Langsam, aber sicher

01. Juli 2016 11:00; Akt: 01.07.2016 11:00 Print

Das Ozonloch schliesst sich wieder

Umweltschutz lohnt sich: Die Ozonschicht beginnt sich drei Jahrzehnte nach dem Verbot der ozonzerstörenden Chemikalien zu regenerieren.

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Noch im vergangenen Jahr zeigten sich Experten irritiert wegen der damals festgestellten immensen Ausdehnung des Ozonlochs über der Antarktis. Doch nun scheint es sich langsam zu schliessen. Es gebe Hinweise darauf, dass ein Regenerationsprozess eingesetzt habe, berichten Forscher aus Grossbritannien und den USA im Fachblatt «Science».

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«Wir können jetzt sicher sein, dass die Entscheidungen, die wir getroffen haben, den Planeten auf den Weg der Heilung gebracht haben», sagt Hauptautorin Susan Solomon.

Vulkanausbruch als Rückschlag

Das Team um Solomon, die am Massachusetts Institute of Technology forscht, hatte die jährliche mittlere Dicke der Ozonschicht und die Grösse des Ozonlochs über der Antarktis im Monat September zwischen 2000 und 2015 ermittelt.

Das im vergangenen Jahr gemessene Rekordhoch sei auf den Ausbruch des Vulkans Calbuco in Chile zurückzuführen, fanden die Forscher nun bei ihrer Untersuchung heraus.

Grösste Ausdehnung im Oktober

Das Ozonloch öffnet sich jedes Jahr im Frühling auf der Südhalbkugel. Dann sorgt die nach dem langen Polarwinter einsetzende Sonneneinstrahlung dafür, dass die ozonschädigenden Stoffe, die sich im Winter angereichert haben, ihre Wirkung entfalten können. Im Oktober erreicht das Ozonloch jeweils seine grösste Ausdehnung.

Die Forscher analysierten nun Ozon-Daten sowie Satelliten-Messungen von Schwefeldioxid, das bei Vulkanausbrüchen frei wird und den Ozonabbau beschleunigen kann. Ausserdem berücksichtigten sie verschiedene meteorologische Daten wie Temperatur und Wind.

Die September-Messwerte verglichen sie dann mit solchen aus Simulationsmodellen, die die Entwicklung der Ozonwerte unter verschiedenen Bedingungen vorausberechneten.

In 15 Jahren stark geschrumpft

Sie fanden heraus, dass das September-Ozonloch zwischen 2000 und 2015 um mehr als vier Millionen Quadratkilometer geschrumpft ist. Das ist eine Fläche grösser als Indien. Der Tag, an dem eine bestimmte Grösse des Ozonlochs überschritten wird, verschiebe sich Jahr für Jahr weiter nach hinten, so die Forscher.

Sie konnten ausserdem zeigen, dass die Abnahme des Ozonlochs zu mehr als 50 Prozent auf den Rückgang der verursachenden Chemikalien in der Ozonschicht zurückzuführen sei.

Aber warum untersuchten die Forscher eigentlich die Septemberwerte und legten ihren Fokus nicht auf Oktober, wenn das Ozonloch sein grösstes Ausmass erreicht? Die Oktoberdaten seien anfälliger für Schwankungen, etwa durch kleine Veränderungen der Meteorologie, sagt Solomon.

Erste Hinweise auf ein Loch in der schützenden Ozonschicht in der Stratosphäre – also in etwa 10 bis 50 Kilometer Höhe – fanden Wissenschaftler Anfang der 80er-Jahre. 1985 berichteten sie im Fachblatt «Nature» davon und rüttelten mit diesem Bericht die Fachwelt auf.

Erfolgsgeschichte Montreal-Protokoll

Schnell war klar, dass vor allem Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), die weltweit als Treibgase, Kühlmittel oder zur Herstellung von Schaumstoffen verwendet wurden, für die Zerstörung des Ozons verantwortlich sind.

Bereits zwei Jahre nach Veröffentlichung des Berichts beschlossen fast 200 Staaten im Montreal-Protokoll (siehe Box) langfristig ein Verbot der Substanzen. Susan Solomon lieferte mit ihren Arbeiten massgebliche wissenschaftliche Grundlagen für das Übereinkommen.

«Die Wissenschaft war hilfreich dabei, den Weg zu weisen. Diplomaten, Länder und die Industrie waren unglaublich gut darin, einen Weg aus der Verwendung dieser Moleküle festzulegen. Jetzt sehen wir tatsächlich, dass sich der Planet erholt. Das ist eine wundervolle Sache.»

Mit einer vollständigen Schliessung des Ozonlochs rechnen Experten aufgrund der langen Lebensdauer der ozonschädigenden Substanzen erst etwa Mitte des 21. Jahrhunderts.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MB am 01.07.2016 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewissen

    Damit wäre der Umweltschutz an sich ja erledigt. Also wieder froh konsumieren. Wissenschaft ist toll, wenn sie einem das Gewissen beruhigt. (ironic)

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  • Bebbi am 01.07.2016 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Vor einigen Tagen kam eine Sendung auf NG zu diesem Thema, wo genau das Gegenteil gesagt wurde - es sei nach 3 Jahrzehnten schrumpfen so gross wie zu Beginn. Keiner kann sich erklären weshalb, da die FCKWs schon lange verboten sind...

    einklappen einklappen
  • captainobvious am 01.07.2016 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hört auf

    kommt mir nicht mit umweltschutz. was war eigentlich mit dem bp le ck? oder fukushima? oder all der elektroschrott welcher schön nach somalia geschifft und dort verbrannt wird? bitte liste erweitern. danke

Die neusten Leser-Kommentare

  • tobias helmlein am 03.07.2016 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Tatort obere Atmosphäre

    Erst haben wir das Ozon entjungfert und jetzt hat es auch noch Potenzprobleme! Wo soll das nur hinführen?

  • Patrick am 03.07.2016 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prognosen

    Wieder ein gutes Beispiel. Die Prognosefähigkeit der Menschheit ist leider eingeschränkt. Im Speziellen, wenn dies Aussagen über die Zukunft betrifft. Fazit: Time will tell us!

  • Grisu am 03.07.2016 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Propaganda hier, Propaganda dort...

    Ein Ozonloch gibt es faktisch nicht! Als Ozonloch bezeichnet man eine starke Ausdünnung der Ozonschicht! Das hat nichts mit einem Loch zu tun! Ehrliche Berichte würden das vertrauen in die Medien evtl. stärken, aber so?!?

  • Martin am 02.07.2016 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Experte hier, Experte da...

    Ich lese hier immer wieder irgend ein Geschwafel von sogenannten Experten. Hey, als Experte kann sich jeder schimpfen der eine Meinung hat, an die genug glauben. Experte ist kein geschützter Titel.

  • Peter(TOO) am 02.07.2016 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist neu?

    Das nicht nur die FCKWs zum Ozonloch beitragen ist schon lange bekannt! Mittlerweile überwiegen die Stickoxyde (Lachgas) die FCKWs. Hinzu kommt noch, dass das Ozonloch auch noch einen Zusammenhang mit der (ant)artischen Temperatur (Wetter) hat. Die natürlichen Schwankungen der Ozonschicht betragen ein paar Prozent. Durch die FCKWS ist dann aber das Ozon auf unter 50% gesunken. Da wird Vulkanausbrüche nicht beeinflussen können, muss der menschliche Anteil am Ozonloch möglichst klein gehalten werden.