Weltkriegs-Jagdflugzeug

18. April 2012 23:07; Akt: 19.04.2012 08:51 Print

Das Geheimnis der vergrabenen Spitfires

Ein britischer Hobbyarchäologe hat in Burma 20 Kampfflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Nach einer persönlichen Intervention von Premier David Cameron sollen sie nun ausgegraben werden.

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Der britische Farmer David Cundall war sofort Feuer und Flamme, als ihm ein Freund vor 15 Jahren die frohe Botschaft überbrachte. Dieser hatte von US-Veteranen erfahren, dass sie in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs haufenweise fabrikneu in Kisten angelieferte Spitfires vergraben hatten. O-Ton der Veteranen: «Wir haben damals einige ziemlich alberne Dinge gemacht, aber das albernste war, Spitfires zu vergraben.» Diese Worte liessen Cundall nicht mehr los.

Kurzentschlossen machte er sich auf, die geheimnisvollen Spitfires zu finden und nach Grossbritannien zurückzuschaffen. Er nahm Kontakt zu US-Veteranen auf und platzierte Aufrufe in einschlägigen Zeitschriften. Nach und nach fügten sich die Puzzleteile zusammen. Doch ein Hindernis blieb. Burma war eine brutale Militärdiktatur und dem Rest der Welt gegenüber äusserst feindselig eingestellt. Cundall liess sich davon nicht abschrecken und bewies in der Folge bemerkenswertes Verhandlungsgeschick. Es gelang ihm tatsächlich, die burmesischen Behörden für sein Anliegen zu gewinnen.

Erfolgreiche Suche

Nach zehn Jahren Suche und einem Dutzend Trips nach Burma, für die der heute 62-Jährige rund 130 000 Pfund (190 000 Franken) hingeblättert hat, kam der Durchbruch: Cundall war sich sicher, die Flugzeuge gefunden zu haben. Da er zu diesem Zeitpunkt aber keine Erlaubnis zum Graben hatte, bohrte er lediglich ein Loch in die Erde, in das er eine kleine Kamera einführte. Und tatsächlich, die Bilder zeigten Transportkisten, «die sich in einem guten Zustand befanden», wie Cundall dem «Daily Telegraph» erzählte.

In genau solchen Kisten waren die Spitfires im August 1945 vom Hersteller in Castle Bromwich in Mittelengland nach Burma geliefert worden. Doch dort hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits keinen Bedarf mehr an den Jägern. Die Japaner waren erfolgreich aus aus dem Land vertrieben worden und kämpften, nur wenige Woche vor den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki, bereits einen verlorenen Kampf. Was tun mit den Fliegern, die man nicht brauchte, aber auch nicht dem Feind überlassen wollte? «1945 gab es Spitfires wie Sand am Meer», sagte Cundall. «Man wählte eine typisch britische Lösung: Kommt, wir vergraben sie, Jungs».

Der Premier schaltet sich ein

Ein erstes Ziel hatte Cundall erreicht: Die Spitfires waren lokalisiert. Doch wie sollten sie ausser Landes geschafft werden. Heimlich ging nicht, schliesslich wurde der Hobbyarchäologe bei seiner Suche stets von bewaffneten Aufpassern begleitet. Schliesslich kam dem Engländer die hohe Politik zu Hilfe. Die burmesischen Machthaber leiteten 2010 – von internationalen Sanktionen in die Knie gezwungen – weitreichende Reformen ein. Und nach demokratischen Wahlen ist Burma inzwischen so weit rehabilitiert, dass westliche Politiker wieder guten Gewissens zu Besuch kommen.

Als einer der Ersten packte der britische Premierminister David Cameron die Gelegenheit beim Schopf. Mitte Monat weilte er im südostasiatischen Land und brachte im Gespräch mit Präsident Thein Sein auch die Spitfire-Frage aufs Tapet. Und dieser zeigte sich nach offiziellen Angaben begeistert von der Aussicht, die Flugzeuge zu bergen und zusammenzubauen. Nun darf Cundall auf finanzstarke Investoren hoffen, um seinen Traum zu verwirklichen und die legendären Jagdflugzeuge wieder am britischen Himmel zu sehen: «Spitfires sind wunderschöne Flugzeuge und sollten nicht in einem fremden Land vor sich hin modern. Sie retteten uns den Hals in der Luftschlacht um England und sollten erhalten bleiben.»


Eine Spitfire Mk XIV in Aktion (Quelle: YouTube/auldm)

(jcg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gute Idee... sollten die restaurierbar sein sind die ein kleines Vermögen wert... Viel schöner als diese modernen Jets. Der Sound der RR V12 ist auch wunderbar! – Marc BJorg

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco.h am 19.04.2012 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    coole idess

    coole idee. hoffentich gelingt s dieses stück geschichte zu retten und zu akivieren

  • ERNST am 19.04.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Historischer Wert

    Ein Hilfsmittel mehr die damalige Zeit zu verstehen. Nebenbei ist diese Maschine ein Meilenstein in der Entwickung des Flugwesens allgemein.

  • Suzanne F. am 19.04.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Lieblingsflugzeug

    Ich durfte an der Sion Airshow den Piloten einer der letzten Spitfire kennenlernen und es war wirklich spannend, mit ihm über die "Mödeli" des Fliegers zu diskutieren. Wenn sich jetzt plötzlich die Anzahl dieser wunderschönen Flugzeuge vervielfachen würde, wäre das echt wunderbar. Mein Lebenstraum - mal mitfliegen, leider geht das nur im "Trainingsmodell" und von denen gibts in Europa genau drei. Wer weiss - es heisst ja nicht umsonst Traum ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shirley am 20.04.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Geschäft

    Ich weiss nicht, ob es jemanden interessiert, aber die Geschichte ist auch deshalb besonders witzig, weil Burma in den 1950er-Jahren viel Geld dafür ausgab, um von Israel gebrauchte Mk IX Spitfires für seine Luftwaffe zu kaufen.

  • Frodo am 20.04.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Juhuuu

    Da schlägt mein Warbird-Liebhaberherz höher! Freue mich, diese Maschinen bald irgendwo zu sehen.

  • Yves Wiesmann am 19.04.2012 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbar!

    Der Traum von jedem Warbird Fan :D freue mich darauf mehr davon zu hören :)

  • Kuse am 19.04.2012 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Millionen Wert!

    Die Spitfire ist inzwischen zu einer Rarität geworden. Die Flugzeuge werden fertig zusammengebaut Millionen wert haben. Übrigens hatte auch die Schweiz die Supermarine Spitfire im Inventar! Finde es super wenn diese Modelle wieder zusammengebaut werden!

  • B. Kart am 19.04.2012 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Als der Mensch noch im Mittelpunkt stand

    Faszinierende Maschinen. Grosse Leistungen ganz ohne Computer! Das waren noch Piloten.