Archäologie

16. Februar 2011 08:30; Akt: 16.02.2011 08:41 Print

Das ist die älteste Prothese der Welt

Bei einer ägyptischen Mumie haben Forscher die weltweit bislang älteste Prothese entdeckt. Eine britische Forscherin hat Nachbauten der 2500 Jahre alten Zeh-Prothesen an zwei Freiwilligen getestet. Ergebnis: Sie funktionieren.

storybild

Die im oberägyptischen Theben entdeckte einbalsamierte Leiche einer Priestertochter, die zwischen 950 und 710 vor Christus lebte, hatte am Fuss einen aus Holz und Leder hergestellten grossen Zeh befestigt. (Bild: AFP)

Fehler gesehen?

Schon die alten Ägypter konnten offenbar funktionierende Prothesen für amputierte Gliedmassen herstellen. Eine britische Forscherin hat Nachbauten von mehr als 2500 Jahre alten Zeh-Prothesen an zwei Freiwilligen getestet. Ergebnis: Sie funktionieren.

Die Testpersonen bezeichneten eine der Prothesen für den grossen Zeh sogar als «besonders bequem», berichtet die Wissenschaftlerin Jacqueline Finch von der Universität Manchester im britischen Medizin-Journal «Lancet». Die Ägypter hätten offenbar genaue Kenntnisse der Anatomie und Funktion des Fusses gehabt.

Der grosse Zeh trägt beim Laufen fast 40 Prozent des Körpergewichtes. Menschen ohne grossen Zeh hinken daher stark. Die beiden ägyptischen Prothesen aus Holz sowie aus Pappmaché und Gips hätten den Versuchspersonen das Laufen deutlich erleichtert, schreibt Finch.

Museumsstücke nachgebaut

Damit sei klar, dass die Ägypter schon mehrere hundert Jahre vor den Römern amputierte Gliedmassen durch Prothesen ersetzt haben. Bisher waren Skeptiker davon ausgegangen, dass die ägyptischen Prothesen trotz Gebrauchsspuren nur Grabbeilagen waren. Ein römisches Bronze-Bein aus einem Grab in der Nähe des italienischen Capua galt als älteste Prothese.

Die in Manchester verwendeten Prothesen sind Nachbauten von Museumsstücken. Beide ersetzen jeweils den rechten Zeh und wurden in der altägyptischen Stadt Theben in der Nähe von Luxor gefunden. Eine Prothese wurde 1881 ausgegraben.

Aus Leinen und Leim

Der im British Museum in London ausgestellte Zeh besteht aus einer Art Pappmaché aus Leinen und Leim sowie einem Gips-Überzug. Die Prothese wird auf 600 vor Christus datiert. Die zweite Prothese besteht aus drei beweglichen Teilen aus Holz und Leder.

Sie wurde 2000 von dem deutschen Archäologen Andreas Nerlich im Grab einer Priestertochter gefunden, die irgendwann zwischen 950 und 710 vor Christus lebte. Die Prothese ist im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt. Beide Zehen haben Löcher, die vermutlich dazu dienten, sie mit einem Band am Fuss oder an den Sandalen zu befestigen.

(sda)