die genannten Patente, manche sind allerdings nur angemeldet und nicht erteilt. Sie haben ausserdem nichts mit dem neuen Coronavirus aus China zu tun, sondern mit vorigen Virenarten.» Gegenüber Factcheck.org erklärte Coronavirus-Experte Matthew Frieman von der Universität Maryland, dass eine der Gensequenzen unter anderem während des Sars-Ausbruchs im Jahr 2003 isoliert und patentiert wurde – um auf dieser Basis einen Impfstoff zu entwickeln. Nach einer weiteren Verschwörungstheorie soll auch Microsoft-Gründer Bill Gates die Finger mit im Spiel haben. Der Grund: Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung hatte das Pirbright-Institut, das ein Coronavirus-Patent hält, in der Vergangenheit finanziell unterstützt. Weitere Unterstellung: Milliardär Gates soll – aus angeblichem Eigennutz – im Oktober 2019 vor dem Coronavirus gewarnt und einen Ausbruch mit 65 Millionen Toten vorhergesagt haben. Beide Theorien sind falsch. Zwar stimmt es, dass die Gates-Stiftung das Institut mit 5,5 Millionen Dollar unterstützt hat. Allerdings sei dies in den Livestock Antibody Hub geflossen, in dem untersucht wird, wie man Tiere besser vor Krankheiten schützt. (Im Bild: Pressemitteilung aus November 2019) Gerüchte, dass neue Viren nicht natürlich sind, sondern aus dem Labor stammen, tauchen mit jedem neuen Ausbruch auf. Auch bei der Ebola-Epidemie 2014/15 in Westafrika wurde behauptet, das Virus komme aus einem «geheimen US-Labor», genauso wie bei HIV in den 1980ern. (Im Bild: Der Aids-Memorial-Quilt in Washington, 2012) Das Pirbright-Institut hat selbst Stellung zu den falschen Anschuldigungen bezogen: Man forsche zurzeit nicht an menschlichen Coronaviren (Bild). Auch die Unterstellung, Bill Gates habe den Covid-19-Ausbruch angekündigt, ist nicht korrekt. Sie fusst auf einer Veranstaltung namens Event 201, bei dem zu Übungszwecken ein Pandemie-Szenario simuliert wurde. Auslöser war ein fiktives Coronavirus. Auch das an dem Szenario beteiligte Johns Hopkins Center for Health Security hat sich eingeschaltet. Man habe auf der Veranstaltung keine Prognosen für die Zukunft gemacht, heisst es dort. Auch hätten die Szenarien nicht den aktuellen entsprochen. Am 23. Januar 2020 kam die Meldung auf, dass das neue Coronavirus 2019-nCo beim Verzehr einer Fledermaussuppe übertragen worden sei. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile im Netz. Auch 20 Minuten hat über die Spekulationen berichtet. Mittlerweile ist jedoch klar, dass Fledermaussuppe in China keine weitverbreitete Speise ist. Auch das Video, das als Beweis für den vermeintlichen Zusammenhang gepostet wurde, hat rein gar nichts mit dem aktuellen Coronavirus-Ausbruch zu tun. Es zeigt die chinesische Influencerin Wang Mengyun und stammt aus dem Jahr 2016. Entstanden sind die Aufnahmen auch nicht in China, sondern auf Palau, einem Archipel im westlichen Pazifik, Tausende Kilometer vom Ursprungsort des neuen Coronavirus entfernt. Tatsächlich könnte das Virus aber von Fledermäusen stammen. Eine aktuelle Studie hat Sars-Cov-2 mit anderen Coronaviren verglichen. Die grösste Übereinstimmung gab es mit zwei Coronaviren, die in Fledermäusen entstanden waren. Allerdings wurden auf dem Tiermarkt in Wuhan, wo es die allerersten Ansteckungen gab, keine Fledermäuse verkauft. Sollte das Virus also wirklich von Fledermäusen stammen (das ist noch keineswegs klar) muss es noch einen – bisher ebenfalls unbekannten – tierischen Zwischenwirt gegeben haben.

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Es ist eine der hartnäckigsten Verschwörungstheorien zum Coronavirus Sars-CoV-2. Die These, wonach finstere Mächte den Auslöser der Covid-19-Pandemie künstlich hergestellt hätten und ihn dann absichtlich oder auch nicht auf die Menschheit losgelassen haben. Westliche Verschwörungstheoretiker vermuten die Chinesen dahinter, während im Iran und China die Amerikaner als Virusfabrikanten gebrandmarkt werden.

Doch alle liegen sie falsch. Denn das Virus stammt aus der Natur. Dies hat eine Studie der privaten und nicht gewinnorientierten biomedizinischen Forschungsorganisation Scripps Research ergeben. Dafür haben die Forscher im Erbgut von Sars-CoV-2 dessen Entwicklung zurückverfolgt und seine Struktur mit der anderer Coronaviren verglichen.

Spezielles Grundgerüst

Einer der deutlichsten Hinweise auf einen natürlichen Ursprung des Virus liefert seine molekulare Struktur, sozusagen das Rückgrat des Virus. Dieses Grundgerüst unterscheidet sich deutlich von allen bisher bekannten Coronaviren, die Menschen krank machen können, wie die Forscher im Fachjournal «Nature Medicine» schreiben.

Das Grundgerüst gleicht viel eher jenem von Viren, wie man sie bei Fledermäusen oder Schuppentieren findet. Die Forscher schreiben in einer Mitteilung, dass ein künstlich erzeugtes Virus dagegen auf der Struktur eines Erregers aufgebaut wäre, dessen krank machende Wirkung bei Menschen bestätigt sei.

Effizienter Zellbefall

Auch beim Andockmechanismus der Viren wurden die Forscher fündig. Um eine Zelle befallen zu können, verfügen Coronaviren über Eiweissstoffe, die von der Virushülle nach aussen ragen, sogenannte Spike-Proteine. Sie können an der Aussenwand von Zellen andocken und diese durchdringen. Das Spike-Protein von Sars-CoV-2 hängt sich an einen Eiweissstoff (ACE2), der für die Regulierung des Blutdrucks zuständig ist, an – und das extrem effizient. Diese Perfektion ist laut den Forschern ein klarer Beleg für eine natürliche Evolution. Denn Computeranalysen hätten diese Art der Bindung eigentlich nicht als besonders effizient bewertet.

Kristian Andersen, Immunologe und Mikrobiologe bei Scripps Research, sagte in einer Mitteilung: «Diese beiden Eigenschaften des Virus, die Mutationen beim Andockmechanismus und sein spezielles Rückgrat, schliessen Manipulationen im Labor als möglichen Ursprung für Sars-CoV-2 aus.»

Wo wurde das Virus gefährlich?

Die Analyse des Erbguts hat zudem Hinweise geliefert, wie das Virus aus der Tierwelt auf den Menschen überspringen konnte. Ein möglichen Szenario ist, dass sich das Virus im Zuge der natürlichen Selektion im Tier zu einem Krankheitserreger für Menschen entwickelte und dann auf den Menschen übersprang. In einem zweiten Szenario könnte ein harmloses Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen sein und sich dann innerhalb der Bevölkerung zu einem Krankmacher gewandelt haben.

Momentan ist es unmöglich, zu sagen, welches Szenario das wahrscheinlichere ist. Forscher möchten das aber dringend wissen, da es helfen könnte, zukünftige Ausbrüche verstehen und vorhersagen zu können.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jaklar am 20.03.2020 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    würd ich auch...

    Sagen wenn es von mir wäre

  • ich nid am 20.03.2020 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wers glaubt

    Hahaha Privat und nicht gewinnorientiert

  • xxxl-bmw am 20.03.2020 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    wenn das die amis sagen,dann ist es eher das es aus dem labor stammt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mandrlo iz Splita am 22.03.2020 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ja! AUS EINEM CHINESICHEN SUPPENTOPF

    den in den USA millionenfach importiert wurde... Kapitalisten sind von Kommunisten abhängig... der Witz der Menschheit...

  • Marc68 am 22.03.2020 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logischerweise

    Dieser Virus ist zu perfekt um nicht aus einen Labor entstanden zu sein ! Und wurde definitiv von den Amerikanischen Kollegen gezüchtet!Warum ? Der Dementi kommt ebenfalls von Ihnen(Sie Artikel)! So eine Studie in wenigen Wochen und natürlich publiziert! Sorry Leute dieser Verschwörungstheorie Wahn hat mich jetzt ebenfalls getroffen,Selbsterkenntnis innert 5 min !

  • Marc68 am 22.03.2020 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logischerweise

    Dieser Virus ist zu perfekt um nicht aus einen Labor entstanden zu sein ! Und wurde definitiv von den Amerikanischen Kollegen gezüchtet!Warum ? Der Dementi kommt ebenfalls von Ihnen(Sie Artikel)! So eine Studie in wenigen Wochen und natürlich publiziert! Sorry Leute dieser Verschwörungstheorie Wahn hat mich jetzt ebenfalls getroffen,Selbsterkenntnis innert 5 min !

  • Coni am 22.03.2020 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na also

    Mit anderen worten, dann kommt es aus dem labor!

  • donata lump am 22.03.2020 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    lüge

    ausgerechnet in wuhan steht das "chinesische nationale zentrum für biosicherheit", wo u.a. an sars-/coronaviren getüftelt werden soll. googelt das mal. zweck werden wohl chemiewaffen sein. unfall? absicht? und der erzfeind der usa, der iran, komischerweise sehr stark betroffen. und nun dementiert eine us-firma... wer wohl dahinersteckt?