Nächtliche Killer

23. April 2019 21:17; Akt: 24.04.2019 09:02 Print

Dutzende verstümmelte Katzen gefunden

In kanadischen Städten werden immer wieder tote Katzen gefunden. Von Anfang an fiel der Verdacht auf Tierquäler, doch die Wahrheit sieht anders aus.

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Ist ein kranker Sadist oder gar ein satanischer Kult am Werk? Seit Jahren finden die Bewohner der Städte Edmonton und St. Albert in der kanadischen Provinz Alberta in ihren Vorgärten und auf Spielplätzen immer wieder kopflose oder verstümmelte Katzen. Es scheint fast so, als würde sie jemand bewusst dort hinlegen. Doch ein Schuldiger war bislang nicht auszumachen.

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Das gelang nun dem forensischen Tierarzt Nick Nation und der Biologin Colleen Cassady St. Clair von der Universität Alberta. Sie untersuchten die Leichenschauberichte von 53 Katzen, die zwischen 2007 und 2017 in den beiden Städten abgegeben wurden. Sie kamen zum Schluss, dass nicht Menschen die Katzen getötet haben, sondern Kojoten.

Keine menschlichen Spuren

Fast 70 Prozent der untersuchten Katzen dürften direkt von Kojoten erlegt worden sein, während weitere 15 Prozent wohl zuerst von einem Auto angefahren wurden, bevor sich Kojoten über sie hermachten. Die Katzen zeigten keine Anzeichen für einen menschlichen Einfluss wie etwa Messerschnitte, wie sie im Fachjournal «Veterinary Pathology» berichteten.

Dafür fanden die Forscher in den zersplitterten Krallen der Katzen Fellbüschel von Kojoten. Auch die Bissspuren weisen auf Kojoten hin. Die Verstümmelungen rühren laut den Forschern daher, dass mehrere Kojoten im Kampf um die besten Stücke an den Katzenkadavern gezerrt hatten.

Katzen als Übungsobjekte

Die Funde konzentrierten sich auf die Monate Juni bis Oktober, 80 Prozent davon auf August und September. Das liegt laut den Forschern daran, dass dann die örtlichen Nagetierbestände ihren Höhepunkt erreichen, was viele Katzen auf die nächtliche Jagd treibt. Zudem erklärte St. Clair auf dem Sender CBC: «Es könnte auch daran liegen, dass Kojoteneltern dann ihren Jungen das Jagen beibringen und dafür Katzen als Übungsobjekte verwenden.» Das sei eigentlich ironisch, wenn man sich vergegenwärtige, wie viele Tiere die Katzen selbst töten.

Als Schutz gegen die Kojoten empfiehlt St. Clair, die Katzen in der Wohnung zu halten oder nur noch in einen umzäunten Garten zu lassen. «Ich habe selbst eine Katze, die ständig rauswill. Doch unsere Studie zeigt, dass Katzen, die ihre Zeit draussen verbringen, ein ziemlich übles Lebensende droht.»

Allgemein scheinen Katzen auf dem Speisezettel der Kojoten ziemlich weit oben zu stehen. Eine aktuelle Studie des amerikanischen National Park Service hat in Kalifornien 3000 Kothäufchen von in Städten lebenden Kojoten analysiert. Das Fazit: Katzen machen 20 Prozent der Kojotennahrung aus, wie IFLscience.com schreibt.

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maxx am 23.04.2019 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Da stimmen die Singvögel gleich ein Loblied an

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  • The Truth am 23.04.2019 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Die Natur erobert die Katze zurück. Der natürliche Lebenszyklus von fast allen Tierarten, das ist ganz normal. Jetzt gibt es dort natürlich ein Dilemma, unmenschlich sein und die Katze einsperren oder ihnen die Freiheit geben und das Risiko von Kojoten getötet zu werden einzugehen.

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  • Dumby am 24.04.2019 02:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturgesetze

    Auch in der Tierwelt wird gemordet was das Zeug hält. Allerdings nicht wegen Äusserlichkeiten wie Geld, Stolz usw

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Wohlfahrt am 26.04.2019 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    todesschtrafe

    welches Gericht nimmt jetzt Verhandlungen auf? sowas muss bedtraft werden. in amerika bekähme er die todesschtrafe!

  • Mantafahrer am 26.04.2019 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kojotenschwanz

    Wenn man die Clubregeln anpasst und auch Kojotenschwänze als Antennenanhänger zulässt, wird das Problem bald verschwinden.

  • Leser am 26.04.2019 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Grössere Katzen

    Dann müssen halt auch die Katzenhalter aufrüsten - z.B. mit einem herzigen Luchs oder Geparden hätten die Kojoten wohl nicht so leichtes Spiel.

  • Alessandro am 25.04.2019 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wär nicht schlecht...

    Haben selbst eine Katze, aber ein Kojote im Quartier wär kein Fehler!. Es hat schlicht weg zu viele Katzen!

  • Mary J am 24.04.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensraum zerstört

    Schuld hat hier auch der Mensch, man nimmt den Tieren den Lebensraum weg, zieht immer mehr in deren Reviere und wundert sich dann warum die Kojoten (und andere wie Bären etc.) kommen. Katzen verwechseln Kojoten mit Hunden und sehen keine direkte Gefahr, weshalb es den Kojoten vermutlich leichter fällt Katzen zu erbeuten!