Die bekannten Fakten

23. August 2018 12:14; Akt: 23.08.2018 12:14 Print

Das musst du zu #juuling wissen

US-Teenager feiern Juul wie keine andere E-Zigarette zuvor. Experten warnen vor dem Trend, der auch zu uns schwappen könnte.

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Die E-Zigarette Juul ist bei Teenagern in den USA extrem populär – obwohl sie eigentlich gar nicht für diese gedacht ist, sondern erwachsenen Rauchern beim Aufgeben ihres Lasters helfen soll. Das Problem: Die Pods, mit denen die Juul befüllt wird, enthalten Nikotinsalze, die den Nikotinpegel im Blut ähnlich schnell ansteigen lassen wie klassische Zigaretten. Damit haben sie ein beträchtliches Suchtpotenzial. Warum die Juul sogar bei jenen Teenagern für Begeisterung sorgt, die nie zuvor geraucht haben, ist nicht eindeutig geklärt. Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz vermutet, dass das Produkt mit seinen verschiedenen Geschmacksrichtungen den Nerv der Zeit trifft. Neben dem modernen Look der Juul, die man mithilfe käuflicher Oberschalen noch individuell gestalten kann, hat man es in den USA mit gezielter Marketingstrategie – Videos auf Social-Media-Kanälen wie Youtube, Instagram und Snapchat – offenbar geschafft, junge Konsumenten anzulocken, ... ... welche die Promotion von Juul via Social Media-Inhalten gleich selber fördern. So gibt es zahlreiche Aufnahmen, ... ... auf denen die User ihre schönsten Juul-Rauchwolken zeigen. Aus Sicht Schweizer Experten, ist die in den USA beobachtete Entwicklung sehr bedenklich, zumal Erkenntnisse zu langfristigen Gesundheitsrisiken fehlten. Auch Coop will in den Markt einsteigen: Bald dürfte es dort auch E-Zigaretten mit nikotinhaltiger Flüssigkeit geben. Seit April sind die Flüssigkeiten in der Schweiz erlaubt. Kiosk-Betreiber Valora hat bereits jetzt ein E-Zigi-Angebot. Das Unternehmen will das Sortiment allerdings nun ausweiten. Schon seit Juni hat Valora das Sortiment des Schweizer Anbieters Insmoke im Angebot. (Im Bild: Insmoke-Geschäftsführer Stefan Meile) Für die Unternehmen sind E-Zigaretten eine Chance, den sinkenden Tabakverkauf in der Schweiz zu kompensieren. Während E-Zigaretten in manchen Ländern, etwa Grossbritannien, als gesündere Alternative zu Tabak empfohlen werden, sind Experten in der Schweiz eher kritisch. Experten sagen, es gebe keine aussagekräftigen Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Auswirkungen.

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Was ist die Juul und was unterscheidet sie von anderen E-Zigaretten?
Die Juul sieht aus wie ein längerer USB-Stick und besteht aus einer Batterie, einem eingebauten Apparat zum Erhitzen, der ein Aerosol erzeugt, und einem Slot für die Pods, wie die Kartuschen vom Hersteller genannt werden. Diese können anders als bei klassischen E-Zigaretten nicht nachgefüllt werden, sondern müssen immer wieder durch Originale von Juul ersetzt werden. Es gibt sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen – etwa Gurke, Wassermelone, Mango oder Minze.

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Anders als die meisten E-Zigaretten enthalten die Pods Nikotinsalz anstelle von Nikotinflüssigkeit. Das soll laut Juul-Sprecherin Victoria Davis Rauchern das Aufhören erleichtern – dem eigentlichen Zweck der E-Zigarette. Dies, weil das Nikotinsalz den Nikotinpegel im Blut ähnlich schnell ansteigen lässt wie bei klassischen Zigaretten und so für den berüchtigten Nikotinkick sorgt. Dazu trägt auch der hohe Nikotingehalt der Juul bei: In den USA enthält ein Pod so viel wie ein ganzes Päckchen Zigaretten.

Sollte die Juul auch in die Schweiz kommen, wird sie hierzulande auch so viel Nikotin enthalten?
Davon ist gemäss Experten nicht auszugehen. Grund dafür sind die deutlich strengeren EU-Regeln punkto Nikotingehalt. Wie dieser in der Schweiz aussehen könnte, zeigt ein Blick auf Grossbritannien, wo die Juul seit einigen Wochen auf dem Markt ist. Dort sind gemäss EU-Direktive 20 Milligramm Nikotin je Milliliter erlaubt – die US-Variante von Juul ist aber mehr als doppelt so stark. Gemäss Cassis-de-Dijon-Prinzip sind Produkte, die im EU-Raum zugelassen sind, auch für die Schweiz zulässig. Dies bedeutet, dass auch hierzulande eine schwächere Variante lanciert wird.

In den USA hat die Firma mehrere Klagen am Hals. Was wird kritisiert?
Obwohl die Juul laut Hersteller nur für volljährige Raucher gedacht ist, die ihr Laster aufgeben wollen, und auch nur an diese abgegeben werden sollen, erfreut sie sich besonders bei Teenagern grosser Beliebtheit – auch bei jenen, die zuvor noch nie an einer richtigen Zigarette gezogen haben.

Weiteres Problem: Da die Juul Nikotin auf besonders effektive Weise liefert, hat sie ein beträchtliches Suchtpotenzial. Eines, das laut Michael Siegel von der Boston University viel stärker ist als das herkömmlicher E-Zigaretten, wie die «New York Times» schreibt. Noch deutlicher wird Scott Gottlieb von der US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA: «Das Nikotin der Juul kann das Gehirn eines Jugendlichen neu verkabeln – eine jahrelange Sucht ist die Folge.»

Wie reagiert Juul auf die Kritik?
Das Unternehmen betont, dass junge Menschen oder Personen, die sonst kein Nikotin konsumieren, niemals Juul probieren sollten. Die E-Zigarette sei ausschliesslich für erwachsene Raucher gedacht. Das Unternehmen hat deswegen im Juni 2018 30 Millionen Dollar in Projekte investiert, die Minderjährige auf die Gefahren von Juul aufmerksam machen sollen.

Was macht die Juul für Teenager so attraktiv?
Wirklich klar ist das noch nicht. Daher hat die FDA die Firma dazu verpflichtet, Rechenschaft über Inhaltsstoffe, Wirkung und die Vermarktung der E-Zigarette abzulegen. Dies in der Hoffnung, herauszufinden, warum Juuling bei Teenagern so enorm beliebt ist.

Ebenfalls keine Antwort darauf hat das Bundesamt für Gesundheit BAG: «Wir können darüber nicht spekulieren», teilt Sprecher Daniel Dauwalder mit. Auch Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz kann nur mutmassen: «Offenbar trifft das Produkt mit seinen verschiedenen Geschmacksrichtungen den Nerv der Zeit, gerade auch bei jungen Menschen.» Neben dem modernen Look der Juul, die man mithilfe käuflicher Oberschalen noch individuell gestalten kann, «hat es in den USA mit gezielter Marketingstrategie – Videos auf Social Media wie Youtube, Instagram, Snapchat – offenbar geschafft, junge Konsumenten anzulocken, die die Promotion von Juul via Social-Media-Inhalte gleich selber fördern.» Das sei aus gesundheitlicher Sicht sehr bedenklich, zumal Erkenntnisse zu langfristigen Gesundheitsrisiken fehlten.

Wie realistisch ist es, dass die E-Zigarette von Juul in die Schweiz kommt?
Das Unternehmen selbst hält sich bedeckt: «Wir evaluieren und bewerten die Märkte in ganz Europa, aber wir geben derzeit keine weiteren Details zu unseren Expansionsplänen bekannt», teilt Sprecherin Victoria Davis auf Anfrage mit.

Für Sucht Schweiz wäre ein Markteintritt nicht unerwartet. «Weil gesetzliche Restriktionen fehlen, ist dies nicht unwahrscheinlich», sagt Monique Portner-Helfer. Die Schweiz würde mit ihren heute liberalen Marketingvorschriften ein ideales Terrain darstellen.

Auch Regula Grünwald von der Lungenliga Schweiz wäre nicht überrascht, wenn die Juul auch hierzulande erhältlich sein wird. Schliesslich können nikotinhaltige E-Zigaretten gemäss dem Cassis-de-Dijon-Prinzip in der Schweiz verkauft werden, insofern sie die technischen Anforderungen eines EU- oder EWR-Mitgliedstaats erfüllen und in diesem Staat rechtmässig im Verkehr sind. «Da Juul-E-Zigaretten in England verkauft werden, dürften sie auch in der Schweiz verkauft werden.»

Daniel Dauwalder vom BAG ergänzt: «Wenn das Produkt attraktiv ist, wird es wahrscheinlich in der Schweiz schnell entsprechende Importeure geben.»

Ab welchem Alter dürften die E-Zigaretten von Juul in der Schweiz verkauft werden?
Zurzeit gibt es beim Verkauf von E-Zigaretten noch keine rechtlichen Vorgaben zum Jugendschutz, so Regula Grünwald von der Lungenliga Schweiz. «Wir setzten uns dafür ein, dass E-Zigaretten nicht mehr wie bis anhin im Rahmen des Lebensmittelgesetzes, sondern im Rahmen des neuen Tabakproduktegesetzes geregelt werden. Dieses sieht ein Mindestalter von 18 Jahren für den Erwerb von Tabakprodukten vor. Allerdings wird dieses voraussichtlich erst 2022 in Kraft treten.

Was passiert, wenn man Gerät und Pods schon jetzt in der Schweiz nutzt?
Bereits jetzt sind das Gerät selbst und auch das Aufladegerät hierzulande erhältlich, jedoch nicht die nikotinhaltigen Pods. Diese müssen zurzeit noch im Ausland bezogen werden. Solange diese nicht weiterverkauft werden, sondern nur zum Privatgebrauch dienen, ist das unproblematisch, wie Stefan Kunfermann vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV sagt.

So wird «Juuling» auf Social Media zelebriert

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter M am 23.08.2018 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Das absolut schlimmste daran

    IHR macht Werbung für so einen Quatsch und fördert somit den Hype. Schon mal darüber nachgedacht?

    einklappen einklappen
  • Dampfnase am 23.08.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Empörte Werbung bringt auch Geld

    Man empört sich darüber und macht trotzdem Werbung im grossen Stil dafür? Soll dies jetzt eine Warnung oder Werbung sein? Ach was solls, Tamedia, alles klar

  • 4057 Basel am 23.08.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber ein Joint

    da zieh ich mir doch lieber einen Joint rein,das Kraut ist Organisch und schmeckt gut

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • muss sich ändern am 24.08.2018 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Der grösste Witzt ist

    produzieren und verkaufen darf man das Zeugs, nicht wahr?

  • Berner Bär am 24.08.2018 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Werbung!

    Nur die Allerwenigsten hatten zuvor von dem Artikel "Juul" gehört. Doch nun wurde dank intelligenter Werbestrategie ("Sorge für eine Empörungswelle, organisiere Aufmerksamkeit." - haben wir auch im BWL-Studium im Marketing erfahren!) der Artikel bekanntgemacht - ohne Werbeauftritt! Diese Strategie kommt offensichtlich immer mehr in Mode, man erinnere sich an die "Empörungswelle" vor der Einführung von "Fusetea"...

  • MikeMU am 23.08.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schleichwerbung

    Muss der Artikel nicht gekenzeichnet werden?

  • Timo am 23.08.2018 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nuggi

    Nichts anderes als ein Schnuller für Erwachsene

  • Ramses am 23.08.2018 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ProfitProfitProfit

    Das ist pure Verherrlichung der E- Ziggi da die eigentliche ZigarettenWerbung verboten ist. Erfindenden diese immer Neues.